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Alt 14.02.2006, 01:10  
Toktok
night strike specialist
 
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Kuhfladen,

man muss die weitgehende Pressefreiheit in der westlichen Welt gar nicht überbewerten, denn auch sie kann leichter ihre Grenzen finden, als man denkt.
Die Karikaturen der Jyllands-Posten sind ohnehin nicht als Zeichen der Pressefreiheit anzusehen, ebenso wenig das trotzige Nachdrucken durch die Presse anderer Länder. Ich würde sogar soweit gehen, die Karikaturen vielmehr als Zeichen von Hirnlosigkeit und damit zwangsläufig einhergehender Verantwortungslosigkeit zu bewerten. Die Jyllands-Posten hat schließlich den Propheten Mohammed absichtlich als einen Terroristen im Stil Osama bin Ladens dargestellt, doch das hat weder etwas mit seiner tatsächlichen Vergangenheit gemeinsam, noch mit den vielfältigen Begebenheiten, die man heute in der Welt vorfindet. Die einzige Motivation hinter dieser Darstellung war es, die Feindseligkeiten gegenüber Muslimen weiter zu schüren. Der dadurch hervorgerufene Eklat ist allerdings größer, als von den dänischen Journalisten erwartet.
Doch bleiben wir bei der Pressefreiheit. Den vermeintlichen Feind zu kritisieren ist doch keine große Sache. Das ist sogar in Diktaturen erlaubt und oft sogar ausdrücklich erwünscht. Viel wichtiger ist die Pressefreiheit in dem Sinne, dass das Kehren vor der eigenen Haustüre ungestraft bleibt, sprich: Die Pressefreiheit eines Landes zeichnet sich viel stärker dadurch aus, dass man seine eigenen Obrigkeiten kritisieren darf.
Die Kritik an Fremden hat viel stärker etwas mit Verantwortungsbewusstsein, als mit Pressefreiheit zu tun. Wie fändest du es beispielsweise, wenn das Nachdrucken der Mohammed-Karikaturen in Deutschland zum Todesurteil für die noch im Irak entführten Leipziger werden würde? Deren Familien würden sich bestimmt bei all jenen bedanken, die das Nachdrucken von hirnlosen, unsinnigen Mohammed-Karikaturen im vermeintlichen Sinne der Pressefreiheit für so wichtig hielten.
Außerdem sieht man besonders auch im Zweifelsfall eines Krieges sehr schön, wieviel Respekt man in der westlichen Welt vor der Pressefreiheit hat: Der arabische Sender Al Djazira war der einzige Fernsehsender weltweit, der sowohl während des Krieges in Afghanistan, als auch im Irak-Krieg direkt am Ort der Kampfhandlungen geblieben ist, was dazu führte, dass nahezu alle westlichen Sendeanstalten dessen Bilder gekauft und gesendet haben. Sowohl in Kabul, als auch in Bagdad wurde Al Djazira bombardiert, es fanden dabei auch Mitarbeiter den Tod. Zufall, oder Zeichen von Respekt vor der Pressefreiheit? Dass ich nicht lache!
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