Thema: Eßstörung
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Alt 28.08.2001, 00:12  
stella01
Junior Member
 
Registriert seit: 08/2001
Beiträge: 33
Hallo ihr Lieben.
Ich wende mich mal an euch, weil es mir recht schlecht geht. Daß mit mir etwas nicht stimmt, weiß ich. Aber erzählt habe ich es bloß noch keinem meiner Freunde, auch nicht meiner Familie. Ich schäme mich so entsetzlich. Es ist schon eine arge Belastung, denn ich habe Bulimie. Ist irgendwie auch gar nicht einfach, das hier aufzuschreiben, aber einfacher wegen der Anonymität.
Habe die Krankheit schon seit einem Jahr. Wann es genau anfing weiß ich gar nicht mehr.
Fange einfach mal von vorne an. Ich war ein glückliches Kind, das von seinen Eltern absolut geliebt wurde. Meine Eltern hatten ab meinem Alter von 4 Jahren nicht mehr die nötige Zeit, sich um mich zu kümmern, so daß ich immer bei meiner Oma war. Sie meinte es gut mit mir, stopfte mich immer voll, frei nach dem Motto: Kind, du mußt essen, damit du groß und stark wirst. Faktum war jedenfalls, daß ich mich zu einem pummeligen Kind entwickelt habe. Das hat sich aber wieder verwachsen, so daß ich in der Pubertät wieder eine völlig normale Figur hatte. Während meiner letzten Beziehung bin ich dann wieder aufgegangen wie ein Hefekloß, wog dann bei einer Körpergröße von 1,68m 77kg. Mein Ex hatte eben die Angewohnheit immer spät abends essen zu müssen und das dann entweder in der Pizzeria oder bei Mc Donalds. Und sind wir doch mal ehrlich: Es ist schrecklich daneben zu sitzen und einfach nur zuzuschauen. Also habe ich natürlich mitgegessen und mir die Kilos innerhalb von 2,5 Jahren angefressen. Ich war total unglücklich, habe mich absolut nicht wohlgefühlt in meiner Haut, wollte unbedingt abnehmen. Aber irgendwie fehlte mir die Kraft dazu und Unterstützung bekam ich von ihm auch nicht, stattdessen immer nur Sprüche zu hören, daß ich was tun müsse und nicht permanent jammern solle. Jedenfalls kam dann irgendwann die Trennung, was mich zutiefst getroffen hatte. Dermaßen, daß ich die ersten 2 oder 3 Tage (ich weiß es schon gar nicht mehr) überhaupt nichts essen konnte. Fing dann mit der Zeit an, auch mehr für mich zu tun, hatte meine Ernährung umgestellt, weniger gegessen, nicht mehr so viel Süßes, Cola durch Wasser ersetzt und mit dem Joggen begonnen. So nahm ich ab. Innerhalb eines halben Jahres ca. habe ich dann nur noch 59kg gewogen und mich rundum wohl gefühlt. Es war einfach toll. Alle, die ich kannte waren positiv überrascht und äußerten auch mir gegenüber, wie toll ich aussehen würde, richtig sexy. Ich habe mir Klamotten gekauft, in denen ich viel Figur gezeigt habe, mir hat es einfach Spaß gemacht zu zeigen, was ich geschafft habe. Betreibe auch einen Sport, bei dem es von Vorteil ist schlank zu sein. Und 18kg abzunehmen, das muß einem erst einmal jemand nachmachen. Dieses neue Gewicht habe ich dann auch ein Jahr halten können. Bis letztes Jahr eben. Ich weiß nicht wieso, aber auf einmal bekam ich einen Heißhunger auf all die Sachen, die ich mir verboten hatte. Konnte natürlich nicht widerstehen. Habe mich geärgert und auch dadurch zugenommen, so daß ich dann irgendwann wieder auf 68kg kam (was bei einer Größe von 1,68m ja noch normal ist). Aber wer einmal Blut geleckt hat, sprich wer einmal weniger gewogen hat, der will es auch wieder. Also fing ich irgendwann an, mir den Finger in den Hals zu stecken, um dann den "Fehler" wieder einigermaßen "ausbügeln" zu können, also nicht zuzunehmen. Habe gemerkt, daß ich wieder mehr essen kann, ohne großartig zuzunehmen. Natürlich klappt das auch nicht immer. Manchmal ißt man eben doch normal und dann kommt wieder so eine Freßattacke. Aber irgendwie bleiben dann "Reste" im Körper, die dieser sofort ansetzt. Es ist ein ewiges Hin- und Her mit meinem Gewicht. Ich wiege das ganze Jahr zwischen 62 und 68kg. Ich frage mich wirklich, daß sich niemand deswegen wundert. So ist es auch kein Problem für mich mal locker 1 - 1,5kg pro Tag zuzunehmen, wenn ich mir es "erlaube" (also das Essen in mir behalte), nachdem ich was gegessen habe, was nicht erlaubt ist (das kann schon mal eine ganze Prinzenrolle sein und zwei Tafeln Schokolade). Das muß doch nach außenhin auffallen. 1kg! Manchmal sind die Tage einfach schrecklich, dann pendele ich zwischen Kühlschrank und Toilette nur hin und her. Das sind Tage, an denen ich allein bin. Und daß meine Mutter auch nichts sagt oder merkt, einfach unbegreiflich. Aber ich würde auch nicht wollen, daß sie was sagt. Es gibt Tage, da esse ich eine ganze Packung Eis, 1 Tiefkühlpizza, 6 belegte Brote, 5 Joghurts, 1 Fertigkuchen, 6 Tafeln Schokolade, Gummibärchen, Chips, trinke dazu 3 Flaschen Leitungswasser, undundund. Dann geht es mir dermaßen schlecht, daß ich es mit Mühe und Not gerade noch zur Toilette schaffe. Und solche Attacken kommen manchmal mehrmals pro Tag. Dann gibt es aber auch wieder Tage, an denen esse ich so gut wie gar nichts oder nur Obst und dann ist der "Fauxpas" auch wieder glattgebügelt.
Ich bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem ich mir sage, daß ich so nicht mehr weiterleben möchte. Mangelerscheinungen im Sinne von Haarausfall oder schlechten Blutwerten habe ich glücklicherweise nicht. Aber mein Stoffwechsel ist absolut im Eimer. Ich habe sogar regelrecht Angst, wieder normal zu essen, also richte Mahlzeiten am Tag, die ich dann in mir lasse. Wegen meinem Stoffwechselproblem war ich schon beim Arzt gewesen, habe ihm aber die Geschichte der Bulimie verschwiegen. Habe ich einfach nicht geschafft, ihm zu erzählen. Natürlich konnte er mir nicht helfen. Habe aber auch Angst, zum Psychater zu gehen (ich weiß, daß Therapie von Nöten ist), weil ich dann wieder zunehme, weil mein Stoffwechsel nicht funktioniert. Es ist einfach ein elender Kreislauf... Am liebsten wäre mir, ich würde es allein irgendwie schaffen.
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