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Alt 24.10.2008, 20:52  
MadHatter
Cosmic Hobo
 
Registriert seit: 03/2004
Ort: Im Wunderland
Beiträge: 2.754
Zitat:
Zitat von dear_ly
Ganz ehrlich? Klar. Was meinst du wie oft ich meinen Katzen in Gedanken schon das Fell abgezogen hab, weil sie mir in den Flur gepisst haben -.- Trotzdem würd ich ihnen so nie was antun.
[...]
Definiere mal "Fazination an Gewalt und Tod"? Jemand, der bei sowas faziniert ist, der schaut sich auch tote Tiere auf der Straße an etc. Bzw fixiert sich dann eher auf "reale" Tode, anstatt sich Games reinzuziehen. Man sollte sehr stark zwischen Spiel/Filmtod und realem Tod differenzieren.
Ich meine damit jemanden, bei dem Gewalt Lustgefühle erzeugt. Wenn du deine Katzen in Gedanken verletzt, bist du wütend auf sie, da sie dich zuvor provoziert haben. Du würdest ihnen aber sicherlich nicht etwas antun, weil es dir Spaß bereitet, sie zu quälen. Genau das passiert aber in manchen Spielen. Sie funktionieren, weil -Zitat von dir- "man kreativ töten kann". Es ist der Wunsch nach exzessiver Gewaltanwendung, der zum Spielen treibt und nicht die Sympathisierung mit den Zombies, die man zerhackstückelt. Da beginnt das Problem. Ich suche mir Medien gezielt aus, weil ich ein bestimmtes Erlebnis von ihnen erwarte. Sie sind ein Reflex auf das, was den Menschen bewegt, und können es weiter verstärken. Deshalb ist es notwendig, sich zu fragen, was man konsumiert, denn das sagt auch immer etwas über einen selbst aus.


Zitat:
Zitat von dear_ly
Ich hab dir shcon mehrmals gesagt, dass Spiele und die Gefühle, die man dabei empfindet nichts mit den Gefühlen zu tun haben, die ic hder Realität entgegen bringe.
Du spielst, um ein gutes Gefühl zu bekommen und das hält ja an, wenn du die Konsole ausschaltest. Außerdem wirst du dich mit anderen wahrscheinlich über dein Spiel unterhalten, indem ihr eure Gewaltbilder zum Gegenstand einer realen Diskussion macht, und das gute Gefühl wird dich dazu bringen, ein ähnliches Spiel zu kaufen und damit die Industrie weiter anzukurbeln. Auf diese Weise werden Gewaltphantasien in der Gesellschaft erhalten und neu erzeugt mit Produkten, die die alten Grenzen überschreiten. Das ist die Spirale, die man wahrnehmen sollte. Computerspiele stehen nicht außerhalb der Moral, auch wenn du das behauptest. Gamedesigner wissen genau, dass Spiele Ideen und Gefühle transportieren. Deswegen stilisieren sie die Gewalt ja auch -Beispiele hast du ja genannt-, womit sie sich die Gewogenheit des Spielers erschleichen. Andere beliebte Mittel sind die Verteidigungstaktiken oder das Kämpfen gegen Monster bzw. Roboter oder das Arbeiten mit einem fixen Gut/Böse Schema etc.. Bei den Spielen (Postal, Mankind), in denen diese Kaschierungen fehlen oder nur minimale Anwendungen finden, tritt uns die Gewaltverherrlichung und das völlige Fehlen von Empathie deutlich vor Augen. Die Verschleierungsversuche, die Spiele vornehmen, sollten wir sehen. Vor allem ist das vor dem Hintergrund wichtig, dass sich Spiele grafiktechnisch weiter verbessern. Sie rücken damit immer näher an die Realität heran. Den alten DOS-Shootern (zum Beispiel dem Duke) nimmt man hingegen noch ab, dass sie in einer separaten Welt spielen. Insofern fordert uns der technische Fortschritt und die Möglichkeit, Brutalität und Gewalt noch menschlicher zu gestalten, heraus, über Normen nachzudenken und diese in das Recht umzusetzen.


Zitat:
Zitat von dear_ly
Wenn sie mich nicht betreffen wäre es mir egal. Ich rede ja von "normalen" Fantasien. Wenn jemand sich vorstellt ein Kind abzuschlachten ist das nicht normal und wenn mein Fruend mir sowas erzählt, dann wäre er nicht mein Freund oO
Konkretisier mal was du für Fantasien meinst, dann kann ich dir auch sagen was ich täte, würde ich davon erfahren.
Es geht hier nicht um die Frage, wie man in einer Beziehung auf Fantasien des Freundes reagiert, sondern darum, dass manche Spiele eine sadistische Ader ansprechen. Und wenn du das tolerierst, muss das auch für andere Ausprägungen der sadistischen Fantasie gelten. So ist die Überlegung. Es gibt nicht wenige Menschen, die laden sich Bilder von Menschenleichen herunter oder malen sie. Und wenn damit Lust verknüpft ist, kann dieses Hobby nur einem völlig asozialen und amoralischen Menschen egal sein. Du schreibst, er dürfte sich nicht ausmalen, wie er Kinder tötet, aber du darfst auf Kinder, wie du geschrieben hast, im Spiel schießen. Wie passt das zusammen?


Zitat:
Zitat von dear_ly
Kriegsberichte zB oder Überschwemmungsopfer. Muss mein Kind nicht sehen (bis zu nem gewissen Alter)
Erklären würd ichs schon, was Krieg ist und so, aber Bilder braucht ein kleines Kind dazu noch nicht.
Tut mir Leid für die knappe Ausführung und Schreibfehler, aber ich gehör ins Bett^^;
Leichen in Grossaufnahme sind pietätlos und werden eigentlich nicht gezeigt. Trotzdem ist die Brutalität ein Teil dieser Welt und muss eingefangen werden, wobei entscheidend ist, wie man sie zeigt und in Szene setzt. Auch Fernsehsender zieht man hierfür zur Rechenschafft, selbst wenn manche nur über Pay-TV den Erwachsenen zugänglich sind.
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