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Alt 29.10.2008, 09:31  
Nitsuka78
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Ist der Kapitalismus am Ende?

Tag alle zusammen! Bin neu hier, lese aber schon eine Weile mit. Ich befasse mich für gewöhnlich intensiv mit der Welt um mich herum. Das liegt wohl darin begründet, dass meine Eltern im diplomatischen Dienst arbeiten und ich vllt. 10% meines Lebens bis zum 25. Lebensjahr in Deutschland verbracht habe.

Nun muß ich zugeben, dass mich die Ereignisse der letzten Zeit haben nachdenklich werden lassen. Ich meine speziell die Finanzkriese, Firmenpleiten, zerstörte Existenzen von "Durchschnittsbürgern" usw. usf..

Ich habe zeitweise in Indien, China, Australien und Brasilien gelebt. In diesen Ländern erfuhr ich einen unermesslichen Reichtum neben menschlichem Elend, welches größer kaum sein könnte.

Wer sich mit der Weltgeschichte seit der beginnenden Industrialisierung ein wenig auskennt wird wissen, dass sich das Wirtschafts-/Wohlstandszentrumzentrum der Welt immer in Bewegung befand. Es begann in England, bewegte sich nach Nordamerika verteilte sich dann auf das kontinentale Europa und ebbte dann natürlich beim Vorgänger ab. Es kam aber in der Regel ein Form von "Wohlstand" bei den Bürgern an.

Jetzt scheint mir dieses Prinzip nicht mehr zu funktionieren. Das "Wirtschaftszentrum" dieser Welt verlagert sich nach Asien. Dort wird brutalster Raubritterkapitalismus unter kommunistischen Deckmantel gelebt. Der Wohlstand kommt dort in keiner Weise "beim Volk" an. Soziale Systeme existieren praktisch nicht, Umweltschutz gibt es nur, wenn das Ausland ihn finanziert. China kauft im Westen immer mehr Immobilien, Ländereien und Firmen, schottet jedoch seine Wirtschaft gegen "ausländische Investoren" derart ab, dass Ausländer bestenfalls Minoritätenpartner werden. Dazu werden Produkte kopiert, KnowHow gestohlen usw..

England ist bereits weitestgehend deindustrialisiert, die USA (im Globlisierungswahn) auf dem besten Weg dorthin. 80% der Frachtschiffe nach USA fahren leer nach Asien zurück, nachdem vorher 100% der Frachtschiffe, voll beladen mit billigen Waren aus Asien in den USA anlandeten. Deutschland lebt als (fast) einziges Land in Europa noch von seiner Realwirtschaft ... im Gegensatz zu England (als negativstes Beispiel) ... dort gibt es im Grunde nur noch die Finanzwirtschaft.

Die Fragen, auf die ich keinerlei Antworten finde sind folgende:

- Wer forciert / will diese Entwicklungen?
- Wem nützen sie?
- Welche Rolle spielt der Konsument in diesem Wahnsinn?
- wann kommt der Kollaps (ich bin überzeugt, dass wirklich dicke Ende kommt erst noch)
- geht die westliche Welt an Ihrer Arroganz und Selbstgefälligkeit (Oberflächlichkeit) zu grunde?
- wenn ja, was kommt danach?
- wie kam es zu diesen Entwicklung (Stichwort US-amerikanische imperiale Expansionspolitik)

Ist es so, wie Karl Marx sagte: (sinngemäß) "Profite werden privatisiert, Schulden/Probleme sozialisiert!"??

- Was nutzt es Asien, einen wirtschaftlich ruinierten Westen als "Partner" zu haben? Die Kuh, die man melken will schlachtet man nicht ...?

Woher kommen Heuschrecken (Hedge-) fonds? Wer steht dahinter? Welche Ziele werden verfolgt?

Ist die Zeit des Abendlandes einfach abgelaufen? Bekommen wir bald "Entwicklungshilfe"? (von wem auch immer???)

Meinungen? Danke

Geändert von Nitsuka78 (29.10.2008 um 09:41 Uhr)