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Alt 05.04.2011, 18:07  
Paradigma
Weisheit in Tüten
 
Registriert seit: 11/2010
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Beiträge: 4.991
Hallo Ilka,

ich musste bei deinem Bericht auch ziemlich schlucken. Und ich bin gar nicht so sicher, was ich dir am besten "raten" sollte.

So wie ich das sehe, gibt es drei Ebenen:

1. Was ist für dich das Heilsamste? Was wird dir in der Situation helfen?
2. Was muss deine Freundin erfahren?
3. Muss gegen den Täter vorgegangen werden, und wenn ja, wie?

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Du solltest dich zunächst mal ausschließlich um Punkt 1 kümmern:
Auch wenn du nicht vergewaltigt wurdest, hast du doch "Schaden" genommen, das Ereignis hat Spuren hinterlassen. Ich glaube, es war sehr gut, das du mit deiner Mutter gesprochen hast. Und das du hier im Forum darüber sprichst auch. Weniger wegen unserer "guten Tipps", sondern damit du eine Plattform hast, wo du das Erlebte reflektieren kannst. Auch der Tipp mit wildwasser scheint mir sehr sinnvoll.

Allein durch das Aufschreiben ist dir ja schon aufgefallen, das du verschiedene irrationale Gedanken hast: Du hast Schuldgefühle, erfindest Ausreden für den Täter, sorgst dich darum, das du unglaubwürdig sein könntest, machst dir endlose Gedanken darum, was du der Freundin schuldest.

Und ich würde sagen: Du MUSST gar nichts tun. Weder MUSST du deine Freundin aufklären, noch MUSST du den Täter konfrontieren, oder Anzeigen.

Wenn es dir HILFT, die Sache innerlich abzuschließen - dann tue es. Wenn der Gedanke daran (und so scheint es mir in deinem Text) für dich Stress bedeutet - dann lass es einfach. Jedenfalls solange, wie dir diese Möglichkeit Angst macht, und der Gedanke daran Stress bedeutet.

Vielen Hilft es, über so eine Geschichte zu reden. Wenn du meinst, dir auch, dDnn tue es. Mit deiner Mutter, mit uns, mit Wildwasser-leuten, vielleicht noch mit einer unbeteiligten Freundin, Schwester, Tante ... fall den Leuten ruhig auf den Keks damit, roll es auf und auf, bis es raus ist aus dir. (Ich hatte mal einen Unfall, mit einer schweren Verletzung - danach war ich auch etwas traumatisiert. Ich hab damals allen Menschen die blutigen Details serviert - ob sie wollten oder nicht. Bis es "rausgekotzt" war aus mir.)

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Punkt 2.
Es ist tatsächlich möglich (leider sogar wahrscheinlich), das deine Freundin dir nicht glaubt und dich als Lügnerin hinstellt. Mit Sicherheit wird ihr Partner lügen, und versuchen dich als gescheiterte Verführerin hinzustellen, und sich selbst als armes Opfer. Das siehst du schon richtig. Diese Situation würde ich mir nicht geben. Da du schreibst, das ihr inzwischen noch andere Probleme habt, würde ich sagen: Zieh dich da raus und brich den Kontakt ab.

Punkt 3.
Braucht der Täter einen Schuss vor den Bug? An sich ja. Ich weiß nicht, welche Folgen eine Anzeige gegen ihn hat, wenn du den Sachverhalt so wie hier schilderst. Vermutlich gar keine, weil de facto "nichts" passiert ist, und es keine Zeugen gibt.

Kopfkino hat recht, wenn er sagt: Besser, es gibt schon eine Anzeige gegen einen Mann, weil dadurch das "Nächste Opfer" glaubwürdiger wird.

Leider ist es wohl so, das viele Opfer von Vergewaltigungen die anschließende Anzeige, die Strafverfolgung, die Zeugenaussagen, den Skandal als sehr demütigend erleben, und nicht als Hilfreich bei der Verarbeitung eines solchen Erlebnisses. Ich glaub, da sollte dir das Hemd näher sein als eine hypothetische Hose. Evtl. kann dich auch hier Wildwasser.de besser beraten.

Den Täter zu konfrontieren dürfte ebenfalls wenig zielführend sein. Es ist hochgradig unwahrscheinlich, das du von ihm eine Entschuldigung erhältst, oder zumindestens auf Einsicht hoffen kannst.

Ich persönlich würde wohl einige hübsche Gewaltphantasien gegen ihn hegen. Hin und wieder wären Kontakte zu professionellen Schlägern doch ganz wünschenswert (träumen ist erlaubt ...), und dann - zack ... DAS würde mir helfen, so eine Geschichte zu überwinden.

Mit leicht blutrünstigen Gedanken,

Para
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