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Alt 31.10.1999, 09:58  
pupillo
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Hi Tim,

ich denke, daß man beiden Fragen in gewissem Maße mit ähnlichen Überlegungen kommen darf.
Wie viele Menschen geben sich, zwar objektiv gesehen schuldlos, die Schuld, das Scheitern der Beziehung ausgelöst zu haben.
Und nichts geht leichter, als sich durch einen ONS eben jenes Alibi zu verschaffen, jetzt endlich voll Schuld sein zu dürfen, am Scheitern. Jetzt liegt eben der Grund vor, den der Partner vielleicht mal ausgedrückt haben mag. Jetzt hat er recht.
Und was gibt es wichtigeres, als nach einer gescheiterten Beziehung, und wer mir weismachen will, daß Sex überhaupt keine Rolle darin spielt, wird's mir vergeben, als auf dem Gebiet der "Leistungsfähigkeit" eben durch ein kurzes "Abchecken" auf dem letzten Stand sein zu wollen. Daß dabei Liebe keinen Platz hat (noch nicht), scheint mir allzu plausibel.
Es kommt mir auch vor, wie ein Wundenlecken, wie krampfhaft an den Ursprung zurückkehren zu wollen, um zu sehen, ob man vielleicht mal was falsch gemacht hat.
Wo soll denn da Freiraum sein, für Respekt, Liebe, sich Entgegenkommen?
Also verstecken wir uns hinter unseren ONS (Männer wie Frauen), um nicht immer wieder mit jenen Unzulänglichkeiten konfrontiert zu werden, die wir ja tagein tagaus an uns selbst erleben.
Wir stürzen uns lieber in ein neues Abenteuer, um nur nicht alleine mit unserem Katzenjammer herumzusitzen. Das lenkt einfach ab. Es stärkt vielleicht unser angeschlagenes Ego. Es ist doch toll zu wissen: whow... ich hab's doch noch gebracht...ich war gut...es hat mir gefallen...usw.
Wo bleibt denn da der Partner? Das Gefühl stellt sich hinterher oft genug ein. Und dann geht's uns nicht besser wie vorher....sondern eher umgekehrt. Und trotzdem ist es jene arterhaltende Eigenschaft, die es dem Menschen immer wieder erlaubt "aufzustehen". Das Bewußtsein oder die Hoffnung, daß wir im Grunde immer eine "zweite" Chance haben, es "besser" zu machen (beziehungsmäßig).
Abgesehen davon, weiß jeder für sich am besten, warum, oder wozu er/sie sich ins Abenteuer stürzt, oder in einen ONS. Nur, beim erwachen der (totgeschwiegenen) Gefühle - sollte ja nur Sex sein - kriegen dann die meisten "kalte" Füße. Das war's dann wohl auch nicht.
Im Grunde bin ich der Meinung, daß es jeder so halten soll, wie er für sich selbst verantworten kann. Auf jeden Fall dürfen die Gefühle der anderen, ja auch die eigenen, nicht im Dienste des reinsten Selbstzwecks der sexuellen Befriedigung, mit den Füßen getreten werden. Das ist für mich das wichtigste.
Ist doch Sex, der direkteste Weg zu unseren "Wunden", auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, bzw. einfach tot"fühlen" wollen. Das ist doch das eigentlich schade daran. Auch wenn wir uns sicher sind, daß beide nur "das eine" gewollt haben. Können wir uns, im Nachhinein betrachtet, davon mit absoluter Sicherheit ausgehen? Ich weiß nicht.

ciao, pupillo
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