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Alt 11.10.2012, 12:11  
Dawni
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Beiträge: 223
Warum muss es immer was Junges / Neues sein?

Ich muss mir mal Luft machen...

Die allgemeine Situation unserer Tierheime in Deutschland müsste mittlerweile jedem Tierhalter /-freund bekannt sein. Es kommen mehr Tiere rein, als vermittelt werden können. Katzen vermehren sich wie wild, Hunde werden einfach ausgesetzt, wenn man überfordert ist oder abgegeben, wenn Frau schwanger wird oder sie einfach alt und lästig geworden sind. Und dann... dann sitzt dieses arme Wesen im Tierheim und wird womöglich niemals wieder in eine neue Familie aufgenommen, weil es einfach zu viele von diesen herrenlosen Geschöpfen gibt. Und wir Tierschützer tun alles um es den Tieren so angenehm und artgerecht wie möglich zu machen. Aber es hat alles keinen Sinn, wenn die Menschen nicht mal anfangen umzudenken.

Für mich kam es nieee in Frage einen Hund von einem Züchter oder gar von einer Zoohandlung zu kaufen. Es war immer klar, es wird einer aus dem Tierschutz. Für mich spricht auch absolut nichts gegen einen Hund aus dem Tierschutz.

Wir haben leider immer wieder Welpen im Tierheim sitzen. Diese werden meistens auch sehr schnell vermittelt, zum Glück. Aber werden sie es nicht und wachsen zu einem pupertären Raudi heran, weil sich eben nicht intensiv um ihn gekümmert werden kann, wird die Vermittlung sehr schwer. Sie sind dann halt sehr anstregend und brauchen noch mehr Konsequenz in der Erziehung.

Dann teilen Sie das gleiche Schicksal wie die vielen alten Hunde, die ihren Lebensabend im Tierheim verbringen müssen und für die kaum eine Chance auf Vermittlung besteht. Die Menschen wollen nichts altes, nichts verbrauchtes, nichts was krank ist. Und das macht mich so traurig.

Ein Fall hat mich besonders bewegt und diesen Hund werde ich auch nie vergessen. Dieser Hund hat mich sehr verändert und mich noch mehr bestärkt, Tieren in Not zu helfen.

Er war 9 Jahre als er ins TH kam. Ein Tierschutzfall, fast sein ganzes Leben lang verbrachte er auf einem Balkon, gerade mal so groß, das er sich drehen konnte. Ein schwarzer Schäferhund namens Winni, der aussah wie ein Wolf, schon ganz grau um die Schnauze. Eine bedrohliche Erscheinung, auf den ersten Blick. Ich lernte ihn kennen als er schon 4 Jahre (!!!) im TH saß. Es hatte sich nie jemand für ihn interessiert. Er fiehl auch nicht auf. Zu den Besuchszeiten lag er meist im Auslauf und döste vor sich hin. Seine Zellengenossinnen zogen alle Blicke auf sich. Ich bekam einige Gespräche zwischen TH-Angstellten und Interessenten mit. Den älteren Menschen war er zu groß, den jüngeren zu alt. Mir kam es manchmal so vor, als würde der schwarze "Bär" mit seinem Leben abgeschlossen haben. Er wirkte so traurig.

Wir kamen dann öfter ins TH, als Gassi-Gänger. Mein Freund verguckte sich recht schnell in Winni's Freundin und wir nahmen die beiden nun jeden Abend mit auf eine Gassirunde... Dieser schwarze "alte Mann" war ein Traum. Er zog niemals an der Leine, ging er zu weit vor, blieb er stehen, wartete auf mich. Er bellte nie, er folgte mir einfach, ohne "Fragen zu stellen". Er wusste wie das Leben ist, ich musste ihm nichts mehr beibringen. Daneben mein Freund mit der wilden Boxerhündin, die sehr anstregend war. Auch als die Boxerhündin vermittelt war, und der liebe Bär wieder eine neue Freundin dazubekam, nahm ich ihn weiterhin mit. Bei jedem TH Besuch versuchte auch ich, die Interessenten davon zu überzeugen wie toll dieser Hund ist. Gerade für Anfänger. Dieser Hund zeigte mir genau wie es funktioniert. Wir gingen einfach spazieren, ohne Kommandos, ohne Leinenzug und das obwohl er so gut wie nichts kennengelernt hatte. Leider konnten wir zu dem Zeitpunkt keinen eigenen Hund aufnehmen. Ich hätte es sofort getan. Es war mir egal, das er schon 13 Jahre alt ist. Und wenn er nur noch eine Woche gelebt hätte, dann hätte er eine wenigstens eine Woche glücklich gelebt. Als wir dann endlich ein Haus gefunden hatten wo Hundehaltung erlaubt war, wurde er krank. Ein Tumor im Enddarm. Er konnte nicht mehr operiert werden. Er wurde immer schwächer. Ich ging jeden Tag mit ihm auf die Wiese. Er wollte noch toben, ich streichelte seinen flauschigen grauen Bauch. Er wollte noch nicht sterben. Leider verschlechterte es sich immer mehr. Dann kam der Tag an dem ich Abschied nehmen musste. Es war sehr schwer für mich. Ist es heute noch, 1 1/2 Jahre später kommen mir noch die Tränen. Ich werde diesen Hund niemals vergessen! Solche Tiere kannst du nur in einem Tierheim kennenlernen. Sie haben alle ihre eigene Geschichte, sie sind alle individuell und sie haben alle ein Recht darauf geliebt zu werden. Und man lernt soviel von ihnen. Mein lieber alter Bär hat mir in der kurzen Zeit indem ich ihn kannte soviel beigebracht. Und das hilft mir heute in der Erziehung mit meinem Hund. Und wenn wir dann irgendwann mehr Zeit für einen zweiten Hund haben, dann wird es wieder ein Hund aus dem Tierschutz, und dann ein Senior, denn die haben noch soviel zu geben. Ich wünsche jedem Hundefreund diese Erfahrungen die ich machen durfte. Gebt den alten Hunden doch eine Chance, sie werde es euch 1000x zurückgeben.

Das musste ich einfach mal los werden.
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