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Alt 03.03.2016, 23:38  
Lilly 22
 
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Hallo migno,

ich denke, er (es) ähnelt deinem Ex (deiner Ex- Beziehung)
mehr, als du dir gerade eingestehen kannst. Du scheinst je-
mand zu sein, der vor allem deshalb gibt, weil er sich dabei
bereits eine Gegenleistung (materiell, imateriell) erhofft. Je-
mand also, der nur in Vorleistung geht, um dann "entschädigt"
zu werden. Oft hat das mit einem Mangel an gesundem Selbst-
wertgefühl zu tun. Zu weit daher geholt? Nein, versuche es
mal aus dieser Perspektive zu sehen: Jemand, der glaubt, dass
er nicht so viel an "Liebenswürdigkeit" zu bieten hat, gibt sich
eben deshalb gern nach außen hin großzügig, um den anderen
für sich zu gewinnen und in eine Gegenleistungspflicht zu brin-
gen. Das geschieht meist unbewusst, soll aber zur "Verbin-
dung" führen und die eigenen Defizite kompensieren. Dabei
gibt (opfert) man oft dann auch mehr, als ein Außenstehender
das noch für "gesund" betrachten würde. Nicht selten endet
das auch in einer ständigen Selbstaufopferung, gepolt an die
unbewusste Erwartung, dafür entschädigt werden zu wollen (z.B.
eben durch Zuneigung, Aufmerksamkeit, Bestätigung usw.).

Gesellschaftlich betrachtet hat das auch ein bisschen mit der
alten Erziehung von Mädchen hier in Deutschland zu tun, wo-
nach Mädchen immer brav, artig, bescheiden und ruhig zu sein
hatten, während Jungs eher egoitisch, draufgängerisch usw.
sein durften und es als "männlich" angesehen worden ist, wenn
diese sich das beste Stück greifen und sich viel mehr erlauben
durften (im "Danebenbenehmen") als eben Mädchen. Dann be-
nehmen sich so erzogene Mädchen später auch immer fein brav,
um geliebt zu werden und wundern sich dann, wenn sie auf das
Gegenteil stoßen. Es wär also sinnvoll, sich auch ohne diese
Dienstleistungsmentalität für liebenswert zu erachten und eben
auch mal egoistisch nach dem besten Stück greifen zu wollen,
ohne deshalb gleich ein schlechtes Gewissen zu bekommen.

Davon zu unterscheiden sind jene Leute, die wirklich gern et-
was geben, weil sie davon genug übrig haben und jemanden
einfach eine Freude machen wollen oder wollen, dass der Gast
sich z.B. einfach wohlfühlt. Der Unterschied dabei liegt darin,
dass man hier weder eine Gegenleistung für erwartet, noch
über ein "ungesundes" Maß hinausgehen würde. Also man wür-
de sein Gebenwollen einzig auf das beschränken, was dafür
tatsächlich zur Verfügung steht. Zeit gibt man so z.B. auch,
wenn man einem Freund, der Probleme hat, u.a. zuhören oder
helfen mag. Aber, wenn man eben gerade keine Zeit zur Ver-
fügung hat, dann opfert man sich hier nicht auf, nur um den
Freund/ Partner diese zu geben.

Ich denke, du musst für dich dringend lernen, nur dann et-
was zu geben, wenn du das wirklich gern tun willst, ohne
dafür eine Gegenleistung zu erwarten und du dich gesund ab-
grenzen kannst (um dich deswegen nicht aufzuopfern). Außer-
dem ist es eben immer schlecht, seinen Mangel an Selbst-
wertgefühl darüber zu kompensieren. Man muss nicht jedem
zu Gefallen sein wollen, nur um selbst gut anzukommen. Nein.
Und bei dir war schon relativ früh eine Grenze klar geworden,
wo du hättest eben auf dich achten müssen. Deine Vorhaltun-
gen hingegen halte ich für unberechtigt. Natürlich wird es im-
mer auch Leute geben, die das, was du so anbietest, auch mit-
nehmen werden. Aber es liegt allein an dir, dich hier eben ge-
sund abzugrenzen bzw. niemanden etwas nur anzubieten, um
selbst gut bei diesem stehen zu wollen.

Zitat:
Zitat von migno Beitrag anzeigen
Gibt es da trotzdem noch Hoffnung für eine Freundschaft?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Freundschaft zwischen
euch funktionieren würde. Aber, du könntest ihn durchaus als
Spiegel deiner eigenen Defizite betrachten. Um so unverschähm-
ter er in deinen Augen ist, um so deutlicher sollte dir sein, wo
deine eigenen Baustellen liegen. Das heißt, du kannst durch ihn
durchaus lernen, dich selbst besser zu behaupten, ohne dabei
sein Tun gleich als Böses zu betrachten. Er bringt dich weiter,
wenn du das willst und zulässt. Und vielleicht lernst du dadurch
irgendwann dir selbst zu genügen, so dass du nicht irrig glaubst,
jedem Mann überaus opferbereit zu Gefallen sein zu müssen, nur,
damit er dich gut findet und sich mit dir trifft.

Geändert von Lilly 22 (03.03.2016 um 23:45 Uhr)
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