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Alt 11.11.2016, 23:36  
dear_ly
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Spannend mit den Kindheitserlebnissen.
Ich kann mittlerweile mit Sicherheit sagen, dass meine Essstörungen definitiv anerzogen sind. Ich wurde als sehr kleines Kind immer mit Schokolade getröstet. Quasi, wenn ich heulte, bekam ich "das Maul gestopft" damit und als ich größer und etwas pummeliger wurde beschlossen meine Eltern (die beide nicht viel Ahnung von Ernährung haben, nur so Grundkenntnisse und viele Falschinfos), dass ich halt keine Süßigkeiten mehr bekomme, weil die ja dick machen.
Ich war aber weiterhin dick und verstand daher natürlich den Zusammenhang nicht. Zusätzlich habe ich das Verbot als Liebesentzug aufgefasst. Süßes gab es selten mal, nur als Belohnung.
Also bin ich Frustesser per Excellence. Es geht aber, wenn ich nichts daheim habe.
Außerdem hab ich mich natürlich bei jeder Gelegenheit mit dem Zeug vollgestopft, so dass ich mich daran noch heute maßlos überesse. Das eine Stück Schokolade geht bei mir nicht. Es ist die ganze Tafel oder nix. Und das Schlimmste: Mir schmeckt es nicht mal so gut.
Das ist wirklich der Punkt, den ich noch rauskriegen muss. Nicht immer Süßes fressen nur weil es verfügbar ist.
Man kann sich sowas aber echt abtrainieren. Ich hab zB lange Zeit immer über dem Sättigungsgefühl gegessen (auch anerzogen. Meine Eltern haben mir lieber, ehe ich einen Nachtisch bekam noch mal ne volle Mittagsportion gegeben - hatte zwar das Dreifache an Kalorien, aber da es ja nicht süß war konnte man nicht davon dick werden ). Seitdem ich weiß, wieso ich damit ein Problem habe, konnte ich selbiges ausmärzen.
Außerdem hat mir geholfen zu lernen wo wirklich wie viel Zucker drin ist. Ich vermeide daher eigentlich alles mit Getreide, Süßigkeiten und Co (natürlich muss man das nicht so streng halten, aber da ich süchtig bin und mich der kleinste Bissen triggert lasse ich es ganz)
Wenn du zB dich bei einer großen Tüte Gummitiere nicht zurück halten kannst, dann kauf dir doch eine Packung, wo so kleine, portionierte Tüten drin sind. Das machen Viele, die ich kenne und denen hilft es, weil sie so nicht das Gefühl haben eine angebrochene Packung rumliegen zu haben, die "weg muss" (bei mir klappt das wegen der angesprochenen Sucht nicht).
Oder, was ich ganz früher mal gemacht habe: Ich hab mir Anfang der Woche eine "Süße Kiste" gemacht mit 200gr Süßigkeiten. Die mussten dann eben für die gesamte Woche reichen.

Meine Patentochter hat übrigens auch unbegrenzten Zugang zu Süßem, weil ihre Mutter Ähnliches durch hat wie ich (sogar noch krasser, sie und ihr Bruder haben teilweise Kakao pur gelöffelt, weil sie nix Süßes gekriegt haben, die Eltern ihnen aber einen vorgekaut haben).

Fasten tue ich übrigens auch. Meistens so 2x im Jahr für 7-21 Tage.
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