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Alt 28.10.2017, 16:22  
Talamaur
Inventar
Themenstarter
 
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Zitat:
Zitat von deniro990 Beitrag anzeigen
Bei 75 % Zustimmungsrate halten sich meine Sorgen sehr in Grenzen.
Ich finde es mehr als nur besorgniserregend, wenn lediglich 25% der Menschen in einem Land wie Deutschland glauben, dass die Evolutionstheorie Fakt ist. Ich meine, jeder kann es nachprüfen, die Quellen sind offen zugänglich, kein Problem, jeder kann sich selbst ein Bild machen. Wie kann man da überhaupt zweifeln oder sogar ablehnen? Gerade dir als Wissenschaftler sollte das Angst machen.

Zitat:
Es sind die Patienten, die das ausdrücklich wollen. Die im Übrigen wie du und ich ihre Beiträge bezahlen und daher Ansprüche haben.
Nun, das, mein lieber, ist objektiv falsch. Denn eine unwirksame, dazu noch unnötig teure Therapie widerspricht klar dem Auftrag der gesetzlichen Krankenkasse und ist damit gesetzeswidrig!
Zitat:
Zitat von § 2 Abs. 1 S. 3 SGB V
Qualität und Wirksamkeit der Leistungen haben dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse zu entsprechen und den medizinischen Fortschritt zu berücksichtigen.
http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbv/2.html

Hier steht ganz klar, dass der anerkannte medizinische Erkenntnisstand maßgebend ist, und der ist bezogen auf die Homöopathie: Hat keine Wirkung über Placebo hinaus. Daher ist die Erstattung homöopathischer Behandlung aus dem Leistungskatalog auszuschließen. Dazu noch das:

Zitat:
Zitat von § 2 Abs. 4 SGB V
Krankenkassen, Leistungserbringer und Versicherte haben darauf zu achten, daß die Leistungen wirksam und wirtschaftlich erbracht und nur im notwendigen Umfang in Anspruch genommen werden.
Quelle wie oben

Daraus ergibt sich eindeutig, dass homöopathische Behandlungen nicht erstattet werden dürfen. Dafür ist es noch nicht einmal notwendig, dass ihre Unwirksamkeit bewiesen ist (was du als Wissenschaftler ohnehin auch so sehen wirst), sondern lediglich, dass ihre Wirksam nicht zweifelsfrei bewiesen ist. Mindestens das gilt jedoch für die Homöopathie, wie sogar der DZVhÄ selbst bestätigt. Dazu zeigt die von der Krankenkasse selbst durchgeführte Studie, dass die homöopathische Behandlung erheblich teurer als die konventionelle ist, womit ein weiterer Ausschlussgrund nach § 2 Abs. 4 SGB V vorliegt.

Nur um das klarzustellen, falls ich das eingangs missverständlich formuliert haben sollte: Wir sprechen von einer gesetzlichen Ersatzkasse, nicht von einer privaten Krankenversicherung.

Zitat:
Wir sollten uns nicht darüber erheben, indem wir so tun, als wüssten wir alles besser und könnten diesen Leuten vorschreiben, was gut für sie ist.
Ich fordere hier lediglich die Einhaltung gesetzlicher Regelungen. Das hat mit mich über andere erheben oder ihnen vorschreiben, was gut für sie ist, in erster Linie mal absolut nichts zu tun.

Zitat:
Du vereinfachst so stark, dass es glatt falsch wird. Denn einen (angeblichen) Kampf zwischen "der Wissenschaft" und "der Esoterik" gibt es nicht.
Ich bin erstaunt, dass du eine solche Aussage triffst, wo du überall anderes lesen kannst.
Du kannst ja gern mal nach Natalie Grams googlen. Eine ehemalige Homöopathin, die zu der Einsicht gelangt ist, dass die Homöopathie eben doch nichts mit Medizin oder Wissenschaftlichkeit zu tun hat. Und dir ihre Berichte durchlesen. Da wirst du tatsächlich sehr schnell feststellen, dass es sehr wohl solch einen "Kampf" gibt.

Zitat:
Es gibt noch nicht einmal "die Wissenschaft". Das wird einem spätestens dann klar, wenn man sich die wissenschaftliche Welt mal von innen angesehen hat. Innerhalb einer Gruppe von Wissenschaftlern, die an ähnlichen Themen arbeiten, gibt es immer ziemlich viele Meinungspositionen, teilweise bis an die extremen Ränder und (bei Professoren übrigens häufig) sehr, sehr gerne auch diametral zueinander.
Ich bin seit 2008 durchgehend Mitglied verschiedener Hochschulen in Deutschland. Ich glaube, ich kann mir durchaus erlauben, von mir zu behaupten, dass ich die wissenschaftliche Welt schon von innen gesehen habe.
Meinungspositionen gibt es selbstverständlich - und zwar genau in solchen Themengebieten, die noch nicht abschließend geklärt sind. Wie das bspw. bei der Frage Stringtheorie oder Quantengravitation der Fall ist. Niemand innerhalb des Wissenschaftsbetriebs würde auf die Idee kommen zu behaupten, Newtons Gravitationsgesetze würden nicht stimmen, die Relativitätstheorie sei eine Lüge und die Evolutionstheorie eine zionistische Verschwörung. Genau DAS passiert aber ständig, täglich, stündlich in der Esoterik. Insofern sind diese Meinungsstreitigkeiten innerhalb der Wissenschaften (ich hoffe, dieser Terminus stellt dich eher zufrieden) etwas völlig andere und überhaupt nicht mit dem Thema dieses Threads vergleichbar.

Zitat:
So gab es z. B. in meiner wissenschaftlichen Laufbahn auf meinem Gebiet nur zwei renommierte Lehrstühle, einmal eine Arbeitsgruppe um meinen Münchner Doktorvater und eine Gruppe eines Professors vom Imperial College in London. Was da ablief, ist mit "Krieg" noch verharmlost und was die Kriegsführung zwischen beiden Parteien betrifft, wären Esoteriker dagegen glatt Waisenknaben. Da gab es (auf beiden Seiten!) Schreib-, Sprech-, ja sogar Denkverbote - natürlich unausgesprochen, aber jeder wusste, dass im Fall einer Zuwiderhandlung die Promotion auf Jahre verzögert werden würde. Und was die beiden Profs sich in den wenigen Fällen ihres Aufeinandertreffens so gegenseitig an den Kopf warfen, ist auch nicht zitierfähig.
Ohne weitere Kontextdaten - zum Beispiel, um welches Forschungsthema es sich dreht - ist dieser Absatz nichts weiter als eine persönliche Anekdote und kann kaum als repräsentativ für den gesamten Wissenschaftsbetrieb angesehen werden, sry.

Zitat:
Fazit: Es ist einfach nur naiv und hoffnungslos idealistisch, zu glauben, "die Wissenschaft" würde sich tatsächlich etwas um Wahrheit oder Erkenntnis scheren. Realistisch ist allein die Erkenntnis, dass es eben immer dann menschelt, wenn Menschen beteiligt sind.
Deine Schlussfolge beruht - soweit man deiner Argumentation folgt - lediglich auf einer Anekdote, auf einem Einzelfall. Und Einzelfälle sind grundsätzlich nicht repräsentativ.
Ich persönlich konnte diese Beobachtung jedoch nie teilen. Selbstverständlich gibt es auch unter Professoren und Lehrstühlen Animositäten. Sie alle einte jedoch immer der tiefe Wunsch nach Wahrheit und Erkenntnis. Wenn das bedeutete, einen Fehler schlussendlich doch eingestehen zu müssen, wurde das letztendlich auch gemacht.
Ich will damit nicht behaupten, deine Erfahrungen wären falsch oder erlogen, lediglich, dass man sie nicht als repräsentativ ansehen kann.
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