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Alt 22.06.2018, 23:32  
Lilly 22
 
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Hallo Take Off,

Zitat:
Zitat von Take Off Beitrag anzeigen
...
...da ist nur diese Enttäuschung...diese Ungewissheit, ob sie mir alles nur vorgespielt hat - und wenn ja warum?
Mich macht dieses belogen-worden-sein....oder nein,eigentlich genau DAS nicht zu wissen vollkommen wahnsinnig...
Irgendwie gehts über meinen Horizont, dass man sich öffnet, und dann vom anderen scheinbar vollkommen ohne Grund genau damit "emotional erwürgt" wird...
du willst die Welt eines Süchtigen verstehen? Sie sind im Grunde
ständig auf der Suche danach, geliebt zu werden und glauben a-
ber selbst nicht wirklich daran. Da gibt es auf der einen Seite ei-
ne Art Unerträglichkeit, die man ersticken will und auf der ande-
ren Seite eine übergroße, unstillbare Sehnsucht. Die Droge selbst
dann oft nur eine Art des Versuchs der Selbsttherapie.

Wenn du da sein wollen würdest, ohne zugleich selbst emotional
abhängig (und damit ein destruktives Gerüst zu bieten und zu
pflegen) zu sein, müsstest du u.a. im Stande dazu sein, jederzeit
dennoch gesunde Grenzen setzen zu können, es akzeptieren zu
können, dass ihre Rettung nur aus ihr selbst heraus motiviert zu-
stande kommen kann und es ebenso akzeptieren zu können, dass
sie im schlimmsten Fall dem Drogenkonsum bzw. ihrer eigenen Des-
truktivität zu Opfer fällt. Klare Grenzen würde u.a. bedeuten, ihre
Sucht in keiner Weise mitzufinanzieren, sich nicht das Blaue vom
Himmel vorlügen zu lassen und die Realität im Auge zu behalten,
sich gerade nicht emotional erpressen zu lassen und das Eine vom
anderen unterscheiden zu können. Ferner, ihre Probleme nicht per-
sönlich zu nehmen. Auch nicht als persönliches Versagen. Positives
dort zu predigen bzw. darauf zu verweisen, wo die ganze Welt des
Süchtigen nur als schwarzer Schleier erscheint und er sich darin er-
trinken will. Das gebetsmühlenartige, konsequente Aufzeigen von
Hilfemöglichkeiten / -stellen und das gleichzeitige Abgrenzenkön-
nen, wenn sie lieber destruktiv verweilt. Das empathische Erken-
nen, wann es auch mal nur angezeigt ist, zuzuhören, sie ohne je-
de Erwartung einfach in den Arm zu nehmen und gleichzeitig den-
noch darauf zu vertrauen, dass ihr Lebensmut usw. noch groß ge-
nug ist, um sich selbst daraus befreien zu wollen. Mögliche Wutaus-
brüche zu nutzen, um ihre Motivation zu stärken, einen gesunden
Weg finden zu wollen, anstatt nur Dampf am anderen abzulassen.
All das ohne Vorwürfe/ Vorhaltungen und zugleich ohne Erwartun-
gen, sie müsse dir eine Gegenleistung dafür erbringen. Kein Ver-
langen danach, sie müsse dir eine Rechtfertigung abliefern, weil
sie tickt, wie sie tickt usw. usf. Glaubst du ernsthaft du könntest
das u.a. alles so leisten?

Du pflegst jetzt bereits dermaßen viele Vorhaltungen, weil du e-
ben ihre Launen, Abhängigkeiten, Defizite usw. persönlich nimmst.
Weil sie eigene Wunden bei dir aufwecken, von denen du selbst
geheilt werden möchtest. Etwas, das sie dir nicht bieten kann im
Hier und Jetzt bzw. mit ihrer Sucht. Drogen machen dumm und
gleichgültig, heißt es nicht um sonst. Egozentrik steht hier, ob ge-
wollt oder nicht, im Vordergrund. Davon muss man sich selbst erst
mal gesund abzugrenzen wissen bzw. das überhaupt können.

Ich bin nicht dafür, jemanden mit Problemen im Stich zu lassen,
nur, weil er eben Probleme hat. Jemand, der zu Süchten neigt,
hat sich i.d.R. schon Zeit seines Lebens immer allein bzw. allein-
gelassen und ungeliebt gefühlt. Man kann eine solche Person al-
lerdings mit seinem Helfenwollen viel schneller noch viel tiefer
runter ziehen, wenn man keine Ahnung davon hat, was in die-
sem Fall richtig ist bzw. wenn man selbst mit sich nicht im Rei-
nen ist. Und hier an eine Liebesbeziehung zu denken, wär nur
dann möglich, wenn man selbst so viel zu geben hat, dass man
damit quasi im Überfluss lebt und selbst im Grunde nichts zu-
rück verlangt.

Ja, wenn du nicht anders kannst, besuche zunächst einmal ak-
tiv eine entsprechende Selbsthilfegruppe usw. usf. Erlerne, ihr
Problem nicht persönlich zu nehmen und zu unterscheiden, wo
du deine Probleme auf sie obendrauf abwältzt bzw. ihr Erfolg
nur dein Ego pushen soll usw. Erlerne das ganze Handwerks-
zeug, dass du im Umgang mit u.a. emotionalen Erpressungen
benötigst bzw. zur gesunden Abgrenzung. Das kann dir auch
in anderen Lebenslagen eine gute Bereichung sein. Und all das
eben nur, so lange es im gesunden Gleichgewicht bleibt, indem
du für dich selbst daraus etwas für dich mitnehmen kannst und
ihr von mir aus gibst. Für dich selbst daraus mitnehmen, weil
du darüber ggf. deinen eigenen Horizont erweiterst, deine ei-
genen Probleme dabei nicht verdrängst / vernachlässigst und
eben nichts von ihr verlangst.
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