Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 20.07.2018, 01:28  
Lilly 22
 
Registriert seit: 05/2006
Ort: Alb Donau Kreis
Beiträge: 11.344
Hallo Loveley,

ich kann dir auch nur dazu raten, dir schleunigst einen Erbrechtsanwalt zur Seite
zu nehmen und die Sache rechtlich prüfen zu lassen.

Dein Pflichtteilsanspruch würde sich im Übrigen nach dem gesamten Nachlass be-
rechnen. Davor müsste ggf. abgeklärt werden, was deine Mutter (als Ehefrau?)
selbst zu welchen Anteilen als Nachlass von ihrem Ehemann übernommen hat,
ob es eine bestimmte Erbfolgenregelung usw. gegeben hat und ob du mit Ver-
lesung des Testaments deiner Mutter tatsächlich erstmals überhaupt von deiner
Enterbung erfahren hast usw. usf. Was hatte denn dein Vater als "letzen Willen"
verfügt? Bei z.B. einem Berliner Testament deiner Eltern hättest du eben auch zwei
Pflichtteilsansprüche, mit denen du nicht einfach übergangen werden kannst.

Unabhängig davon solltest du rechtlich überprüfen lassen, inwieweit du ggf. et-
waige Investitionen, die du für das Haus deiner Eltern/ Mutter aufgewendet hast,
nun von den Erben zurück verlangen kannst. Gleiches für Aufwendungen wegen
der Pflege usw.

Was die von dir bewohnte Wohnung im Elternhaus betrifft, so gilt zunächst nichts
anderes, als bei einer "normalen" Rechtsnachfolge auf Vermieterseite. Nämlich,
dass dein etwaiger Mietvertrag davon unberührt bleibt und Mieterhöhungen nur,
wie im Gesetz vorgesehen, verlangt werden können. Der Erbfall als solches stellt
also keinen Mieterhöhungs-/ bzw. Kündigungsgrund dar. Soweit wegen Eigenbe-
darfs gekündigt werden sollte, hätten sich deine Brüder dabei selbst bereits ins
Aus gesetzt, nachdem sie dort ausgezogen sind. Sie dürften auch mit diesem
Mittel dich kaum aus dem Mietvertrag bekommen. Einzig die sog. "Verwertungs-
kündigung" käme demnach in Betracht (so lange du nicht in Zahlungsverzug
usw. geraten bist und deshalb auch eine außerordentliche usw. Kündigung in
Frage käme). Der Bundesgerichtshof erteilt nach seiner aktuellen Rechts-
sprechung jedoch Kündigungen, die lediglich zur Gewinnmaximierung als Ver-
wertungskündigung (Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft) erfolgen
eine Absage (siehe hier: https://www.lto.de/recht/hintergruen...zrecht-mieter/).

Hinzu kommt, dass dir deine Brüder deinen entweder Pflichtteils- oder eben
Erbteilsanspruch (berechnet nach gesamten Nachlass und davon dann eben
mindestens ein bzw. zwei Achtel usw.) eben erst mal auch auszahlen können
müssen usw. usf. Können sie das nicht, hast du eine gute Verhandlungsbasis,
um so eventuell u.a. Eigentum an deiner Mietwohnung zu erwerben usw. usf.

Solltest du tatsächlich mit deiner Mutter einen Mietvertrag abgeschlossen ha-
ben, so wirst du aus diesem zudem entnehmen können, zu was du mietver-
traglich tatsächlich verpflichtet bist und zu was eben nicht. Hast du bereits
eine Kündigung erhalten, beachte die Fristen, falls du in der Wohnung ver-
bleiben möchtest usw. usf.

Deine Brüder können ja gern viel behaupten usw., d.h. aber nicht, dass das
alles so seine Richtigkeit hat.

Interessant dürfte ferner sein, dass deine eigenen Mietzahlungen rein theo-
retisch ebenfalls in den Nachlass gefallen sind.

Darüber hinaus sollte dein Anwalt das / die Testamente prüfen. Denn selbst,
wenn du z.B. enterbt bist, könntest du ja Vermächtnisnehmerin geworden
sein oder ein lebenslanges Wohnrecht usw. erhalten haben, was du ggf. im
Rahmen deiner emotionalen Betroffenheit bei Verlesung überhört haben
könntest (keine Ahnung) oder das Testament gar anfechten können usw.
usf.

Eventuell sind deine drei Brüder auch nur deshalb Erben geworden, weil das
Haus in Wirklichkeit verschuldet ist und du da nicht mit reingezogen werden
solltest. Sind dir die wirtschaftlichen Verhältnisse soweit überhaupt bekannt?

Was Pflichteilsberechtige zudem oft vergessen ist, dass eben u.a. auch
Lebensversicherungen mit in den Nachlass fallen, sofern man hier recht-
zeitig Widerspruch bei der Versicherung erhebt, für den relative kurze
Fristen zu wahren sind, möchte man auch hieran seinen Anteil geltend
machen.

Du hast also mit Bekanntwerden des Erbfalls nicht wirklich viel Zeit, um die-
se unnötig damit zu verschwenden, warum deine Brüder ggf. bevorzugt be-
handelt worden sind usw. usf. Kümmere dich lieber um deine Angelegenhei-
ten und das, was für dich jetzt wichtig ist. Vermutlich hast du über deinen
Groll nämlich bereits viele Fristen verpasst und damit deinen Brüdern einen
riesen Gefallen getan, sofern sie dich lieber gern über`s Ohr ziehen wollen.

Im Übrigen sehe ich deine Mutter nicht als das arme Opfer. Sie hat ihre Söh-
ne selbst so verzogen und mit ihrer Erziehung dafür gesorgt, dass diese nur
ihre eigenen Interessen im Sinn haben und sich mit dir auf der Konkurrenz-
ebene befinden (durch Bevorzugung bzw. Ungleichbehandlung). Und du hast
vermutlich mittels deiner Selbstaufopferung erhofft, am Ende doch noch ei-
ne Art Liebesbeweis von deiner Mutter zu erhalten. Aber ehrlich, hätte sie
dir gegenüber das so leisten können, stündest du nicht in einem solche arg
schlechten Verhältnis mit deinen Brüdern. Eben, weil ihr dann ihre Kinder
alle gleich lieb und wichtig gewesen wären. Spätestens da, als deine Mut-
ter von dir Mietzahlungen verlangt hat, wo sie diese von deinen Brüdern
nie verlangt hat, hättest du m.E.n. auf das Wohnangebot verzichten und
dich emotional unabhängig von ihr machen sollen.

Leider vermute ich in deinem Fall zudem weiter, dass deine Brüder auf-
grund dessen, was ihnen eure Mutter vorgelebt hat und wo sie diesen
im Grunde gezeigt hat, wie man dich zu behandeln hat usw., eben nie
ein gesundes Verhältnis zu dir pflegen werden können.

Deshalb glaube ich, dass es für dich und deine Tochter eher gesünder
sein dürfte, dass du deine Interessen endlich in die eigene Hand nimmst
und dich dabei auch aus dieser toxischen Familienverstrickung (zumindest
emotional) löst.
Eventuell solltest du dir hier ebenso schnellstmöglich therapeutische Hilfe
suchen, um das alles für dich aufzuarbeiten und zu verarbeiten. Anderenfalls
sehe ich bei dir die Chancen ziemlich groß dafür, dass du dich auch in anderen
Beziehungen einer emotionalen Abhängigkeit hingibst, wo du am Ende nur aus-
genutzt wirst bzw. als bloßer Spielball dienst.

Lass dich von dem Erlebten aber nicht klein kriegen. Du hast viele posivite Sei-
ten an dir, die nur in die richtige Bahn gelenkt werden müssen, damit auch du
dein Glück findest, anstatt in weiterer Verbitterung dein Leben weg zu werfen.

Alles Gute.
Lilly 22 ist offline   Mit Zitat antworten