Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 07.02.2019, 07:07  
silv74
Special Member
 
Registriert seit: 09/2008
Beiträge: 2.251
Guten Morgen,
Vorweg: Ich schreibe nicht, um dich in irgendeiner Art herunter zu machen, mir geht es lediglich darum, für dich eine andere Perspektive zu schaffen.
Du erinnerst mich sehr an eine Freundin von mir, die von zwei Dingen beherrschtcwird: Angst vor Entscheidungen und dem dringenden Bedürfnis,,zu gefallen. Sie wechselte immer erst dann in eine andere Beziehung, wenn sie den Kandidaten sicher hätte, also auch schon Dinge gelaufen sind. Das macht sie per sw nicht zu einem schlechten Menschen. Der in Folgenden zitierte Beitrag könnte von ihr sein, aber was du als "für ihn tun" beschreibst, ist schon auch ein Egotrip.
Zitat:
Zitat von shadra Beitrag anzeigen
Das war irgendwie eine andere Ebene. Völlig anderer Charakter. Warmherzig (zumindest in den ersten Jahren - irgendwie hat das nachgelassen mir gegenüber, lange lange vor der Affäre), bodenständig, überhaupt nicht berührungsängstlich oder bindungsscheu. Gutmütig. Aber auch bequem, festgefahren und chaotisch. Wobei mir klargeworden ist, dass der Andere auch sehr bequem und festgefahren in seiner Lebensweise ist.



Umsonst in dem Sinne, dass ich es für ihn, den Anderen, gemacht habe. Nicht für mich. Das ist ja der Irrsinn und es tut unheimlich weh, wenn jemand was von Egotrip schreibt, obwohl ich ihm im Prinzip so viel "gegeben" habe (Ego-Trip in Bezug auf meinen Partner - ja, klar, das ist was völlig anderes. Man hat halt ein Doppelleben bei sowas, und ich war quasi bei jedem eine andere).

Es war mir zum einen total wichtig, was ER von mir hält. Alles andere war mir egal, die Meinungen von anderen - schnuppe. Habe mich für seine Hobbies interessiert, bin auf Berge gekraxelt (nicht mit ihm, alles allein), habe einen 5 km Lauf mitgemacht, versucht sportlicher zu werden damit ich vielleicht mal eine längere Wanderung mit ihm schaffe oder mit ihm joggen gehen kann, und mich für seinen Arbeitsbereich interessiert und weitergebildet, damit ich mitreden kann. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Und zum anderen wollte ich, dass es ihm gutgeht. Habe ihn unterstützt, wo ich konnte, habe ihm zeigen wollen "hey, da ist jemand dem du wichtig bist". Habe ihn mit kleinen Aufmerksamkeiten überschüttet, ihm immer zugehört wenn er sich geärgert hat, seine Unpünktlichkeit geduldet, mich immer wieder versetzen lassen... Ich hatte immer kreative Ideen, ihm eine Freude zu machen.

Ich habe ihm das auch so gesagt, dass er all das aus mir herausgekitzelt hat. Es war ihm in keinster Weise bewusst. Er hat mir gestern noch geschrieben daraufhin, dass ich das bitte alles beibehalten soll, für mich. Und dass es ja alles schon in mir war, auch ohne ihn.

Das ist jetzt ja genau das, was Du auch sagst. So habe ich es bisher nicht sehen können. Dass ich aus dem ganzen Mist noch was Positives ziehen kann.

Und ich glaube, mir wird auch gerade klar, dass ich mich total für die Menschen verbiegen will, die mir wichtig sind, um ihnen alles recht zu machen. Ich weiß überhaupt nicht mehr, wer ich bin.
Du hast über Jahre heraus gekitzelt, überhaupt in die Situation zu kommen, eine Affäre zu haben. Auch wenn er dann den Schritt gemacht hat. Und du hast das ja auch mit dem Ziel ((und bis vor kurzem mit der Illusion) getan, dass deine Affäre sich verliebt.
Natürlich hast du ihm gefallen wollen und daher alles mögliche getan. Für ihn? Tatsächlich?
Wenn du der Auffassung warst, er sei verliebt, hast du ihm - weil du ihn wolltest und weil du keine klaren Verhältnisse mit deinem Freund geschaffen hast - zugemutet, zwei Jahre lang die zweite Geige zu spielen.
Ob du dann sportlich, lieb, etc bist, nun, das tust du um ihm zu gefallen, aber was hat er denn davon? Er ist der heimliche Geliebte, was nicht mal dann sonderlich angenehm ist, wenn man nicht verliebt ist.
Den absoluten Egotrip finde ich aber, dass du ihm, wie im Eingangsbeitrag erwähnt, eine Eifeesuchtsszene gemacht hast.
Wach mal auf! Du bist jedes einzelne Mal zu deinem Freund nach Hause gegangen, jahrelang und erwartest tatsächlich Treue von ihm?
Wie gesagt, ich kenne diese Mechanismen von meiner Freundin, die auch immer meinte, sie würde ja alles irgendwie aus Liebe tun und auch den aktuellen Freund nicht verletzen oder verlieren wollen und auch sonst war sie jederzeit bereit sich zu verbiegen. Dafür um geliebt zu werden, dafür um nicht die Böse zu sein und dafür, den Mann zu bekommen, den sie sich in den Kopf gesetzt hat. Nicht für andere.
Und der Prozess der Veränderung hat bei ihr erst dann eingesetzt, als sie begriffen hat, dass sie nicht für andere sondern für sich selbst die aufopferungsvolle Freundin und Geliebte gibt.
Steh dazu und schau hin, bitte.
Jetzt tröstet dich deine Affäre und hat ein schlechtes Gewissen, weil du verletzt bist.
Das hast du für ihn die letzten zwei Jahre billigend in Kauf genommen, da du nicht wusstest, dass er nicht verliebt ist.
Da hilft Bergwandern im Zweifel nicht.
Ich finde Egoismus übrigens nicht grundsätzlich verkehrt, so lange man sich dessen bewusst ist und daher die Grenzen kennt.
So lange man sich aber einredet, es sei keiner, wird es schwer, die Grenzen zu sehen.
Sieh es als Anlass, dich zu fragen, was du wirklich willst und was wirklich zu dir passt.
Ich wünsche dir alles Gute.
silv74 ist offline   Mit Zitat antworten