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Alt 23.06.2019, 00:05  
Lilly 22
 
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Ort: Alb Donau Kreis
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Zitat:
Zitat von Lebens-Zeichen Beitrag anzeigen
Selbstverständlich geht was Negatives damit einher, und selbstverständlich kommt man damit in Berührung, wenn der Partner "fast jedes Wochenende bertrunken" ist...
Was soll das konkret bitteschön sein?

Ich sehe das nicht so. Und das als bekennende Straight Edgerin über
den größten Zeitraum meines Lebens.

Nur, weil jemand am Wochenende auf Party und von mir aus dann
auch betrunken ist, heißt das lange noch nicht, dass das negative
Auswirkungen haben muss oder ich damit gar selbst in Berührung
komme.

Empfinde ich allerdings allgemein jemanden als unpassenden Part-
ner, weil er sogar nur am Wochenende mal was trinkt, dann liegt
es an mir selbst und meiner Auswahl, nicht aber an diesem Gegen-
über, dass hier etwas nicht stimmt. Nicht er ist dann der Schlechte,
der sich anpassen oder ändern muss, sondern ich habe die Macke,
mich an etwas festhalten zu wollen, das mir nach eigenen Vorstel-
lungen nicht gut tut und nicht zu mir passt.

Und wenn ich dennoch jemanden brauche, über den ich mich selbst
erhöhen kann, indem ich diesen (und das dazu im Nachgang) abwer-
te, sollte ich mal lieber über meine eigene Persönlichkeitsdefizite
nachdenken, anstatt mir im Außen Ablenkung hiervon zu suchen
bzw. zu versprechen.

Und selbst wenn der Herr der TE tatsächlich Alkoholiker wär, würde
ich mir jedenfalls nicht erlauben, über diesen "urteilen" zu wollen.
Er wird dann seine Gründe in seiner Persönlichkeit und seiner Erleb-
niswelt dafür haben oder es ist nur seine (wie oft typisch) Art der
Selbsttherapie. Nur, liegt es dann ebenso in seiner Eigenverantwor-
tung, das zu erkennen und angehen zu wollen. Es gibt aber niemals
einen echten Grund, ihn hierfür "verurteilen" zu wollen, es sei denn,
ich brauch das für mich selbst.

Ich habe einen besten Freund, der tatsächlich alkoholkrank ist und
dem man das nie direkt so ansehen bzw. bei dem man das vermu-
ten würde. Er funktioniert im Alltags-/ Berufsleben, weil das seinen
verbliebenen Werten entspricht. Und, weil er vorallem das Bestre-
ben hat, allen ständig zu Gefallen sein zu müssen, niemals etwas
abschlagen zu dürfen, eigene Grenzen zu setzen usw. usf. Damit
übernimmt er sich und dann fällt er in destrukive Muster zurück.
Er erkennt selbst, dass diese Strategie "ungesund" ist und sucht
sich von sich aus Hilfe usw. usf. Problematisch bei ihm und seinen
Versuchen ist einzig, dass er nie gelernt hat, über Gefühle usw.
reden "zu dürfen" und all den Kram, der ihn belastet. Also braucht
er einfach mehr "Versuche" und mehr "Übung" darin, das im Heu-
te für sich besser und gesünder zu handhaben und gerade nicht
nur ständig für andere funktionieren zu müssen.

Die meisten Menschen, die ich als alkoholkrank kennen gelernt
habe, sind von ihrer Natur aus, hochsensible Wesen mit argen
depressiven Verstimmungen, mit denen sie nicht "besser umzu-
gehen" wissen und die das Gefühl von Halt nicht kennen oder
verloren haben. Ein "echter" Alkoholiker ist demnach ein de-
pressiv suizidgefährdeter, der erstmal den Tod auf Raten wählt.
Meist mit der stillen Hoffnung verbunden, doch noch was schö-
nes dem Leben abgewinnen zu können oder weil er einfach
zu feige ist, um dem Ganzen gleich ein Ende zu setzen.
Im Übrigen gilt es nicht umsonst als Krankheit. Das indiziert e-
ben, dass man längst nicht kann, wie man vielleicht gern will
usw. usf. Und Menschen, die nochmal nachtreten müssen, wenn
jemand eh schon am Boden liegt, haben ein weitaus größeres
Problem. Ein wirklich liebender und empathischer Partner wird
seinen Partner nicht abzuwerten suchen, sondern diesem maxi-
mal dort gesunde Grenzen setzen, wo dieser sich destruktiv ver-
hält.
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