Hallo ihr Lieben,
Was hilft bei Fremdverliebtheit? Wie geht ihr mit den schwierigen Gefühlen, vor allem mit Liebeskummer um?
Ich bin verheiratet und seit 11 Jahren in unserer festen, glücklichen Beziehung. Ich hielt mich für einen "treuen" Mann und dachte nie, dass ich mich mit dem Begriff "fremdverliebt" mal befassen müsste...In unserer Ehe gibt es auch keine Schwierigkeiten - eigentlich einzig, dass wir beruflichen Stress und seit längerem einen unerfüllten Kinderwunsch haben. Sonst liebe ich meine Frau sehr und fühle mich ihr tief verbunden. Aber was mir passiert ist, zeigt mir, dass ich doch auch nur ein Mann bin und nicht vor den Gefühlsverwicklungen gefeit, in denen Menschen sich wiederfinden können...
Bei der Arbeit hat letztes Jahr eine neue Kollegin angefangen, die wunderschön aussieht (und zudem leider wie meine Jugendliebe). Zu Beginn war alles ok - ich fand sie nett, aber eher etwas still und dachte mir nichts weiter. Aber über die Monate, die man zusammenarbeitet habe ich entdeckt, dass hinter ihrer stillen Art eine unglaublich warmherzige, tolle Person steckt. Und es sind dann ohne dass ich wirklich weiss, was ich dagegen hätte tun können, langsam gewisse Gefühle in mir entstanden...ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich da bewusst hineinbegeben und absichtlich ihre Nähe gesucht habe oder so - aber wir begneten uns im Büro halt täglich. Sie hat mir jeweils auch geschrieben, ob wir gemeinsam etwas zu Essen holen. Und am Mittag haben wir (meist mit anderen Arbeitskollegen zusammen) gute Gespräche geführt. Sie hat mich einige Male extra gefragt, ob ich mit ins Feierabendbier kommen wolle, was ich jeweils ablehnte. Wenn eine so schöne und wundervolle Frau einem schreibt und sich für einen im Gespräch interessiert, fühlt sich zumindest ein unterbewusster Teil geschmeichelt (und da wirds wohl gefährlich..?). Vor Weihnachten ging sie an einem Büroausflug neben mir und meinte, jetzt sei sie (wegen der Winterschuhe) ausnahmsweise einmal gleich gross wie ich und lächelte mir zu...
Jedenfalls kam es so, dass ich den Übergang von freundschaftlichen Gefühlen mit einer leichten, aber kontrollierbaren Anziehung total verpasst habe und daraus wohl etwa im März eine starke Verliebtheit mit extremer Anziehungskraft wurde...wenn es einfach sexuelle Anziehung gewesen wäre, hätte ich mir noch sagen können ok, es ist verständlich, dass es andere attraktive Menschen gibt, aber du kennst sie ja gar nicht und idealisierst sie. Aber es war eine Sympathie und innere Verbundenheit, die ich seit meinen Verliebtheitsgefühlen für meine erste grosse Liebe (und natürlich damals auch für meine Frau) nicht mehr verspürt hatte...

ich freute mich, sie zu sehen und wenn ich ihre Stimme hörte (sie hat ihr Büro ganz in der Nähe), sprang mein Herz vor Freude. Es kam soweit, dass ich abends ständig an sie denken musste (und dabei hatte ich extreme Schuldgefühle meiner Frau gegenüber). Ich gehe stark davon aus, dass meine Arbeitskollegin meine Gefühle bemerkt hat - sie hat sich soweit ich es beurteilen kann weiterhin einfach kollegial verhalten, aber in meiner Verliebtheit kann ich das nicht ganz rational beurteilen...
Ich wusste nicht mehr wohin mit meinen Gefühlen....Im Internet las ich, Transparenz zum Partner könne helfen, aber so wie ich meine Frau kenne, würde sie das verletzen, davon zu wissen...Also schrieb ich meine Gefühle erst einmal auf. Die Arbeitskollegin war befristet angestellt und als ihr Abschied näher rückte, wurde es immer schlimmer für mich ...Ich habe dann etwas total verrücktes getan und ihr geschrieben, ob ich ihr etwas geben und etwas persönliches dazu sagen dürfe. Wir gingen nach der Arbeit ein Stück und ich habe ihr meine Gefühle für sie anvertraut, ihr gesagt, dass ich sie aus verschiedenen Gründen ganz wundervoll finde. Ich habe ihr auch einen Brief gegeben.
Zu meinem grossen Glück hat sie sehr gut reagiert - sie meinte: Aber du bist verheiratet!! Sie fragte mich dann, ob wir denn in der Beziehung Probleme hätten, worauf ich meinte nein, gerade deshalb verwirren mich diese Gefühle so. Sie meinte dann, ich sei ein sehr lieber Typ, aber für sie sei es nur freundschaftlich gewesen...
Ich glaube, ich habe in dieser Situation grosses Glück gehabt, dass ich meine Arbeitskollegin richtig als integre und tolle Person eingeschätzt habe, die freundschaftlich reagiert hat. Aber es war total verrückt, was ich da getan habe. Ich schäme mich, denn was hätte ich getan, wenn sie meine Gefühle wider Erwarten erwidert hätte? Oder schlecht reagiert und meiner Frau davon erzählt...? Und was heisst das für meine Ehe?
Nun hatte die Arbeitskollegin ihren letzten Tag. Der Abschied war danach natürlich komisch - am Folgetag habe ich alle gemieden, damit man mir meine Traurigkeit nicht anmerkt. An ihrem letzten Tag hat sie mich im Büro umarmt und mir alles Gute gewünscht. Aber ich habe das Gefühl, ich habe durch mein Verhalten nicht nur meine Ehe aufs Spiel gesetzt, sondern auch diese Freundschaft. Ich bin wohl jetzt bei ihr (nicht ganz zu Unrecht) im "schwarzen Buch der Ehebrecher" und sie wird kaum noch eine Freundschaft wollen... Und das Schlimme ist, dass ich meine Frau liebe, aber weiterhin auch Gefühle für die Arbeitskollegin habe. Die Zurückweisung, ihr Abschied und der damit verbundene Liebeskummer fühlen sich sich aktuell sehr schmerzvoll an.....bitte geht nicht zu hart mit mir ins Gericht, das tue ich schon selbst
Was würdet ihr mir raten?
- Ich habe hier irgendwie leider den Übergang verpasst, in dem aus einem angenehmen Gefühl für die Arbeitskollegin, einer leichten Anziehung ohne Handlungsdrang, eine starke Verliebtheit mit extremer Anziehungskraft wurde. Gibt es da gute Schutzstrategien?
- Ich bin nun im Tal der Tränen und der schlaflosen Nächte, weil die starken Gefühle noch andauern (der ganze Mix aus Anziehung, Verlust, Liebeskummer, Selbstvorwürfen, schlechtem Gewissen und Schuldgefühlen sowohl meiner Frau gegenüber als auch gegenüber der Arbeitskollegin wegen der "zerbrochenen" Freundschaft)... Was hat euch da geholfen?