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Alt 09.03.2001, 19:55   #91
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@zum letzten Mal, poet: Ich habe Deinen aufdringlichen Paternalismus zu Beginn nicht als Diskussionsgrundlage oder Hilfeangebot (welche Hilfe soll das sein?) verstanden, sondern als ein Zeichen dafür, dass Dir die Emotionen anderer Menschen völlig egal sind, was mir bereits mehrmals aufgefallen ist.

Ok, die Diskussion darüber, ob Abschreib-Freudianer schlecht im Bett sind, war deplaziert...Dennoch bin ich von der Schlüssigkeit der Folgerung "primitive Erklärungsheuristiken - Akzeptanzmotivation: Unsicherheit ihrer Anhänger - Analogie: schwaches erotisches Profil" völlig überzeugt. Deshalb sehe ich dafür auch überhaupt keinen Rechtfertigungsbedarf meinerseits. Aber ich bin die letzte, die jetzt noch das offtopic-Feuer schüren möchte.

@tam: Richtig, unerwünschte Wiederholungen haben Bremsencharakter und verführen zum Rundumschlag. Ich hätte mich an seiner Stelle auch eher schmollend zurückgezogen, als etwas aufzudrängen, das bekannterweise unerwünscht ist. Und dieses Gedicht, ist es von Busch?

@Christkind: Diese Bedenken hatte ich ja von Anfang an, und sie wurden eigentlich nur bestätigt. Trotzdem denke ich, dass man auch hier die Oberfläche solcher Probleme zur Diskussion stellen kann - die tiefendimension bleibt ohnehin verborgen. Feinfühligere poster müssten das allerdings auch berücksichtigen und nicht nur von der Oberfläche ausgehen.

@Putzi: Nein, ich war nicht da. Ich hatte keine Angst vor den sicherlich in mir hochsteigenden Emotionen, zumindest nicht vordergründig, sondern ich hätte die Verlogenheit dieser Zeremonie, bei der alle Anwesenden geheuchelte Trauer von mir erwartet hätten, nicht ertragen können. Ich empfinde zur Zeit viel und insbesondere viel widersprüchliches, aber nur kleinste Spuren von Trauer. Ich will nicht lügen.
madamebutterfly ist offline  
Alt 09.03.2001, 20:07   #92
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puer aeternus
 
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Gedanken an den Tod

Der Tod ist nichts grauenvolles... nicht grauenvoller als die Zeit selbst.

Der Tod ist absichtslos.

Stigmatisiert erst durch eine Gesellschaft, die Jugend als Wert an sich versteht.

Betrauere ich den Toten oder mich selbst, weil mir noch dasselbe blüht, wenn ich am Grabe weine?

Vielleicht bin auch ich "krank", aber ich kann nur Trauer um meinen Verlust emfpinden, erlebe ich den Tod eines mir lieben Menschen; und natürlich die Tragik gewisser Unglücksfälle.

Wie sagt man doch, wenn man konduliert: "Mein Beileid."
Das bedeutet doch, ich teile mit dem (Über-)Lebenden dessen Leid, und nicht das des mir womöglich unbekannten Toten. Wie könnte ich auch anders? Weiß ich, was der Tod den Toten bringt?

Nein, ich halte einen "Trauerreflex" aus sozial induziertem Pflichtgefühl heraus für falsch.
[Geändert von Sternenfahrer am 09.03.2001 um 12:13 Uhr]
Sternenfahrer ist offline  
Alt 09.03.2001, 20:21   #93
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Re: Antworten...

Zitat:
Geschrieben von madamebutterfly

@Christkind: Diese Bedenken hatte ich ja von Anfang an, und sie wurden eigentlich nur bestätigt. Trotzdem denke ich, dass man auch hier die Oberfläche solcher Probleme zur Diskussion stellen kann - die tiefendimension bleibt ohnehin verborgen.
Nicht unbedingt, wenn man sich die Mühe macht, mal an der Oberfläche zu "kratzen"...
Christkind73 ist offline  
Alt 09.03.2001, 20:26   #94
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Feier der Eitelkeit

Richtig, es ist zutiefst verlogen, einerseits Gefühle vorzuspielen bzw. durch eine fragwürdige gesellschaftliche Konvention zum Vorspielen gezwungen zu werden, und andererseits auch, den Tod allgemein als Traueranlass zu interpretieren.

Man trauert nie um einen Menschen, sondern um die nun unwiederkehrbar enttäusche Hoffnung, die man in ihn gesetzt hat. Auch wenn es, wie hoffentlich bei den meisten, keine so problematische Verbindung von Erinnerungen an den Toten und der eigenen Lebensgeschichte gibt, sind Tränen am Grab oder vor der Urne Ausdruck von Selbstmitleid.

Und wenn es tatsächlich Mitfühlen ist, in dem Sinne, dass man es aufrichtig bedauert, dass dieser wunderbare Mensch einiges Potential nicht hat verwirklichen können, dann müsste man sich würdevoll schweigend zurückziehen können.

Was ich fühle, geht niemanden an, und was andere an Gefühl erwarten, möchte ich nicht als Zwangsauflage erleben.

madamebutterfly ist offline  
Alt 09.03.2001, 20:37   #95
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puer aeternus
 
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Der ewige Widerspruch zwischen dem Wunsch, Individuum, aber auch nicht allein sein zu wollen.
Sternenfahrer ist offline  
Alt 09.03.2001, 23:01   #96
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Guiding light
 
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Madame Butterfly...

...hoffentlich mußt du dich nicht allzusehr prostituieren wenn du mir die Ehre und Güte erweist dich mit mir, aus lauter Mitleid sozusagen, so lange, versucht "nett", zu "unterhalten".
Poet ist offline  
Alt 09.03.2001, 23:18   #97
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Beiträge: 5.082
Ich habe es eigentlich auch immer so gesehen, daß man durch die Trauer den Schmerz um den eigenen Verlust ausdrückt, und ich finde nicht, daß das irgendwie negativ zu sehen ist.
Gerade deshalb empfinde ich es bei mir selbst aber umso erschreckender, wenn ich nichts empfinde. Es wird ja weniger als fehlendes Mitgefühl mit dem Toten selbst als als Mangel an Gefühlen für ihn interpretiert.
Und gerade bei den Eltern wird immer erwartet, daß man sie liebt, als sei dies ein Naturgesetz.
Oder man muß schon mindestens sexuell mißbraucht oder mißhandelt worden sein, um es zu rechtfertigen. Es muß aber gar nicht so was augenfällig 'Schlimmes' passiert sein, das man wirklich beim Namen nennen könnte.
Mich belasten diese Erwartungen, die man ja auch an sich selbst irgendwie hat (man fühlt sich kalt oder unnormal), auch, aber ich werde sie nicht wirklich los.
Das nennt man dann wohl 'erfolgreiche Sozialisation'...

xtine
xtine ist offline  
Alt 09.03.2001, 23:42   #98
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Asoziales

Erfolgreiche Sozialisation heisst dann also Entzweiung von den eigenen Gefühlen aufgrund von als übermächtig empfundenen Fremderwartungen.

Wie gut, dass ich so wenig sozialisiert bin...

Ernsthaft: ich halte es für eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die persönliche Entwicklung, ureigenste Gefühle permanent dem Bewertungsdruck von Aussen zu unterwerfen. Wenn ein "Standard-Fühlen" vorgeschrieben wird, erniedrigen wir uns zu Statisten in einem ritualisierten Film. Ich weiche solchen Situationen gerne aus, da ich Statistenrollen hasse. Gut, man mag es "asozial" nennen, wenn ich nicht zur Beerdigung meiner Mutter gegangen bin (und man nannte es so), aber die Statistenrolle wäre einfach zu unwahr gewesen. Dieser Film ist nicht meiner.





madamebutterfly ist offline  
Alt 09.03.2001, 23:59   #99
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puer aeternus
 
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Kinovergleich - Off-topic

Mme,

bist Du lieber Hauptdarstellerin in Deinem Film, Drehbuchautorin oder Regisseurin?

Ich schätze Dich als Typ Regisseurin ein.


Sich vor den Erwartungen anderer Menschen zu schützen, ist sehr schwer. Denn wenn wir ehrlich sind, so haben wir auch Erwartungen an andere. Manchmal sogar Bedürfnisse. Und sind auch nicht gut darauf zu sprechen, wenn dies ignoriert wird.

Für mich ist das übrigens etwas, was Charisma ausmacht: Manche Menschen kommen damit durch, gegen Konventionen zu verstoßen, manche spielen eben die Hauptrolle.
Andere bleiben Statisten.
Ohne das jetzt werten zu wollen, viele gute Filme leben von einer Vielzahl an Statisten, die auch ihre kleinen Rollen gut spielen.
Sternenfahrer ist offline  
Alt 10.03.2001, 00:03   #100
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Ich würde es viel "asozialer" finden, wenn Du ingegangen wärst, nur um von Leuten, die nichts wissen und doch urteilen, als "normal" angesehen zu werden!
Wie heißt es doch immer: "Die letzte Ehre erweisen?" Ist es nicht viel eher ein Zeichen der Ehrerbietung, der Verstorbenen die falschen, nur aus Rücksicht auf einige engstirnige Personen, heuchelnderweise hervorgebrachte und öffentlichkeitswirksame Trauer zu ersparen?
Christkind73 ist offline  
 

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