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Alt 27.07.2000, 02:09   #1
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Beiträge: n/a
Erkennen - Verstehen - Behandeln
Nicht jede Verstimmung ist
gleich eine Depression.
Bücher zum Thema aussuchen
Depression ist nicht gleich Depression. Dabei sollen DEPRESSIONEN
zunehmen, heißt es. Manche behaupten sogar, wir lebten in einem "Zeitalter
der Depressionen". Doch dies ist nicht nur eine Übertreibung, es ist auch
eine Verwechslung, und eine schwerwiegende dazu. Denn wenn man jede
Gemütsbewegung mit einer Depression gleichsetzt, dann wird man auch
diejenigen nicht mehr erkennen können, die wirklich unter einer quälenden
Schwermut zu leiden haben.


Unterscheidungen sind
wichtig.
Deshalb ist es wichtig, die verschiedenen Beeinträchtigungen des
Gemütslebens auseinanderzuhalten. Nur so wird man allen Betroffenen
gerecht, kann sie verstehen, stützen und ggf. zu einem Arztbesuch
ermuntern. Es gilt also zu unterscheiden:



Schwankungen der
Stimmung, Trauer,
Depression.
Stimmungsschwankungen sind allgemeine Möglichkeiten menschlichen
Erlebens; sie sind typisch für das Auf und Ab im Alltag. Trauer ist zwar die
schmerzliche Folge eines Schicksalsschlages, aber ebenfalls eine natürliche
Reaktionsweise. Die Depression dagegen ist eine Krankheit - und eine
unter Umständen gefährliche dazu (Selbstmordgefahr).



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Depression erkennen
Depression ist eine
komplizierte Krankheit.
Eine Depression ist eine Gemütskrankheit. Sie setzt sich aus seelischen
und sogar körperlichen Beschwerden zusammen, jedoch ohne organischen
Befund. Nach und nach kompliziert sich dieses Leiden durch
zwischenmenschliche, berufliche und weitere Folgen.


Depressionen können sich
verstecken.
Depressionen können sich in ausgeprägter Schwermut äußern, die dann
auch jedem als Depression auffällt. Doch das muß nicht so sein. Eine
wachsende Zahl von Depressionen zeigt sich uncharakteristisch, versteckt
hinter körperlichen Beschwerden (larvierte oder maskierte Depression).



"Eingebildete Kranke" sind
besonders schwer betroffen.
Bücher zum Thema aussuchen
Diese Kranken sind besonders belastet, denn niemand versteht sie,
verstehen sie sich doch selbst am allerwenigsten. Dabei werden sie häufig
von einer Untersuchung zur anderen geschickt und am Schluß vielleicht
sogar als "eingebildete Kranke" ("Hypochonder") verkannt. Dies ist eine
besonders schmerzliche Entwicklung, die den Betroffenen noch tiefer in
Selbstzweifel, Minderwertigkeitsgefühle und damit Isolationsgefahr treiben
kann.


Alles Täuschung?
Das größte Problem ist also das vielschichtige und manchmal sogar
täuschende Beschwerdebild der Depression. Auf was muß man deshalb
achten?


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Seelische Krankheitszeichen
Niedergedrückt:
Herabgestimmt, bedrückt, niedergeschlagen, trostlos, resigniert,
unglücklich, quälend schwermütig.
Gefühllos:
Überdrüssig, lustlos, freudlos (wichtiger Hinweis: an nichts mehr
Freude haben), ferner unfähig zu genießen, ja überhaupt etwas zu
empfinden ("gefühlte Gefühllosigkeit"), schließlich sogar unfähig zu
trauern bzw. zu weinen ("tränenlose Trauer").
Elendsgefühl:
Allgemeines Elendigkeitsgefühl, wie zerschlagen, tiefes Unwohlsein
mit einer Art genereller, schwer beschreibbarer "Übelkeit" usw.

Passiv:
Energielos, passiv, schwach, kraftlos, leicht und rasch erschöpfbar,
ohne Initiative, Schwung und Antrieb, willenlos, matt, apathisch,
bisweilen regelrecht "versteinert".
Unruhig:
Innerlich unruhig, gespannt, getrieben, fahrig, nervös, "wie unter
Strom", mit leerem Beschäftigungsdrang, ziellosem oder rastlosem
Umhergetriebensein (Fachausdruck: agitiert), ferner jammerig,
klagsam, anklammernd (erhöhte Selbsttötungsgefahr).
Pessimistisch:
Mutlos, verzagt, ratlos, schwernehmend, pessimistisch, leicht
irritierbar, hoffnungslos, selbstzerstörerisch, negative Sichtweise
("schwarze Brille"), Überbewertung aller Probleme, Gefühl der
Aussichtslosigkeit, ja fatalistisch, mit unbeirrbarer Suche nach
Negativem.
Interesselos:
Interesselos, schließlich völlige Gleichgültigkeit auf allen Gebieten, teils
durch eine alles durchdringende Kraftlosigkeit, teils durch die
gefürchtete "Leere im Kopf".
Überempfindlich:
Überempflindlich, leicht verletzlich, kränkbar, unzufrieden, vorwurfsvoll
und ungerecht, rasch und unvermittelt mit Verzweiflung reagierend,
aber auch reizbar, mißgestimmt, mürrisch, aufbrausend oder gar
aggressiv bis feindselig ("feindselige Depression", insbesondere im
höheren Lebensalter).
Minderwertig:
Minderwertigkeitsgefühle, allgemeine Unsicherheit, mangelndes
Selbstwertgefühl, negative Selbsteinschätzung.
Schwache Konzentration:
Merk- und Konzentrationsstörungen ("Gedächtnisschwäche"):
langsames, umständliches, zähflüssiges, mühsames Denken,
Ideenarmut, "Leere im Kopf" bis zur Angst, schwachsinnig geworden
zu sein (sogenannte depressive Pseudo-Demenz, die natürlich kein
echter erworbener Schwachsinn, sondern nur eine vorübergehende
Denkerschwernis ist).
Unfähigkeit Entscheidungen
zu treffen.
Entscheidungsunfähig, wankelmütig, zwiespältig, hin- und hergerissen,
alles bis zum Ende durchdenken und dann von neuem anfangen
wollend, ziellos, ängstlich abwägend, ohne abschließende
Entscheidungsfähigkeit.
Grübelsucht:
Grübelneigung bis zur Grübelsucht, unfruchtbares Gedankenkreisen.
Schuldgefühle:
Schuldgefühle: Überbewertung früherer oder aktueller Ereignisse,
häufig maßlos übertrieben, nicht selten grundlos, dennoch schuldhaftes
Verarbeiten krankheitsbedingten Versagens mit Versündigungsideen,
Selbstanschuldigungen ohne Grund (Partnerschaft, Beruf, Verbote, ja
sogar kriminelle Handlungen).
Probleme, Gefühle zu
vermitteln:
Beziehungsstörungen zu anderen: Unfähigkeit, gefühlsmäßig
mitzuschwingen, zwischenmenschliche Zuwendung und Wärme zu
vermitteln, dafür Angst vor "innerlichem Erkalten", "Glaswand zu den
anderen".
Ängste:
Angstzustände: Gefühl, unerwünscht oder im Wege zu sein, nicht
geliebt oder akzeptiert bzw. verlassen zu werden bis hin zu
Panikattacken.
Verarmungsideen:
Verarmungsideen: nichts vorweisen können, nichts haben, nur Geld
verbrauchen, Krankenkasse und Familie schädigen, schließlich
unkorrigierbarer depressiver Verarmungswahn.
Innere Leere:
Innere Leere mit Absterben aller Gefühle, Gefühl der Gefühllosigkeit,
wie benommen, dumpf, ausgebrannt, versteinert.
Mißtrauen:
Beziehungsideen: Angst vor Tuscheleien und übler Nachrede,
Mißtrauen, furchtsame Verfolgungsideen.
Entfremdung:
Entfremdungserlebnisse ("ich bin nicht mehr ich", "alles unwirklich,
fremd, abgerückt", "die Zeit geht nicht voran").
Zwänge:
Weitere Krankheitszeichen wie Zwangsdenken, Zwangsbefürchtungen,
Zwangshandeln, hypochondrische Ängste vor seelischen, körperlichen
oder sonstigen Veränderungen, mitunter sogar wahnhafte Reaktionen.
Schuldgefühle:
Bei allem kein echtes Krankheitsgefühl, trotz massiver Störungen,
damit auch keine Krankheitseinsicht, eher Schuldgefühle ("Ich bin
schuldig, nicht krank", "Warten auf Strafe von oben" usw.).


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Störungen des Antriebs
Antriebsstörungen können
psychisch oder physisch
sein.
Bei den depressiven Störungen des Antriebs handelt es sich entweder um
eine körperliche Unruhe und innere Getriebenheit oder um eine
unerklärliche, unnatürliche tiefe Müdigkeit, Mattigkeit, Antriebslosigkeit, bis
hin zu innerem Erstarren oder seelisch-körperlicher Blockierung. Besonders
quälend: äußerlich gehemmt, aber innerlich unruhig.


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Körperliche Krankheitszeichen
Trotz Teilbefunden bleiben
körperliche Symptome
unerklärlich.
Bei den körperlichen Krankheitszeichen im Rahmen einer Depression finden
sich vielfältige Störungen, meist ohne nachweisbare Ursache. Bisweilen
ergeben sich bestimmte Befunde, die jedoch nur einen Teil des geklagten
Beschwerdebildes erklären können (z.B. Blutdruckabfall, Gewichtsverlust,
Störungen des Schlafablaufs usw.). Die häufigsten Beispiele sind.
Schlaf:
Schlaf: Ein- und Durchschlafstörungen, Früherwachen, schwere
Träume, tagsüber unfrisch oder dösig.
Appetit:
Appetit: häufig Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust, manchmal auch
Heißhunger.
Magen/Darm:
Magen und Darm: Übelkeit, Brechreiz, Völlegefühl, Blähungen,
Aufstoßen, Magendruck, Krämpfe, Druckschmerzen, Verstopfung oder
Durchfall.
Kopf:
Kopf: Kopfdruck, manchmal über den Augen, manchmal als
Hinterhauptsdruck, manchmal wie ein "Helm" oder "Reifen" um den
Kopf.
Sinne:
Sinnesorgane: Nachlassen von Seh- und Hörfähigkeit bzw. Geruch
oder Geschmack, bisweilen auch Überempflindlichkeit.
Herz/Atmung:
Herz und Atmung: vielfältige Beschwerden bis Schmerzen in der
Herzgegend (z. B. Druck auf der Brust, besonders nach dem
Früherwachen), ferner Atemenge, Kreislaufstörungen usw.
Vegetative und sonstige
Beschwerden:
Vegetative und andere Beschwerden: Kloß im Hals, Verspannungen,
Gelenk-, Rücken- und Muskelschmerzen, meist nicht exakt festlegbar,
oft wandernd, Blasenstörungen, Zungenbrennen, Mundtrockenheit,
Hautüberempfinglichkeit, schwere Beine, Hitzewallungen,
Kälteschauer, Störungen der Schweiß- und Tränensekretion
("tränenlose Trauer"), Nachlassen von sexuellem Verlangen und
Potenz, allgemeine Mißempfindungen am ganzen Körper usw.

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Alt 27.07.2000, 02:28   #2
Forengast
Golden Member
 
Registriert seit: 02/2000
Beiträge: 1.156
Oh weia, da bin ich ja von allem etwas ...

Wo bitte geht's denn zur Homepage ?
Carsten30 ist offline  
Alt 27.07.2000, 02:35   #3
Forengast
Projekt Hedonismus
 
Registriert seit: 05/2000
Beiträge: 13.322
komisch....
ich versteh kein wort davon.....
brauch ich hilfe???
-=Lexy=- ist offline  
Alt 27.07.2000, 04:51   #4
Forengast
Guiding light
 
Registriert seit: 05/2000
Beiträge: 12.226
...und jetzt erzähl uns noch was von Migräne()
Poet ist offline  
Alt 27.07.2000, 05:33   #5
Forengast
Member
 
Registriert seit: 07/2000
Beiträge: 52
Hallo Depri

Dein remake zum Thema depression find ich echt super!!!!

Viel zu oft wird das Wort depressiv ausgesprochen find ich.
Ich denk mal. manchmal ist es vielleicht notwendig zum Psycho Man zu gehen. Das heiß aber noch lange nicht das man ein RAD ODER SONSTWAS ABHAT: Manchmal gibt es einfach Situationen im Leben die es erfordern im Leben. Manchmal muß man sich überwinden den Tritt in den Arsch geben.
Aber es tut gut und ist manchmal echt harte Arbeit an sich. Aber es lohnt zu lernen die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.Lernen besser damit umzugehen. Ich denk mal wenn man einfach mal in einer Sackgasse ist sollte man sich einfach Hilfe von Außen holen.

Gruß Stef.
Shamanin ist offline  
Alt 27.07.2000, 07:07   #6
Forengast
durchgeblitzt
 
Registriert seit: 07/2000
Beiträge: 3.786
Depressionen...Die Krankheit unserer Gesellschaft.
Tiefer Schmerz, ausgelöst durch tiefe Sehnsucht nach etwas...dass unsere Urgroßväter uns nahmen, ohne uns zu fragen. Der Preis für ein Leben, in dem es kaum noch möglich ist, sich ohne sowas selbst zu spüren.

RaY
R@y ist offline  
 

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