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#71 |
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unholy undead
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Das ist ja der Grund meiner Verwirrung. Eine Tötungsabsicht habe ich nicht, bei Weitem nicht.
Dennoch eine starke Aggression ihr gegenüber, die auch beinhaltet ihr viel Schlechtes zu Wünschen, und Freude durch ihr bestehendes Elend hervorruft. Wie oben schon gesagt, beinhaltet Hass für mich, dass eine Tötungsabsicht aus diesem resultiert, da Hass das stärkste negativ definierte Gefühl ist. Würde Hass von daher keine Tötungsabsicht mit sich bringen, wären Rachemorde unerklärbar. Mein Gefühl, was ich gegenüber meiner Mutter habe, hat eigentlich "Hasscharakter", jedoch fehlt da der Tötungswunsch, der nichtmals Ansatzweise vorhanden ist. Das ist ja eigentlich bis hier hin widersprüchlich. Nun frage ich mich, ob dieser Tötungswunsch im Unterbewusstsein vielleicht vorhanden ist, aber durch moralische Normen soweit unterdrückt wird, dass ich ihn nichtmals bemerke. Wenn dies so ist, dann wäre es doch beängstigend, dass lediglich die Moral uns davon abhält unseren Hass wirklich "zu leben". Deswegen meine ich auch, dass mit dem Gefühl Hass zu leichtfertig umgegangen wird. Wir entwickeln es so schnell, da wir uns im Unterbewusstsein sicher sind, dass unser Gewissen, beim Abfragen der Moral, das schon für uns regelt. Nur sollte man sich nicht auf sein Gewissen verlassen, da dieses, wie viele Rachemorde beweisen, auch aussetzen kann. Deswegen versuche ich Dieses negative Gefühl auch zu verarbeiten, da ich es nicht von meinem Gewissen abhängig machen möchte, ob ich jemanden töten würde, oder nicht. Ich glaube, dass die Leute negative Gefühle viel zu leicht zulassen, ohne sie dementsprechend zu verarbeiten, da sie sich über die möglichen Konsequenzen nicht bewusst sind. Sicherlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass das gewissen aussetzt und der Tötungswunsch freigesetzt wird ziemlich klein, aber sie ist vorhanden. Bei jedem Menschen ist sie vorhanden. In diesem Zusammenhang überlegt euch doch bitte, wieviele Menschen irgendeinen anderen Menschen hassen, oder zumindest sagen ihn zu hassen. Ist es nicht beängstigend, dass eventuell in jedem Menschen, der hasst, eine lediglich von der Moral niedergedrückte Tötungsabsicht schlummert? Auch wenn sich diese Tötungsabsicht, sowohl bei mir, alsauch bei den meisten anderen Menschen, die hassen, durch die "Regentschaft der Moral", nicht zeigt, möchte ich diesem negativen Gefühl dennoch entgegenwirken, da ich es für unverantwortlich halte, mich auf wackelige Werteordnungen zu verlassen. Wenn man bedenkt, dass fast jeder Mensch eine mehr oder minder starke Abneigung gegen einen Anderen hat, die durchaus Hass mit Tötungsabsicht beinhalten könnte, sollte jeder mensch versuchen diesen negativen Gefühlen entgegenzuwirken, da die gesamte Gesellschaft ansonsten auf einem Pulverfass sitzt. |
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#72 |
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Projekt Hedonismus
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Beiträge: 13.322
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Silver:
Wenn ich es richtig verstanden habe, dann definierst du Hass als den Wunsch, einen Menschen zu töten. Weiß nicht, ob das so korrekt ist. Mr.Check sieht den Hass so: Hass, der; -es [mhd., ahd. hasch, eigtl. = Leid, Kummer, Groll]: heftige Abneigung; starkes Gefühl der Ablehnung u. Feindschaft gegenüber einer Person, Gruppe od. Einrichtung:wilder, blinder, tödlicher H.; kalter H. schlug ihm entgegen; H. bei jmdm. schüren; H. auf/gegen jmdn. empfinden; sich den H. der Kollegen zuziehen; er tat es aus H.; jmdn. mit seinem H. verfolgen; von H. erfüllt sein;[einen] H. auf jmdn. haben, kriegen (ugs.; auf jmdn. wütend, über etw. zornig sein, werden); Quelle: DUDEN - Deutsches Universalwörterbuch Wenn ich mir diese Definition durchlese, dann könnte man auf den gleichen Gedanken kommen, wie du ihn hast. Für mich ist es der größere Hass, jemanden leiden zu lassen und ihn nicht direkt zu töten. Anti: Sicher. Es ist nur meine Meinung. Obwohl ich mir nach dem heutigen Nachmittag auch nicht mehr so sicher bin. |
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#73 |
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Registriert seit: 02/2000
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Das folgende habe ich gerade gefunden und dachte ich kopiere es mal hier rein. Ich hab's noch nicht gelesen, aber ich denke es schadet nicht.
Der Begriff der Rache in Martin Heideggers Vorlesung,,Was heißt Denken?"im Wintersemester 1951/52 von Tobias Zell Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt. (Johann Wolfgang von Goethe) Inhaltsverzeichnis Einleitung 4 Hauptteil 1. Heideggers Einführung des Begriffs der Rache 5 2. Die Bedeutung von Rache 5 3. Die Definition von Rache 7 4. Die Bedeutung der Definition und ihre Folgen 7 5. Die Rache und das ,,Es war" 9 6. Die Rache als etwas Negatives bei Nietzsche 10 7. Zeit und Zeitlichkeit in Heideggers ,,Was heißt Denken?" 11 8. Der Gebrauch der Zukunft 13 9. Der Gang über die Brücke als Erlösung 13 10. Die Erlösung von der Rache 14 11. Die ewige Wiederkehr des Gleichen 15 12. Vom ,,letzten Menschen" zum ,,Übermenschen" 17 13. Nietzsches Übermensch 17 Literaturverzeichnis 19 Einleitung Der Gedanke der Rache ist zweifelsohne ein sehr alter. Seit jeher gab es Anlässe und Gründe für den Menschen, sich an einem oder mehreren Menschen zu rächen. Dabei hatte der Begriff der Rache zumeist einen negativen Beigeschmack. Heute gilt es als moralisch umstritten, sich an jemandem für etwas zu rächen. Die wahre Größe zeigt ein Mensch nicht durch seine Bereitschaft zur Vergeltung, sondern dadurch, daß er - wie es heißt - über den Dingen steht und sich zu keiner unbedachten Reaktion hinreißen läßt. Allerdings war es zu bestimmten Zeiten sozusagen gang und gäbe, sich an seinem Gegenüber zu rächen, wenn man sich von ihm etwa in seiner Ehre verletzt fühlte. Durch die Rache verschaffte man sich Genugtuung, zum Beispiel im Duell. Diese Art der Rache war damals gesellschaftlich akzeptiert. Man kann sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen: Wer denjenigen, durch den er sich in seiner Ehre verletzt fühlte, nicht zum Duell forderte, galt als Feigling und gab seinem Kontrahenten auch noch Recht. Auch das Buch der Bücher, die Bibel, äußert sich an zahlreichen Stellen zum Gedanken der Rache. ,,Mein ist die Strafe und die Vergeltung", spricht der Herr selbst im 5. Buch Mose1, das auch Deuteronomium genannt wird. Weiter heißt es: ,,Habe ich erst die Klinge meines Schwertes geschliffen, um das Recht in meine Hand zu nehmen, dann zwinge ich meinen Gegnern die Strafe auf und denen, die mich hassen, die Vergeltung."2 Und im Buch Jesaja ist sogar von einem ,,Tag der Rache" die Rede, den der Herr bestimmt hat.3 Die Begriffe Rache, Strafe oder Vergeltung spielen in der Bibel eine nicht unwesentliche Rolle. Dementsprechend häufig kommen sie auch in dem Buch vor, wie ein Blick in dessen Anhang zeigt. Der Philosoph Martin Heidegger radikalisiert all diese Überlegungen und Aussprüche zur Rache. In seiner Vorlesung im Wintersemester 1951/52 mit dem Titel ,,Was heißt Denken?"4 entwickelt er in Anlehnung an den Philosophen Friedrich Nietzsche die Vorstellung, daß das gesamte Tun des Menschen von Rache geprägt sei. Wie Heidegger zu dieser These kommt, was das bedeutet und wie der Mensch nach Heideggers Meinung von der Rache loskommen kann, dem soll im folgenden nachgegangen werden. Dabei wird in erster Linie der Text der Vorlesung betrachtet. Hauptteil 1. Heideggers Einführung des Begriffs der Rache Erst gegen Ende von Heideggers Vorlesung ,,Was heißt Denken?", nämlich in der achten von insgesamt zehn Stunden, taucht die Rache erstmals als zentraler Begriff auf. Indem Heidegger den Philosophen Friedrich Nietzsche die Antwort ,,auf unsere Frage nach demjenigen Vorstellen, das alles Blinzeln des letzten Menschen im vorhinein durchherrscht", geben läßt, bringt er die Rache ins Spiel. ,,Der Geist der Rache: meine Freunde, das war bisher der Menschen bestes Nachdenken; und wo Leid war, da sollte immer Strafe sein."5 So zitiert Heidegger aus Nietzsches zweitem Teil von ,,Also sprach Zarathustra". Mit anderen Worten heißt das, daß aus Nietzsches Sichtweise das Denken des Menschen geprägt ist von Rache. Martin Heidegger formuliert das so: ,,Der Geist der Rache nämlich kennzeichnet nach Nietzsche den bisherigen und vollends den letzten Menschen."6 Und weiter unten: ,,Dies sagt: die Rache prägt die Art und Weise, wie der bisherige Mensch sich überhaupt zum Seienden verhält."7 2. Die Bedeutung von Rache Diese Sätze, die für den Gedanken der Rache bei Heidegger eine zentrale Bedeutung einnehmen, sind deutlich formuliert. Mißverständnisse sind in diesen Worten nahezu ausgeschlossen. Das Denken des Menschen ist geprägt von Rache. - Ein Satz, über dessen Tragweite man sich erst nach und nach bewußt wird. Und je länger man darüber nachdenkt, desto mehr Beispiele wird man finden, für die er zutrifft. Umso mehr Situationen werden einem aber auch einfallen, für die er scheinbar ungültig - oder zumindest fragwürdig - ist. Bei genauerer Beschäftigung mit dem Gedanken der Rache wird deutlich, daß die Rache im Leben des Menschen eine größere Rolle spielt, als er sich zunächst zugestehen will. So fällt es etwa unglaublich schwer, jemandem etwas zu gönnen, das man selber gerne hätte (- aber nicht haben kann). Die gängige Reaktion ist hier, daß man sich einredet, es nicht zu brauchen. Das Gefühl des Menschen, zu kurz gekommen zu sein, ist nicht selten gegenwärtig. Denn der Mensch ist sehr mißgünstig. Das wird umso klarer, je länger man darüber sinniert. Doch nun zu konkreten Situationen: Eindeutig scheint sich der Satz, daß das Denken des Menschen von der Rache geprägt sei, zu bestätigen, betrachtet man etwa das Revanchefoul im Fußball. Der Gegner hat zuvor durch eine unfaire Aktion den Zorn auf sich gezogen; worauf man selbst nun reagiert, indem man ihn foult und sich so an ihm rächt und sich Genugtuung verschafft. Hier ist die Lage übersichtlich und klar und Heideggers Satz richtig. Ein anderes Beispiel: Ein Schüler läßt seinen Banknachbarn nicht abschreiben. Alleine in dieser vermeintlich simplen Situation steckt, wenn man so will, nicht nur einmal der Gedanke der Rache. Hier verschiedene Deutungsversuche: a) Warum läßt er ihn nicht abschreiben? Vielleicht gönnt er dem anderen die dadurch eventuell bessere Note nicht. Ob es sich hier um Rache im eigentlichen Sinne handelt, darüber ließe sich streiten. Zweifelsohne zielt die Reaktion aber in diese Richtung. b) Oder der Schüler denkt, der andere hätte besser selbst mehr lernen sollen. Und er rächt sich dafür, daß sein Kollege so faul war, indem er ihm die Sicht auf sein Blatt verwehrt. ,,Soll er doch selber was lernen!", heißt es dann oft zur Rechtfertigung. c) Der Schüler findet Abschreiben unfair den anderen gegenüber. Er will Chancengleichheit für alle und verhindert so den kleinen Betrug seines Banknachbarn. Wo ist hier die Rache? Nun, vielleicht rächt er sich an seinem Schulkameraden für dessen unlautere Absicht, indem er diese eben nicht unterstützt. d) Vielleicht war aber auch beim vergangenen Test die Situation genau umgekehrt. Und nun soll der - sich der Lösung nicht sichere - Kamerad einmal selbst erfahren, wie es ist, wenn einem der Banknachbar diese ,,Unterstützung" verweigert. Auch hier eine Art von Rache, die freilich stark an das obige Beispiel mit den beiden Fußballern erinnert. Die bislang genannten Situationen waren leicht nachvollziehbar. Zum einen dadurch, weil sie einigermaßen anschaulich gewählt waren. Zum anderen, da der Gedanken der Rache recht deutlich zum Vorschein tritt. Doch wenn Heideggers These richtig sein soll, müßte das gesamte Denken des Menschen von Rache geleitet werden. Also nicht nur in den obigen Fällen, sondern auch in Situationen, bei denen es nicht so einfach nachvollziehbar erscheint. Warum geht jemand ins Kino? Aus Rache dafür, daß ihm das Fernsehprogramm für den Abend nicht zusagt? Eine kaum befriedigende Erklärung. Noch dazu eine, die nicht immer richtig sein mag. Sehen wir uns also zunächst einmal an, wie Heidegger in seiner Vorlesung den Begriff der Rache überhaupt eingrenzt, beschreibt oder definiert. 3. Die Definition von Rache ,,Die Rache prägt die Art und Weise, wie der bisherige Mensch sich überhaupt zum Seienden verhält."8 Dieses bereits weiter oben genannte Zitat soll den Ausgangspunkt zur Begriffsklärung der Rache bieten. Anknüpfend an diesen Satz legt Heidegger dar: ,,Das Sein des Seienden erscheint in der neuzeitlichen Metaphysik als der Wille."9 Dieser Satz soll an dieser Stelle nicht weiter analysiert werden. Vielmehr soll er - da er selbst von ungeheurer Tragweite ist - so hingenommen werden, um nicht vom eigentlichen Thema abzuweichen. Nur noch eine Bemerkung in diese Richtung: Das Seiende ist gleichzusetzen mit dem, was anwesend ist. Also das Anwesende. Direkt im Anschluß zitiert Heidegger den Dichter und Philosophen Schelling10: ,,Wollen ist Ursein."11Im folgenden entwickelt Heidegger die These, daß der Wille von der Zeit unabhängig ist. Nun kommt wieder Nietzsche ins Spiel, der für Heidegger schließlich die Definition der Rache liefert: ,,Rache ist des Willens Widerwille gegen die Zeit und ihr ´Es war´."12 4. Die Bedeutung der Definition und ihre Folgen Eine Erklärung des Begriffs der Rache ist somit gegeben. Doch klar ist damit noch lange nicht, was ,,Rache" ist. Deshalb soll hier die Definition genauer betrachtet werden. Es heißt also: ,,Rache ist des Willens Widerwille gegen die Zeit und ihr ´Es war´."13 Der Wille bedeutet Ursein, wie an obiger Stelle bereits festgestellt ist. Des Willens Widerwille ist nun der Wille, der sich gegen sich selbst kehrt. Der Wille lehnt sich sozusagen gegen sich selbst auf. Doch warum? Die Definition sagt, warum: Wegen der Zeit und ihrem ,,Es war". Wieso aber verträgt sich der Wille nicht mit der Zeit? Heidegger gibt die Antwort: ,,Zu den von altersher festliegenden Prädikaten des Urseins gehören ´Ewigkeit und Unabhängigkeit von der Zeit´. Demgemäß ist nur jener Wille das Ursein, der als Wille unabhängig ist von der Zeit und ewig. Dies meint aber nicht nur die äußerliche Kennzeichnung, daß der Wille unabhängig von der Zeit ständig vorkommt. Ewiger Wille heißt nicht bloß: ein Wille, der ewig dauert, sondern besagt: der Wille ist nur dann Ursein, wenn der als Wille ewig ist."14 Heidegger sagt also, daß der ewige Wille unabhängig ist von der Zeit. Der ewige Wille befindet sich somit außerhalb der Zeit und steht nicht mit ihr in Verbindung. Wenn der Wille aber in keiner Verbindung zur Zeit steht, erklärt das, weshalb er sich gegen sie wendet. Das Sich-dagegen-wenden wäre dann etwa ein Nichts-mit-ihr-zu-tun-haben(-wollen). Warum der Wille außerhalb der Zeit liegt, wäre eigens zu erörtern. Doch das würde an dieser Stelle zu weit führen. Deshalb sei hier nur eine Möglichkeit der Erklärung genannt. Diese Deutung versucht Frieder Lauxmann in seinem Buch ,,Das Philosophische ABC". Er schreibt: ,,Der ´Urwille´ eines Menschen rührt aus den unentdeckten Tiefen seiner ganzen Persönlichkeit, die er sich (laut Schelling) selbst gewählt hat und ständig in seinem Willen zu leben wählt. Diese Entscheidung liegt ´außerhalb der Zeit´, was etwa so zu ´verstehen´ ist: Die Seele wählt sich selbst. Wer sich selbst wählt, ist auch selbst für sich verantwortlich, obwohl er in den einzelnen Situationen nur so entscheiden kann, wie es sein Inneres ihm vorschreibt. Sein Wille wird ihm zum Schicksal, das (laut Schelling) ´bis an den Anfang der Schöpfung´ zurückreicht´, was natürlich nicht zeitlich zu verstehen ist. Schöpfung, so gesehen, geschieht fortwährend, in jedem Augenblick, weil ´im Früheren auch schon das Spätere mitwirkt, und alles in einem magischen Schlage zugleich geschieht´."15 Doch der Wille wendet sich nicht nur gegen die Zeit; er wendet sich auch gegen ihr ,,Es war". Dieses ,,Es war" ist ein Produkt der Zeit. Der Wille scheitert aber an der Zeit, deshalb wendet er sich gegen sie und gegen sich selbst. Dadurch wird das Wollen an sich selbst schlecht. Heidegger: ,,An dem ´es war´ stößt sich das Vorstellen und sein Wollen. Gegenüber dem, was ´war´ hat das Wollen nichts mehr auszurichten. Gegenüber dem ´es war´ hat das Wollen nichts mehr zu bestellen. Dieses ´es war´ widersetzt sich dem Wollen des genannten Willens. Das ´es war´ wird zum Stein des Anstoßes für alles Wollen. Es ist derjenige Stein, den der Wille nicht mehr wälzen kann. So wird das ´es war´ zur Trübsal und zum Zähneknirschen jeden Wollens, das, als ein solches, immer vorwärts will und gerade dies nicht kann gegenüber dem, was als vergangen fest- und zurückliegt. Das ´es war´ ist so das Widrige für alles Wollen."16 Das ,,Es war" ist das Vergangene, die Vergangenheit. Es ist folglich nicht mehr änderbar. Der Mensch hat es in seiner Form hinzunehmen, kann nicht mehr eingreifen, hat die Folgen dessen zu tragen. Liegt hier vielleicht eine sehr durchschaubare Begründung der Rache? Geht die Rache einher mit der Machtlosigkeit gegenüber der Vergangenheit? Ist die Rache etwa die Reaktion auf diese Machtlosigkeit? Sehen wir uns hierzu vorab eine vereinfachte Vorstellung der Zeit an, die Heidegger freilich viel komplexer konstruiert. In etwa könnte man sie so darstellen: Vergangenheit _ Gegenwart · Zukunft (Rache) Die Rache ist zweifellos etwas, das in der Gegenwart, im Jetzt, stattfindet. Zwar kann sich der Mensch in Gedanken an jemandem rächen, seine Rache damit in die Zukunft projizieren. Doch mit seinem Vorstellen ruft der Mensch die Rache ja schon in die Gegenwart, er vergegenwärtigt sie im wahrsten Sinne des Wortes. 5. Die Rache und das ,,Es war" Es scheint bei der Rache darum zu gehen, daß der Mensch dem ,,Es war" machtlos gegenüber steht. Die Tatsache, daß die Dinge, die im ,,Es war" sind, nicht mehr zu verändern sind, daß der Mensch ihnen und vor allem ihren Folgen ausgeliefert ist, ist für ihn deprimierend. Die Rache ist nun die Reaktion auf diese Machtlosigkeit, auf das Nicht-mehr-änderbare. Sozusagen das Aufbäumen des Menschen gegenüber seiner eigenen Begrenztheit, was die vergangenen Geschehnisse betrifft. Denn eines ist klar: Wenn A von B eine Ohrfeige bekommen hat, ist das eine nicht mehr zu ändernde Tatsache. Daran ändert sich auch nichts mehr, wenn A zurückschlägt. Denn das eigentlich Schlimme ist ihm schon passiert: Er hat von B eine Ohrfeige bekommen, die er nicht mehr ungeschehen machen kann. Und wie immer er auch reagiert, eines bleibt für alle Zeiten unveränderlich: A wurde von B geohrfeigt. Nun gibt es sicher viele Gründe, wieso A zurückschlagen könnte. Vielleicht will er B erfahren lassen, wie körperlich schmerzvoll das sein kann. Unter Umständen will er ihm auch zeigen, wie psychisch deprimierend ein solcher Schlag sein kann. Oder A will sich in der Öffentlichkeit nicht die Blöße geben, sich ungestraft ohrfeigen zu lassen. Oder er meint, auf diese Weise seine verletzte Ehre wieder herstellen zu können, etc. Alle diese Gründe scheinen aber doch eine Ebene tiefer zu stehen als die Tatsache, daß A anfangs von B geohrfeigt wurde. Und genau das kann A nicht mehr ändern, egal wie er reagiert. Er hat sich nun einmal von B eine Ohrfeige eingefangen. Dagegen ist er gegenwärtig und für immer machtlos. Ähnlich verhält es sich mit angenehmen Dingen im Leben. Die Meisterschaft in der B-Klasse, die heute zum Beispiel von den Fußballern gefeiert wird, ist morgen schon Vergangenheit. Sie gehört dann dem ,,Es war" an. Dann sind nur noch die Folgen augenscheinlich. Das kann zum Beispiel das künftige Spielen in der nächst höheren, der A-Klasse, sein. Doch auch hier wird deutlich: Der Akt des Feierns ist Vergangenheit. Freilich ist er wiederholbar. Doch genau diese Feier war, sie ist nicht mehr. Und sie ist nicht mehr änderbar - was auch kaum jemand wollen wird. Diese beiden Beispiele verdeutlichen: Der Mensch ist machtlos gegenüber der Zeit. Und selbst die Zukunft, die herannaht, hat schon von vornherein den Stempel aufgedrückt, daß sie einmal im ,,Es war" landen wird. 6. Die Rache als etwas Negatives bei Nietzsche Bei Nietzsche ist die Rache äußerst negativ belegt. Das sagt auch Heidegger: ,,Aber die Rache nennt sich niemals selbst bei ihrem eigenen Namen, am wenigsten dort, wo sie sich gerade rächt. Die Rache nennt sich ´Strafe´. Sie setzt durch ihr feindselige Wesen in den Schein des Rechts. Sie versteckt ihr widerwilliges Wesen durch den Schein der Zuweisung des Verdienten."17 Da die Rache bei Nietzsche negativ gemeint ist, ist auch die Erlösung von ihr gefordert. Denn Erlösung ist bekanntlich nur von nicht als angenehm empfundenen Dingen nötig. Von schönen Dingen braucht der Mensch im Allgemeinen nicht erlöst zu werden. Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Entweder man nimmt, wie Nietzsche sagt, die Rache als etwas Negatives hin und spricht von Erlösung. Oder man betrachtet die Rache als Reaktion auf die Machtlosigkeit gegenüber der Zeit und ihrem ,,Es war", die allerdings eher neutral zu sehen ist, und spricht dann aber nicht von Er-, sondern vielleicht von Ablösung. Hier drängt sich eine weitere Überlegung auf. Nämlich die Frage nach der Notwendigkeit der Rache. Wenn Heidegger sagt, das gesamte Denken des Menschen sei von der Rache geprägt, ist das - wie schon eingangs festgestellt - eine recht radikale Ansicht. Und wie gesagt, fällt es oft schwer, in einer Handlung oder in einem Gedanken den Tatbestand der Rache auszumachen. Ist Rache immer gegenwärtig? Ist sie ein Muß? Zweifellos gibt es Situationen, deren Tun von Rache geprägt sind. Doch wie stellt sich die Lage dar, wenn ein Geschlagener nicht Gleiches mit Gleichem vergelten will. Wenn er still dasteht und nicht zurückschlägt. Ohne große Schwierigkeiten ist eine solche Situation denkbar. Wo ist dann hier die Rache? Ist die Rache die, daß sich der Geschlagene nicht auf das Niveau seines Gegenübers hinunter begeben will, und deshalb auf den Rückschlag verzichtet. Er reagiert etwa mit stoischer Gelassenheit oder mit Mißachtung. Doch ist das wirklich Rache im landläufigen Sinne? Wohl kaum. Auf diese Situation kann es nur eine Reaktion geben: Man muß sich davon ablösen, die Rache als etwas Negatives zu betrachten. Denn wo ist etwas Negatives, wenn jemand nicht zurückschlägt? Es kann folglich nicht sein, daß wir in unseren Betrachtungen dem Begriff Rache von Grund auf schon ein negatives Vorzeichen verpassen. - Zumindest, wenn man von dem Gedanken ausgeht, daß das gesamte Denken des Menschen von Rache geprägt sei. Für die weiteren Betrachtungen kann es also nur noch gelten, den Begriff der Rache neutral zu betrachten. Denn eine negative Eigenschaft beizumengen, bringt, was Nietzsche angeht, nur schwerlich weiter. 7. Zeit und Zeitlichkeit in Heideggers ,,Was heißt Denken?" Offensichtlich spielt die Zeit eine entscheidende Rolle beim Gedanken der Rache. Das wird schon bei der Definition deutlich, die ja besagt, daß die Rache des Willens Widerwille gegen die Zeit und ihr ,,Es war" sei. Heidegger erläutert die Rache also anhand von zwei Begriffen: dem Willen und der Zeit. An obiger Stelle wurde bereits dargelegt, daß die Gleichung von Schelling (Wollen = Ursein) nicht weiter ausgelegt werden soll. Doch wie verhält es sich mit der Zeit? Sie ist der Faktor, gegen den sich der Wille kehrt, da er selbst außerhalb der Zeit steht. Heidegger unterscheidet vor allem im Übergang von Stunde IX auf X klar zwischen der Zeit und dem Zeitlichen. Nach seinen Worten ist das Zeitliche ,,das Vergängliche"18 . Und die Zeit ist laut Heidegger ,,das Vergehen des Vergänglichen"19. Um die Folgen aus diesen Festlegungen für die Definition von Rache zu verdeutlichen, können die Begriffe - ähnlich wie in der Mathematik - ersetzt werden. Bisher war die Definition wie folgt bekannt: I) die Rache = des Willens Widerwille gegen die Zeit und ihr ,,Es war" Nun sind zwei neue Gleichungen hinzugekommen: II) das Zeitliche = das Vergängliche III) die Zeit = Vergehen des Vergänglichen Setzt man nun II in III ein, ergibt sich: IV) die Zeit = Vergehen des Zeitlichen Und durch Einsetzen von III bzw. IV in I ergibt sich: Ia) die Rache = des Willens Widerwille gegen das Vergehen des Vergänglichen und sein ,,Es war" Ib) die Rache = des Willens Widerwille gegen das Vergehen des Zeitlichen und sein ,,Es war" Dadurch ist nun bestätigt, was bisher zwar angenommen wurde, aber noch nicht bewiesen war: Laut Heideggers Aussagen ist die Rache eben der Widerwille gegen das Vergängliche, das Zeitliche. Damit hat allerdings die Rache ihren personalen Charakter verloren und ist eben nichts mehr, das jeder Mensch für sich hat. Diese Rache spielt sich in jedem von uns ab, ist ein Teil von uns, der uns leitet. Und auch der Wille ist dann nichts Personales mehr. Wenn laut Schelling Wollen gleich Ursein ist, heißt das doch, daß der Wille das Sein an sich ausmacht. Folglich macht er alles Sein aus, nicht nur unser Sein. In diesem Sein sind wir alle inbegriffen, sind alle davon ergriffen. 8. Der Gebrauch der Zukunft Ein weiteres Problem ist die Art und Weise, wie der Mensch in heutiger Zeit mit der Zukunft umgeht. Die Zukunft wird zweifellos immer wichtiger. Jeder Mensch macht sich Gedanken über seine Zukunft. Er vergegenwärtigt sie, holt sie gedanklich ins Jetzt. Er will sie planen, möglichst weit im voraus bestimmen und gestalten. Das hat jedoch zur Folge, daß der Mensch sein gesamtes Leben mehr und mehr auf die Zukunft hin ausrichtet. Es gilt, die Zukunft so weit wie möglich in festgelegte Bahnen zu lenken und dafür zu sorgen, daß die Zukunft auch so kommt. Die Gegenwart verliert dabei zunehmend an Wert. Sie wird gebraucht, um die Zukunft abzusichern, und dadurch mißbraucht. Die Gegenwart hat für den Menschen - wie es oft scheint - nur noch den Vorteil, daß man in ihr Pläne für später schmieden kann. Der Mensch wendet seinen Blick auf Kosten der Gegenwart in die Zukunft. Ja, man könnte fast sagen: Er zieht sich den Boden, auf dem er gerade steht, unter den Füßen weg, nur um ihn dahin zu legen, wo er selbst noch gar nicht ist. 9. Der Gang über die Brücke als Erlösung Ziel ist laut Nietzsche die Erlösung von dem Geist der Rache. In dem Stück ,,Von den Taranteln" läßt er Zarathustra sagen: ,,Denn daß der Mensch erlöst werde von der Rache: das ist mir die Brücke zur höchsten Hoffnung und ein Regenbogen nach langen Unwettern."20 Die Brücke, von der Nietzsche spricht, ist ein Synonym für die Erlösung von der Rache. Zudem hat die Brücke Symbolcharakter. Denn Brücken sind bekanntlich dazu da, um sie zu überqueren, um mittels ihnen auf die andere Seite zu gelangen. Hier noch einmal eine kleine Bestandsaufnahme: Der Mensch befindet sich derzeit vor der Brücke, er hat sie noch nicht betreten. Der bisherige Mensch ist laut Heidegger der ,,letzte Mensch"21. Dort, wo er sich aufhält, herrscht die Rache vor. Sie bildet den Grundzug seines bisherigen Denkens. Und sie prägt die Art und Weise, wie der bisherige, der letzte Mensch sich überhaupt zum Seienden - also zur Welt - verhält. Der Gang über die Brücke ist für Nietzsche nun der eigentliche Schritt des Denkens. Es ist ihm die ,,höchste Hoffnung", daß die Menschen über diese Brücke gehen. Der hinübergehende Mensch heißt für Heidegger ,,Übermensch"22. Dieser Denkschritt führt aber auch auf den Gipfel der Metaphysik Nietzsches. Hat der Mensch nun die Brücke überschritten, befindet er sich auf der anderen Seite. Dort findet er die Erlösung von der Rache. Er ist in einem Raum, in dem es keinen Platz für die Rache mehr gibt. Das kann jedoch zweifelsohne kein beliebiger Raum sein. Allerdings steht fest: Wer von der linken auf die rechte Seite geht, um die Erlösung zu finden, muß sich bewußt sein, daß die Erlösung von der Rache auch immer durch die Rache selbst bestimmt ist. 10. Die Erlösung von der Rache Wie hat man sich nun die Erlösung von der Rache vorzustellen? Was ist die Erlösung? Heidegger weiß Antwort: ,,Die Erlösung von der Rache ist nicht die Befreiung vom Willen überhaupt"23, sagt er und liefert dafür auch eine Begründung: ,,In diesem Falle führt die Erlösung als Aufhebung des Wollens, da der Wille das Sein ist, in das nichtige Nichts."24 Martin Heidegger gibt jedoch neben der Erläuterung dessen, was die Erlösung nicht ist, auch die Anwort auf die Frage, was sie denn sei: ,,Die Erlösung von der Rache ist die Befreiung vom Widrigen für den Willen, damit er gerade erst Wille sein kann."25 Wie stellt man sich nun dieses Widrige für den Willen, wie Heidegger es nennt, vor? Oder vielmehr: Wann ist es beseitigt? Heidegger: ,,Nicht dann, wenn es überhaupt kein Vergehen mehr gibt."26 Denn: ,,Die Zeit läßt sich für den Menschen nicht beseitigen."27 Doch der Philosoph weiß, wie dieses Widrige schwindet. Seinen Worten zufolge schwindet es, ,,wenn das Vergangene nicht im bloßen ´Es war´ erstarrt und als dieses Starre unbeweglich dem Wollen entgegen starrt. Das Widrige verschwindet, wenn das Vergehen kein bloßes Vergehenlassen ist, wodurch das Vergangene in das bloße ´Es war´ versinkt."28 Im folgenden entwickelt Heidegger die Lösung des Problems, indem er schrittweise weiterdenkt und am Ende feststellt, daß die ewige Wiederkehr des Gleichen das Ziel wäre. Hier die entsprechende Textstelle: ,,Der Wille wird frei von diesem Widrigen, wenn er als Wille frei wird, d. h. frei für das Gehen im Vergehen, aber ein solches Gehen, das dem Willen nicht entgeht, sondern wieder kommt, indem es das Gegangene wiederbringt. Der Wille wird frei vom Widerwillen gegen die Zeit, gegen ihr bloß Vergangenes, wenn er von allem das Gehen und Kommen, wenn er von allem dies Gehen und Wiederkommen ständig will. Der Wille wird frei vom Widrigen des ´Es war´, wenn er die ständige Wiederkehr von allem will. Der Wille ist erlöst vom Widerwillen, wenn er die ständige Wiederkehr des Gleichen will. So will der Wille die Ewigkeit des Gewollten. Der Wille will die Ewigkeit seiner selbst. Wille ist Ursein. Das höchste Produkt des Urseins ist die Ewigkeit."29 11. Die ewige Wiederkehr des Gleichen Die Antwort ist nun gegeben: Der Mensch ist von der Rache erlöst, wenn er die ewige Wiederkehr des Gleichen will. Die ewige Wiederkehr des Gleichen ist ein Gedanke, der zwar deutlich formuliert und unmißverständlich ist. Doch ihn nachzuvollziehen, ist umso schwieriger. Wie sieht das aus, wie äußert sich das, wenn der Mensch die ewige Wiederkehr des Gleichen will? Was heißt das konkret? Ein Mensch will also, daß alles immer wieder passiert, daß sich alle Ereignisse genau so und in genau der gleichen Reihenfolgen wiederholen. Daraus ergibt sich jedoch eine gewisse Verpflichtung für den Menschen. Denn er sollte sich dann natürlich so verhalten, daß er auch damit leben kann, wenn alles immer wieder geschieht. Man könnte daraus etwa die Maxime ableiten: ,,Handle stets so, daß Du Deine Handlung ewig wiederholen könntest und würdest!" Zwar ist diese Formulierung einfach zu verstehen. Jeder weiß, was damit gemeint ist. Doch wie sieht es mit der Umsetzung aus? Je länger man darüber nachdenkt, desto schwieriger stellt es sich dar, diese Maxime einzuhalten. Kann der Mensch in manchen Situationen überhaupt richtig entscheiden? Kann ein Mensch der Verantwortung gerecht werden, Entscheidungen zu treffen, deren Auswirkungen nicht nur einmal, sondern unendlich oft und immer wieder sichtbar werden? Vielleicht darf der Mensch diese Maxime aber auch nicht ganz so verbissen eng an der Formulierung sehen. Zwar soll er seine Entscheidungen so treffen, daß er sie immer wieder genau so vertreten könnte; daß das, was er tut, immer wieder genau so getan werden könnte. Doch unter Umständen belastet es den Menschen zu sehr, sich vorzustellen, daß er gerade eine Entscheidung gefällt hat, die sich sowohl als Entscheidung als auch in ihren Folgen unendlich oft wiederholt. Vielleicht soll diese Maxime aber weniger irritieren und ängstigen, sondern vielmehr darauf aufmerksam machen, die einzelnen Entscheidungen oft gründlicher zu überdenken. Um dann eben ein Ergebnis zu haben, mit dem man gut leben kann. Um eine Entscheidung getroffen zu haben, die man immer wieder genau so treffen könnte und würde. Martin Heidegger sagt: ,,Die Erlösung von der Rache ist der Übergang vom Widerwillen des Willens gegen die Zeit und ihr ´Es war´ zum Willen, der ewig die Wiederkehr des Gleichen will und in diesem Wollen sich selbst als den Grund seiner selbst."30 Und weiter definiert er die Erlösung von der Rache als ,,Übergang zum Ursein alles Seienden".31 An voriger Stelle wurde bereits bemerkt, daß laut Schelling Wollen gleich Ursein ist. Das heißt dann - in Bezug auf die Erlösung von der Rache -, daß sie der Übergang zum Wollen alles Seienden ist. Noch einmal zurück zu der Szene an der Brücke. Die Brücke bzw. der Gang über diese ist an der Stelle ein Symbol für die Erlösung von der Rache. Und wenn der Mensch über sie geht, sie überquert, geht er auf den Willen zu, der ,,ewig die Wiederkehr des Gleichen will"32. In letzter Konsequenz hätte das eine vollkommene Lebensbejahung zur Folge. Der Mensch wäre dann mit sich selbst im Reinen, wie man sagt. Und wenn sich eben jeder Mensch daran halten würde, gäbe es auch keine Situationen mehr, die jemandem einen Grund liefern würden, sich an einem Mitmenschen zu rächen. Der Lehrer von der ewigen Wiederkehr des Gleichen ist Nietzsches ,,Zarathustra", der zwei Lehren zugleich lehrt. Zum einen eben die von der ewigen Wiederkehr des Gleichen; zum anderen die Lehre vom Übermenschen. Dabei handelt es sich freilich nicht um zwei getrennt voneinander zu sehende Lehren. Vielmehr vertritt der Übermensch wohl die Lehre von der ewigen Wiederkehr des Gleichen. Denn der Mensch der über die Brücke gegangen ist, ist der Übermensch. Und zugleich vertritt der Mensch, der die Brücke überquert hat auch die Lehre von der ewigen Wiederkehr des Gleichen. Somit sind beide Lehren gut verträglich. 12. Vom ,,letzten Menschen" zum ,,Übermenschen" Um noch einmal an die Situation vor der Brücke anzuknüpfen: Der jetzige, der bisherige Mensch wird von Heidegger ,,der letzte Mensch"33genannt. Der Mensch, der die Brücke überquert, ist für Heidegger der ,,Hinübergehende" und der ,,Übermensch"34. Der Hinübergehende entfernt sich also nicht nur von der linken Seite, er entfernt sich auch vom bisherigen und damit eben vom letzten Menschen. Er entfernt sich von dem Menschen, dessen Denken von der Rache geprägt ist. Und indem er hinübergeht - und dadurch der Hinübergehende ist -, ist er bereits der Übermensch. Warum ist der Mensch schon der Übermensch, indem er am bloßen Hinübergehen ist? Vielleicht, weil er schon verstanden haben muß, um überhaupt die Brücke zu betreten. Der letzte Mensch hat jedenfalls noch nicht verstanden. Das zeigt ein dieser Satz von Martin Heidegger: ,,Wir haben das Glück erfunden - sagen die letzten Menschen und blinzeln."35 Doch wie kann ein Mensch das Glück ge- oder erfunden haben, wenn sein gesamtes Denken von Rache durchsetzt ist? Der Mensch hat zu diesem Zeitpunkt eben noch nicht verstanden. Wer ist also schließlich der, der nun nach dem Gang über die Brücke auf der anderen Seite ankommt? Es ist zum einen der Übermensch. Es ist der Mensch, dessen Denken nicht mehr von der Rache geprägt ist. Und es ist der Mensch, der in einem Raum ist, wo es überhaupt keinen Platz mehr für die Rache gibt. Und es ist der Mensch, der die ewige Wiederkehr des Gleichen will. Daraus erschließt sich wiederum, daß eben der Übermensch die ewige Wiederkehr des Gleichen will. 13. Nietzsches Übermensch: Mit der Idee vom Übermenschen gibt Martin Heidegger freilich Nietzsches Lieblingsidee wieder. Vor allem im ,,Zarathustra" verherrlicht Nietzsche den Übermenschen. W. Kaufmann sagt: ,,Nietzsches Philosophie erreicht ihren Gipfel in der Doppelvision vom Übermenschen und von der ewigen Wiederkunft; ihr Schlüsselbegriff ist der Wille zur Macht." 36 Wie nun dieser Übermensch mit der ewigen Wiederkehr des Gleichen in Verbindung steht, legt das dtv-Lexikon zur Philosophie dar: ,,Er [der Übermensch] zeichnet sich durch vollkommene Freiheit gegen die traditionellen Werte aus. Sein Handeln richtet sich nach irdischem Maßstab: Er strebt nach Stärke, Vitalität und Macht. Ihm stehen die Herdenmenschen gegenüber, die sich noch dem Diktat eines (erdachten) Gottes beugen und einer Moral der Schwäche und des Mitleids huldigen. Die wenigen Übermenschen sind stark genug, die bitteren Konsequenzen ihrer Freiheit und ihrer Ausrichtung auf das Vital-Rohe zu tragen. Ihr letzter Prüfstein ist die Fähigkeit, den Gedanken der ewigen Wiederkehr auszuhalten."37 Die ewige Wiederkehr des Gleichen stellt Nietzsche in ,,Die fröhliche Wissenschaft" als ,,das größte Schwergewicht"38vor: ,,Dieses Leben ... wirst du noch einmal und noch unzählige Male leben müssen. ... Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht - und du mit ihr, Stäubchen vom Staube."39 Literaturverzeichnis Quellen: Heidegger, Martin, Was heißt Denken?, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1997. Heidegger, Martin, Was heißt Denken? Vorlesung Wintersemester 1951/52 , Reclam Verlag, Stuttgart 1992. Literatur: Kunzmann, Peter / Burkard, Franz-Peter / Wiedmann, Franz, dtv-Atlas zur Philosophie. Tafeln und Texte, München 1995. Lauxmann, Frieder, Das Philosophische ABC. Neue Wege zu alten Einsichten, München 1997. Weiterführende Literatur: Banki, Farsin, Der Weg ins Denken: Platon - Martin Heidegger - Theodor Ballauf, Bern/Stuttgart 1986. Barrón, Jorge Uscatescu, Die Grundartikulation des Seins. Eine Untersuchung auf dem Boden der Fundamentalontologie Martin Heideggers, Würzburg 1992. Heidegger, Martin, Der Begriff der Zeit, Tübingen 1989. Luckner, Andreas, Martin Heidegger: ,,Sein und Zeit". Ein einführender Kommentar, Paderborn/München/Wien/Zürich 1997. 1 Bibel, 5.Buch Mose, 32,35. Diese Lesart setzen Röm. 12,19 und Hebr. 10,30 voraus. 2 Ebd. 32,41. 3 Bibel, Buch Jesaja, 34,8. 4 Heidegger, Martin, Was heißt Denken?, Tübingen 1997. Im folgenden: Denken. 5 Nach: Denken, S. 33. 6 Denken, S. 76. 7 Denken, S. 76. 8 Denken, S. 76. 9 Denken, S. 77. 10 Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph (1775-1854) 11 Denken, S. 77. 12 Denken, S. 77. 13 Denken, S. 77. 14 Denken, S. 77. 15 Lauxmann, Frieder, Das Philosophische ABC. Neue Wege zu alten Einsichten, München 1997, S. 273f. 16 Denken, S. 36. 17 Denken, S. 37. 18 Denken, S. 78. 19 Denken, S. 78. 20 Nach: Denken, S. 33. 21 Denken, S. 30. 22 Denken, S. 30. 23 Denken, S. 43. 24 Denken, S. 43. 25 Denken, S. 43. 26 Denken, S. 43. 27 Denken, S. 43. 28 Denken, S. 43. 29 Denken, S. 43. 30 Denken, S. 43. 31 Denken, S. 43. 32 Denken, S. 43. 33 Denken, S. 30. 34 Beide Begriffe: Denken, S. 30. 35 Nach: Denken, S. 31. 36 Nach: Kunzmann, Peter / Burkard, Franz-Peter / Wiedmann, Franz, dtv-Atlas zur Philosophie. Tafeln und Texte, München 1995. Im folgenden: Lexikon, Zitat: S. 179. 37 Lexikon, S. 179. 38 Nach: Lexikon, S. 179. 39 Nach: Lexikon, S. 179. |
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#74 |
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Projekt Hedonismus
Registriert seit: 05/2000
Beiträge: 13.322
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Wer soll denn das alles lesen bitte????
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#75 |
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Registriert seit: 02/2000
Beiträge: 3.471
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Ich hab's auch noch nicht gelesen, aber wo silver immer den zusammenhang zw rachemorden und hass erwähnt, habe ich einfach mal nach "rache" gesucht und dies gefunden.
Übrigends gab's da auch noch einen andren bericht über die rache bei karl may (muß ja auch ein mörder gewesen sein). Den habe ich aber erstmal weggelassen
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#76 |
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Projekt Hedonismus
Registriert seit: 05/2000
Beiträge: 13.322
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Ich hab mir den Text jetzt doch durchgelesen.
Ist schon interessant. Nur haben wir diese Argumente alle schon gebracht. Interessant finde ich allerdings, daß gesagt wird, das Prinzip der Rache sei gesellschaftlich nicht akzeptiert. Generell mag das richtig sein. Wenn ich mir unsere Gesetze angucke, dann sehe ich ein klares Verbot der Rache. Andererseits ist die Rache gesellschaftlich trotzdem in irgendeiner Form akzeptiert. Ich denke da an die Väter, die die Vergewaltiger oder Mörder ihrer Kinder umbringen. Sie werden zwar bestraft, Verständnis wird jedoch gezeigt. Zumal jeder Mensch sich schon einmal gerächt hat. Vielleicht auf legale Weise, aber sie haben es getan. |
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#77 |
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Junior Member
Registriert seit: 07/2001
Beiträge: 5
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Das finde ich erschreckend.
Silver, Deine Gedankengänge sind für mich nicht nachzuvollziehen. Was läuft in Deinem Kopf falsch, daß Du denkst, man würde töten, wenn man jemanden haßt. Ich glaube, Du weißt nicht, was Hass ist.
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#78 | |
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unholy undead
Registriert seit: 10/2000
Beiträge: 6.901
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Und ich glaube du solltest Threads gründlicher lesen und über das Gelesene dann auch nachdenken.
Ich persönlich wollte noch niemanden töten, da ich auch noch nie gehasst habe. Was ich in diesem Thread getan habe, war doch gerade zu kritisieren, dass die Menschen zu schnell Hass entwickeln. Da dieser meiner Meinung nach einen unbedingten Tötungswunsch nach sich zieht, wollte ich dazu ermuntern, seine Gefühle genauer zu erforschen und zu verarbeiten, bevor man sie umsetzt. Zitat:
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#79 |
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puer aeternus
Registriert seit: 05/2000
Beiträge: 6.718
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Ja, aber Sterni würde "Standardspruch" schreiben - ohne 't'!
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#80 |
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unholy undead
Registriert seit: 10/2000
Beiträge: 6.901
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Oh...das ist mir aber peinlich.
![]() Dass gerade mir soetwas passiert... ![]() Ich bin untröstlich und sollte aufgrund dieser Schmach sofort das Forum verlassen.
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