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Alt 13.08.2005, 09:04   #171
Kuhfladen
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Registriert seit: 07/2004
Beiträge: 4.745
Zitat:
Zitat von MadHatter
[B]Das entscheidende bei den Religionen ist, dass man auch noch zu Gott gehört und das markiert eine Verfügungsgrenze über die Menschen. Dann kann sich niemand mehr hinstellen und sagen: Mein Baum, mein Auto, mein Haus, meine Frau, meine Kinder, mein alles.

Aufgrund dessen löst sich das ganze zerstörerische Besitzdenken auf und wir werden in der Lage sein, loszulassen, anstatt andere für unsere Zwecke zu instrumentalisieren.
das will ich sehen wenn der nächste zu dir kommt, sich dein auto schnappt und sagt "hey, das gehört dir genauso wenig wie mir, also fahre ich jetzt".
mein auto ist und bleibt solange mein auto bis es auseinanderfällt, ich es verkaufe oder man es mir mit gewalt wegnimmt. für diess auto habe ich gearbeitet. ich kann es verleihen oder verschenken wenn ich will, aber nur wenn ICH will.
so gesehen bin ich egoistisch. wir leben in einer materiellen welt und das ist die realität die sich mir darbietet. ich kann zwar versuchen andere an meinem wohlstand teilhaben zu lassen, ihn aber für andere zu opfern liegt mir dann doch fern.
es gibt immer ein paar menschen die sich als bettelmönch wohlfühlen, doch sind auch sie von den materialisten abhängig, denn ohne diejenigen die etwas erwirtschaften und besitzen würden diese mönche früher oder später elendig verhungern. mit welchem recht erwarten sie nun also das andere für sie verzichten wo sie in der lage wären selbst zu arbeiten?
solidarprinzip hin oder her, das ist mir zu einfach.

mir reicht die verfügungsgrenze des staates vollkommen aus bzw. geht mir sogar diese manchmal zu weit. wenn jetzt auch noch irgendein religiöser ***** daher kommt und meint mir gehört nix weil gehört ja alles gott, dann darfst du mal zusehen wie schnell der aus dem 1 stock wieder auf der strasse landet.

das besitzdenken hat den menschen erst zum menschen gemacht und für sein überleben gesorgt. fortschritt ist auch untrennbar damit verbunden.
wir alle instrumentalisieren andere menschen. und zwar JEDER auf die eine oder andere art. das ist uns auch bewußt und wir akzeptieren es. weil es für unsere existenz und unser überleben wichtig ist.

und, auch wenn es manche nicht glauben wollen, religionen werden instrumantalisiert. und das ist auch unvermeidbar, denn würden sie nicht instrumentalisiert werden wären sie gänzlich wirkungslos und absolut unbedeutend. im umkehrschluß bedeutet es aber auch das religion instrumentalisieren muss um das eigene fortbestehen zu sichern. also scheint es doch irgendwie ein natürlicher vorgang zu sein, oder?

ich glaube der entscheidendere punkt ist der das wir akzeptieren in einer gesellschaft zu leben wo wir auf vielfältige art voneinander abhängig sind.
die starken müssen den schwächeren helfen indem sie abgeben. die schwächeren sind ein teil des wohlstands der stärkeren. das war aber schon immer so und es wird wohl auch nur so funktionieren.

was du forderst madhatter, das aufgeben unseres zerstörerischen besitzdenkens, ist genau genommen die forderung nach der aufgabe des individuums.
irgendwie sind fundamentalistische gedanken in allen religionen gleich.
Kuhfladen ist offline  
Alt 13.08.2005, 09:04 #00
Verbraucherinformant

Registriert seit: 21.08.2005
Ort: Litfaß
Beiträge: 4692

Alt 13.08.2005, 09:58   #172
Hades
Special Member
 
Registriert seit: 06/1999
Beiträge: 2.643
Zitat:
Zitat von AndrewAustralien
Haß, Krieg gegen Anderdenkenden und die Tötung Andersdenkender war mehrere Jahrhunderte ein Bestandteil der christlichen Lehre.
Nehmen wir zum Beispiel den Massenmord bei der Inquisition zum Beispiel.
Es gab auch zig Kriege.
Das Christentum ist nun friedlicher dank dem Einfluß der Aufklärung - Fortschritt, Vernunft, Freiheit, Libertät. Daß Christen diese durch die Geschichte bekannt gewordene Tatsache nicht zugeben wollen ist zu erwarten, die haben auch nur mit Aberglaube zu tun, nicht mit Tatsachen.
Das Christentum ist eines der größten Mörder der Geschichte.
Andrew, das ist schlichtweg falsch was du hier schreibst. Die von dir angeführten Dinge sind nicht im Namen des Christentums, sondern im Namen der katholischen Kirche geschehen. Das ist ein enormer Unterschied. Die katholische Kirche hat sich hier eindeutig gegen die christliche Lehre verhalten. Es gibt ja genügend Christen, die die katholische Kirche ablehnen. Und die von dir angeführten Grausamkeiten gegen Andersdenkende, etc., sind im Sinne der christlichen Lehre abzulehnen.
Hades ist offline  
Alt 13.08.2005, 10:13   #173
Dr_Eisenhans
Dauerhaft Gesperrt
 
Registriert seit: 06/2004
Beiträge: 3.711
moslem...judentum...christentum...was hat das alles gemeinsam...? Richtig den monotheismus...ahhh...drum töten wir..beschwafeln wir uns ..usw. weil jeder den anderen von seinen EINZIGEN gott überzeugen will....zurück zum polytheismus.....da hatte jeder seinen eigenen gott was heute genau so gilt aber ist ja wuarst....
Dr_Eisenhans ist offline  
Alt 13.08.2005, 10:15   #174
Dr_Eisenhans
Dauerhaft Gesperrt
 
Registriert seit: 06/2004
Beiträge: 3.711
M-O-N-O-T-H-E-I-S-M-U-S....... durch diese erkenntnis das wir alle an dieser "submysthischen" Krankheit leiden führt sich dieser Thread ad absurdum!
Dr_Eisenhans ist offline  
Alt 13.08.2005, 11:30   #175
Toktok
night strike specialist
 
Registriert seit: 05/2001
Beiträge: 5.545
Das Christentum ist keine monotheistische Religion, Eisenhans. Es gibt eine Trinität in Form des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Aba is ja wuarst, ne?
Toktok ist offline  
Alt 13.08.2005, 11:38   #176
AndrewAustralien
Forumsgast
 
Beiträge: n/a
Zitat:
Zitat von Hades
Andrew, das ist schlichtweg falsch was du hier schreibst. Die von dir angeführten Dinge sind nicht im Namen des Christentums, sondern im Namen der katholischen Kirche geschehen. Das ist ein enormer Unterschied. Die katholische Kirche hat sich hier eindeutig gegen die christliche Lehre verhalten. Es gibt ja genügend Christen, die die katholische Kirche ablehnen. Und die von dir angeführten Grausamkeiten gegen Andersdenkende, etc., sind im Sinne der christlichen Lehre abzulehnen.
Was in der christlichen Lehre steht ist nur ein Faktum insofern es direkt in der Bibel zu lesen ist. Die katholische Kirche (und hier ist sie lange nicht allein) sieht sich als die einzige wahre Vertretung des Christentums und ihre Lehre ist eine der christlichen.

Natürlich existiert die Religion nicht alleine, sie ist kein Gegenstand, sondern besteht aus Gruppen und Vertretungen, die alle eine der Lehren der Religion die sie vertreten haben.

Klar, die katholische Kirche ist wie alle christliche Kirchen wegen Mordes und anderen Verbrechens schuldig, aber auch im Namen einer der Lehren des Christentums, denn christliche Lehren kommen von christlichen Gruppen, Kirchen.
 
Alt 13.08.2005, 14:03   #177
Toktok
night strike specialist
 
Registriert seit: 05/2001
Beiträge: 5.545
MadHatter,

es ist zwar nachvollziehbar, dass Religion und Gott für dich sinnstiftende Instanzen darstellen, doch bleibst du trotz deiner zahlreichen langen Beiträge immer noch sämtliche rationalen Argumente schuldig, die uns deine Haltung plausibel machen könnten.
Das ist typisch für moderne Theologen. Theist zu sein heißt ja, von der Existenz eines Gottes überzeugt zu sein und höchstens temporär daran zu zweifeln. Inhaltliche Glaubensüberzeugungen werden in ihrer Bedeutung allerdings oft mit dem Verweis darauf heruntergespielt, dass der eigentliche Kern der Religion in einer "persönlichen Beziehung zu Gott" liege. Wenn man dieser Rede allerdings keine inhaltlichen, faktischen Aussagen voraussetzt, macht sie jedoch wenig Sinn, denn religiöse Gefühle und Erfahrungen sind keineswegs notwendigerweise stichhaltige Argumente für die Existenz Gottes. Im Gegenteil, es fehlt ihnen oft jegliche Rationalität, und das scheint Theologen teilweise sogar eine notwendige Bedingung für einen angemessenen Diskurs über Gott und Religion zu sein.

Es ist zwar durchaus möglich, dass Gott existiert - füt Atheisten allerdings nur in dem Sinne, dass sie seine Nichtexistenz nicht beweisen können. Diese Sachlage ist allerdings sicherlich kein gutes Argument für die Existenz Gottes, denn nur weil Anschauungen, oder metaphysische Glaubenssätze nicht widerlegt werden können, bedeutet dies nicht automatisch, dass sie auch die richtigen, zutreffenden sind.

Es fällt zwar auf, dass fast alle Menschen eine Religion haben, doch gibt es höchst unterschiedlich Ansichten darüber, weshalb das so ist.
Einige sagen einfach, Menschen sind religiös, weil es Gott gibt.
Andere erkennen, dass Religion weitverbreitete psychische Bedürfnisse befriedigt und soziale Funktionen übernimmt.
David Hume sah die Ursache der Religion in unauslöschlichen Hoffnungen und Befürchtungen, die den menschlichen Geist antreiben.
Feuerbach verstand die Entstehung der Religion als eine Projektion menschlicher Gedanken, Ideale und Beziehungen.
Marx hielt Religion deswegen für so weit verbreitet, weil sie bestimmte Funktionen in der Klassengesellschaft erfülle. Seiner Ansicht nach stärke Religion die Autorität der herrschenden Klasse und nehme dem Klassenkampf etwas von seiner Schärfe, indem sie den unterdrückten und entfremdeten Klassen eine illusionäre Befriedigung und Entschädigung anbiete.
Nietzsche hielt zumindest die christliche Religion für einen diktatorischen Apparat und postulierte den Tod Gottes.
Freud sah die Quelle unseres Religionsbedürfnisses in unseren unterdrückten und unbewußten Wünschen.

Du versuchst ja hauptsächlich, MadHatter, moralische Argumente zugunsten der Existenz eines Gottes anzuführen und uns den Eindruck zu vermitteln, dass, wenn der religiöse Glaube aufgegeben würde, moralische Überzeugungen ihr wesentliches Element, ihre Wirksamkeit und ihre Geltung verlören.
Auch hier ist jedoch festzustellen, dass die Existenz von Moral nicht zwangsläufig die Existenz eines Gottes voraussetzt. Man kann vielmehr sagen, dass wir als Vernunftwesen mit unserem Gewissen als eigener mentaler Instanz gar nicht anders können als moralisch zu denken. Kant hat in seiner "praktischen Vernunft" auch versucht zu erklären, dass wir, so wir unser moralisches Denken vollständig und in sich stimmig entwickelten, nicht drum herum kämen, die Existenz Gottes anzunehmen.

Letzendlich bleibt die Frage nach der tatsächlichen Existenz Gottes immer offen, egal wie man es dreht und wendet, und deswegen bietet mir Religiösität auch keinen Ausweg für was auch immer. Religiösität steht für mich sogar im Widerspruch zur Vernunft, weil sie den Trost der Wahrheit vorzieht.
Toktok ist offline  
Alt 13.08.2005, 14:30   #178
MadHatter
Cosmic Hobo
 
Registriert seit: 03/2004
Ort: Im Wunderland
Beiträge: 2.754
@Kuhfladen:

Zitat:
denn ich trenne nach wie vor das eine von dem anderen. aber wieso setzt du gottesverleumdung und verleugnung mit unterdrückung der liebe gleich?
abgesehen davon sehe ich mich auch als ein sinnwesen.
Ich glaube, jeder Mensch hat eine religiöse- sagen wir es neutraler- spirituelle Dimension, die sich zum Beispiel in Liebesliedern oder der Kunst ausdrückt.
Ich meine auch, dass diese Dimension bedeutsam für die Ethik ist, aber das heißt nicht, dass wir alle einer Religion angehören müssen.
Nur wer die Sprache seines Herzens genauer erforschen möchte, der sollte sich mit Religion befassen, weil wir Grundlagen brauchen, um uns auf die Reise zu uns selbst zu machen.

Doch hier drin können wir auch ein Problem erkennen.
Ich meine den Anspruch, den jede Religion für sich erhebt, „die einzig wahre“ zu sein.
Wie sollen wir dieser Schwierigkeit begegnen?
Nun, für mich selbst kann ich, und das liest man auch sehr deutlich heraus, sagen, dass das Christentum den besten Rahmen dafür bildet, dass ich auf die Sprache meines Herzens höre und Liebe und Mitgefühl kultiviere.
Doch während das Christentum für mich der beste Weg ist- was heißt, dass es meiner Veranlagung, meinen Neigungen und meinem kulturellen Hintergrund entspricht- muss ich einräumen, dass dasselbe für die Angehörigen anderer Religionen gilt.
Für sie ist ihr Glaube der beste Weg.

Damit du mir nicht schon wieder Dinge vorwirfst, die ich nicht gesagt habe, gebe ich dir mal ein anschauliches Beispiel:
Man stelle sich die Religion als Arznei für den menschlichen Geist vor.
Die Wirksamkeit eines Arzneimittels können wir – unabhängig von seiner Verwendung und Eignung für einen bestimmten Menschen in einer bestimmten Situation- nicht grundsätzlich bestimmen.
Es lässt sich auch nicht behaupten, eine Medizin sei besonders gut, weil sie diese oder jene Wirkstoffe enthalte. Wenn man den Patienten und die Wirkung auf diesen Patienten nicht einbezieht, dann macht eine solche Aussage kaum einen Sinn. Deshalb kann man eigentlich nur sagen, dass diese Arznei für diesen Patienten mit dieser Erkrankung optimal ist.
Ähnlich verhält es sich mit Religionen: Man kann sagen, dass diese Religion für diesen speziellen Menschen optimal ist, aber es nützt gar nichts, wenn man auf einer metaphysischen Ebene beweisen will, dass eine Religion besser als eine andere sein soll.

Entscheidend ist nur, wie effektiv sie im Einzelfall ist.

Den scheinbaren Widerspruch zwischen dem Anspruch jeder Religion auf die „eine Wahrheit“ und der Realität mit ihrer Vielfalt an Glaubensbekenntnissen ist ganz einfach zu lösen, indem wir daran denken, dass es für einen einzelnen Menschen tatsächlich nur eine einzige Wahrheit geben und daher auch nur eine einzige Religion geben kann, wohingegen wir aus dem Blickwinkel der gesamten Menschheit das Konzept von „vielen Wahrheiten innerhalb vieler Religionen“ akzeptieren sollten.
Um bei dem Bild des Arzneimittels zu bleiben: Im Fall eines bestimmten Patienten ist in der Tat nur eine bestimmte Medizin die richtige. Doch das heißt nicht, dass für andere Patienten nicht andere Heilmittel angemessen sind.

Beim Christentum müssen meiner Ansicht nach zwei Dinge ganz deutlich hervortreten:

Gott ist Logos- Sinn und Vernunft, und darum entspricht ihm der Mensch durch die Öffnung der Vernunft, die für die moralische Dimension des Seins nicht blind sein darf, denn Logos bedeutet eine Vernunft, die nicht bloß Mathematik ist, sondern die zugleich Grund des Guten ist und die Würde des Guten verbürgt.
Der Glaube an den Gott-Logos ist darum zugleich Glaube an die schöpferische Kraft der Vernunft. Er ist Glaube, dass der Mensch nach Gottes Ebenbild geschaffen ist und daher an der unantastbaren Würde Gottes teilhat.

Dazu kommt noch ein zweites.
Zum christlichen Glauben gehört auch, dass Gott, die ewige Vernunft, Liebe ist. Es gehört dazu, dass er nicht ein beziehungslos in sich kreisendes Sein darstellt. Gerade weil er souverän ist, weil er alles umfasst, ist er Beziehung und ist er Liebe. Der Glaube an die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und an sein Leiden und Sterben für den Menschen ist der höchste Ausdruck für diese Überzeugung, dass die Mitte aller Moral, die Mitte des Seins selbst und sein innerster Ursprung Liebe ist.
Diese Aussage ist die stärkste Absage an jede Ideologie der Gewalt.
Darum ist jede Verleugnung der Liebe eine Verleugnung Gottes und die (katholischen) Theologen sollten ihren Kampf nicht primär gegen Kondome, Homosexualität oder Abtreibung führen, sondern gegen eine Geisteshaltung, die die Liebe der Welt negiert.


Zitat:
so gesehen bin ich egoistisch. wir leben in einer materiellen welt und das ist die realität die sich mir darbietet. ich kann zwar versuchen andere an meinem wohlstand teilhaben zu lassen, ihn aber für andere zu opfern liegt mir dann doch fern.
Ach, schon wieder: Das habe ich nicht gesagt.
Immer diese Übertreibungen, um auch ja irgendwie noch ein Gegenargument rausquetschen zu können....


Zitat:
das besitzdenken hat den menschen erst zum menschen gemacht und für sein überleben gesorgt. fortschritt ist auch untrennbar damit verbunden.
wir alle instrumentalisieren andere menschen. und zwar JEDER auf die eine oder andere art. das ist uns auch bewußt und wir akzeptieren es. weil es für unsere existenz und unser überleben wichtig ist.
[...]
was du forderst madhatter, das aufgeben unseres zerstörerischen besitzdenkens, ist genau genommen die forderung nach der aufgabe des individuums.
irgendwie sind fundamentalistische gedanken in allen religionen gleich
Ich habe nichts gegen Besitz, aber der Mensch muss gleichzeitig eine Bereitschaft entwickeln, dass er die Dinge in seiner Obhut loslassen kann- und dabei meine ich, kann ein religiöser Glaube helfen.
Nicht nur, dass man mit einem grundlegenden Vertrauen der Mentalität der Raffgier Einhalt gebieten kann, sondern auch der Instrumentalisierung von anderen Menschen, die uns in den meisten Fällen gar nicht bewusst ist.
Solche Stellvertreterkriege sehe ich jeden Tag und ich merke, wie die Menschen darunter leiden, denn unter dem Stichwort der Verantwortung für andere Leute verbirgt sich oftmals der Terror der Bevormundung.
Wie die Eltern mit ihrem Kind, Freundschaften oder Liebschaften unter sich- wie oft zwingt man den anderen die Dinge zu tun, die man selber nicht zu leben wagt.

Begegnet man statt dessen dem anderen mit einem Gefühl von Vertrauen und Hoffnung, so löst sich der Spuk der Fremdbestimmung nach und nach von selber auf, und die Pflicht findet ein Ende den anderen für falsch, krank, verkehrt, in jedem Fall für erziehungsbedürftig zu halten.
Man wird ihn loslassen können- und nur so kann man auch ihm ein Terrain zubilligen, in dem er die bescheidene Blume seines Glücks zu pflanzen vermag, und es ist nicht mehr nötig, ihm die Verantwortung für sein Leben abzunehmen.

Wenn wir in unseren Beziehungen zueinander uns selber als geheilt empfinden, so brauchen wir nicht länger den Begriff der Verantwortung und des Besitzdenkens als Freibrief der Tyrannei und Einschüchterung zu verwenden, statt dessen könnten wir uns wechselseitig von Respekt, von Hochachtung, von Vertrauen, von Zuversicht bestimmen lassen, und wir könnten den Mut aufbringen an die Möglichkeiten des anderen ernsthaft zu glauben.
Doch dazu gehört, dass wir den anderen loslassen, mit uns selbst übereinkommen und die eigene Wahrheit zunächst bei uns selber suchen, statt die Schwierigkeiten, die wir mit uns haben, im anderen lösen zu wollen.

Also zusammenfassend: Loslassen ermöglicht erst Individualität, wo Besitzdenken sie zerstört.
Und das ewige Fundamentalismus-Gerede solltest du auch sein lassen, das nervt mich nämlich so langsam.


Zitat:
und dann kommen da leute daher die behaupten sie kennen die einzige wahrheit. ganz ehrlich, vor diesen leuten habe ich mehr "angst" als vor ein paar bombenden terroristen. denn die sind meistens nur die handlanger dieser "wahrheitskenner und verführer".

wie war das madhatter "wahrheit schafft haß"? das haben sich anscheinend so einige wahrheitskenner tatsächlich auf ihre fahnen geschrieben. da sollten sich manche leute doch mal ernsthaft die frage stellen WARUM IHRE WAHRHEITEN haß schaffen.
denn normalerweise sind menschen für wahrheiten dankbar!
Ach Kuhfladen, was soll ich darauf noch sagen?
Liest du dir wirklich meine Beiträge durch oder versuchst du zwanghaft irgendwas hineinzuinterpretieren, um mir was vorwerfen zu können?
Bleib mal auf dem Teppich, dann kannst du meine Beiträge viel eher verstehen und dir fallen dann auch bestimmt ein paar gute Argumente ein.
MadHatter ist offline  
Alt 13.08.2005, 18:29   #179
Grant
Dauerhaft Gesperrt
 
Registriert seit: 04/2005
Beiträge: 7.178
Kant der grosse Denker hat das ganz gut in Worte gefasst:

http://home.rhein-zeitung.de/~rdober/relkrit/kant2.html


I. Kant
Gott als Postulat der Vernunft
Ganz anders ist es mit dem moralischen Glauben bewandt. Denn da ist es schlechterdings notwendig, dass etwas geschehen muss, nämlich dass ich dem sittlichen Gesetze in allen Stücken Folge leiste. Der Zweck ist mir unumgänglich festgestellt, und es ist nur eine einzige Bedingung nach aller meiner Einsicht möglich, unter welcher dieser Zweck mit allen gesammten Zwecken zusammenhängt und dadurch praktische Gültigkeit habe, nämlich dass ein Gott und eine künftige Welt sei, ich weiß auch ganz gewiss, dass niemand andere Bedingungen kenne, die auf die selbe Einheit der Zwecke unter dem moralischen Gesetze führen. Da aber also die sittliche Vorschrift zugleich meine Maxime ist (wie denn die Vernunft gebietet, dass sie es sein soll), so werde ich unausbleiblich ein Dasein Gottes und ein künftiges Leben glauben und bin sicher, dass diesen Glauben nichts wankend machen könne, weil dadurch sittliche Grundsätze selbst umgestürzt werden würden, denen ich nicht entsagen kann, ohne in meinen eigenen Augen verabscheuungswürdig zu sein.
Auf solche Weise bleibt uns nach Vereitelung aller ehrsüchtigen Absichten einer über die Gränzen aller Erfahrung hinaus herumschweifenden Vernunft noch genug übrig, dass wir damit in praktischer Absicht zufrieden zu sein Ursache haben. Zwar wird freilich sich niemand rühmen können : er wisse, dass ein Gott und dass ein künftig Leben sei; denn wenn er das weiß, so ist er gerade der Mann, den ich längst gesucht habe. Alles (wenn es einen Gegenstand der bloßen Vernunft betrifft) kann man mittheilen, und ich würde also auch hoffen können, durch seine Belehrung mein Wissen in so bewundrungswürdigem Maße ausgedehnt zu sehen. Nein, die Überzeugung ist nicht logische, sondern moralische Gewissheit, und da sie auf subjektiven Gründen (der moralischen Gesinnung) beruht, so muss ich nicht einmal sagen es ist moralisch gewiss dass ein Gott sei, etc., sondern : ich bin moralisch gewiss, etc. Das heißt: der Glaube an einen Gott und eine andere Welt ist mit einer moralischen Gesinnung so verwebt, dass, so wenig ich Gefahr laufe, die letztere einzubüßen, eben so wenig besorge ich, daß mir der erste jemals entrissen werden könne.



I. Kant

Die Bestimmung des Menschen

Es liegen viele Keime in der Menschheit, und nun ist es unsere Sache, die Naturanlagen proportionierlich zu entwickeln und die Menschheit aus ihren Keimen zu entfalten und zu machen, dass der Mensch seine Bestimmung erreiche. Die Tiere erfüllen diese von selbst, und ohne dass sie sie kennen. Der Mensch muss erst suchen, sie zu erreichen, dies kann aber nicht geschehen, wenn er nicht einmal einen Begriff von seiner Bestimmung hat. Die Vorsehung hat gewollt, dass der Mensch das Gute aus sich selbst herausbringen soll, und spricht sozusagen zum Menschen: "Gehe in die Welt! - so etwa könnte der Schöpfer den Menschen anreden - ich habe dich ausgerüstet mit allen Anlagen zum Guten. Dir kommt es zu, sie zu entwickeln, und so hängt dein eigenes Glück und Unglück von dir selbst ab."

Der Mensch soll seine Anlagen zum Guten selbst entwickeln ; die Vorsehung hat sie nicht schon fertig in ihn gelegt; es sind bloße Anlagen und ohne den Unterschied der Moralität. Sich selbst besser machen, sich selbst kultivieren und, wenn er böse ist, Moralität bei sich hervorbringen, das soll der Mensch.
Grant ist offline  
Alt 13.08.2005, 18:32   #180
Kuhfladen
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Registriert seit: 07/2004
Beiträge: 4.745
Zitat:
Zitat von MadHatter
Ach Kuhfladen, was soll ich darauf noch sagen?
Liest du dir wirklich meine Beiträge durch oder versuchst du zwanghaft irgendwas hineinzuinterpretieren, um mir was vorwerfen zu können?
Bleib mal auf dem Teppich, dann kannst du meine Beiträge viel eher verstehen und dir fallen dann auch bestimmt ein paar gute Argumente ein.
ja aber dann sind wir uns doch grundsätzlich einig. denn alles was du schreibst bedarf weder einer religion noch des glaubens an einen gott. es mag zwar für den einen oder andern hilfreich sein, aber eben nicht für alle.

ich finde den beitrag von toktok sehr gelungen da er im grunde das wiederspiegelt was ich empfinde und denke. ich kann es nur nicht so schön in worte fassen.

madhatter, mit vielem was du sagst gehe ich durchaus konform. der unterschied ist nur der das ich es von religion und glauben trenne. entweder komme ich mit deiner schwülstigen ausdrucksweise nicht klar oder wir reden aneinnander vorbei. aber rein ethisch wollen wir sicherlich etwas sehr ähnliches.
ich schätze das wir uns in einem persönlichem gespräch wohl besser verstehen würden.
Kuhfladen ist offline  
Alt 13.08.2005, 18:32 #00
Verbraucherinformant

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Ort: Litfaß
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