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Alt 21.04.2006, 19:13   #1081
Toktok
night strike specialist
 
Registriert seit: 05/2001
Beiträge: 5.545
Zitat:
Zitat von Grant
Was gar nichts aussagt, schliesslich waren es jene Leute die behaupteten, Tschernobyl wäre gar nicht so eine grosse Katastrophe gewesen, so viel zur Glaubwürdigkeit der Atomlobby.
IAEA = Atomlobby?

Die IAEA setzt sich für die friedliche Nutzung von Atomenergie ein, das ist richtig. Dass sie Tschernobyl herunterspielen ist nicht schön, aber mich wundert, dass du nun möglicherweise linken Aktivisten von Greenpeace mehr Glauben schenkst, wenn es um Tschernobyl geht.
Aber wie dem auch sei - was hat das mit der iranischen Kapazität Atomwaffen herzustellen zu tun?

Zitat:
Zitat von Grant
Du solltest dich künftig zurückhalten mit solchen Bemerkungen.
Gehst du sonst wieder petzen? Was ist an "halt die Füße still" denn so schlimm?

Zitat:
"Die iranischen Erfolgsmeldungen über Fortschritte bei der Atomtechnik sind international auf scharfe Kritik gestoßen. Nach den USA und den europäischen Staaten kritisierte auch Russland die Haltung des islamischen Staates."
Das nennst du eine Intervention Russlands? Wohl einen Kasper gefrühstückt, was, Scherzkeks?
Ist doch klar, dass die Russen nicht begeistert sind, wenn der Iran sein Uran selbst anreichert, wie es der Atomwaffensperrvertrag ausdrücklich zulässt, denn immerhin liegt ein Angebot Russlands auf dem Tisch. Es geht um Milliardensummen, die Russland durch die Lappen gingen, wenn der Iran die Urananreicherung selbst übernimmt. Willst du dich ernsthaft wundern, oder es eine Intervention nennen, wenn Russland nun den Iran kritisiert, weil er sein Uran selbst anreichern möchte? Das ist wirklich lachhaft. Entschuldigung, ich will dich ja nicht beleidigen, aber bei solchen Steilvorlagen...

Zitat:
Zitat von Grant
Nö, der Iran hat bewusst gelogen, was ihnen Weltweit Kritik einbrachte, die Tage der Diplomatie sind gezählt, aber ich denke sie werden vorher in die Hose machen, wenn sie sehen, dass man mit leeren Diplamtie Phrasen nicht mehr Zeit schinden kann. Die Ziele des Iran sind mehrfach von Exil Iranern bestätigt worden und warnen vor den Lügen des fundamentalistischen Staates.
Dir ist schon klar, dass deine Exiliraner Unterstützung von der US-Regierung erhalten?

Die amtierende US-Administration hat der Diplomatie und damit dem Frieden eine Absage erteilt, nicht der Iran!

Und jetzt hopp hopp petzen, Grant!
Toktok ist offline  
Alt 21.04.2006, 19:13 #00
Verbraucherinformant

Registriert seit: 21.08.2005
Ort: Litfaß
Beiträge: 4692

Alt 21.04.2006, 19:29   #1082
Grant
Dauerhaft Gesperrt
Themenstarter
 
Registriert seit: 04/2005
Beiträge: 7.178
Zitat:
Zitat von Toktok
IAEA = Atomlobby?

Gehst du sonst wieder petzen? Was ist an "halt die Füße still" denn so schlimm?



Das nennst du eine Intervention Russlands? Wohl einen Kasper gefrühstückt, was, Scherzkeks?

Und jetzt hopp hopp petzen, Grant!
Wenn du es schaffst wieder normal zu diskutieren, beschäftige ich mich gerne mit deinen Argumenten bis dahin darfst du mit dir selbst diskutieren.
Grant ist offline  
Alt 22.04.2006, 19:30   #1083
Toktok
night strike specialist
 
Registriert seit: 05/2001
Beiträge: 5.545
Zitat:
Zitat von Grant
Wenn du es schaffst wieder normal zu diskutieren, beschäftige ich mich gerne mit deinen Argumenten bis dahin darfst du mit dir selbst diskutieren.
Verschone meine Lachmuskeln mit so etwas! Du hast dich während des gesamten Threads kein einziges Mal mit Argumenten beschäftigt, geschweigedenn selbst welche hervor gerbracht.
Russlands Kritik an den iranischen Urananreicherungsplänen als eine "Intervention" zu bezeichnen ist lachhaft und nichts anderes. Wenn du Kritik nicht verträgst, solltest du im Herzschmerz posten.
Toktok ist offline  
Alt 23.04.2006, 03:57   #1084
Toktok
night strike specialist
 
Registriert seit: 05/2001
Beiträge: 5.545
Wie es aussieht haben sich Teheran und Russland darauf hin verständigt, die Urananreicherung für industrielle Nutzung auf russischem Boden gemeinsam durchzuführen. Auf iranischem Boden solle lediglich eine Uranreicherung im Forschungsmaßstab unter strenger Kontrolle der IAEA erfolgen.

Dieser Kompromissvorschlag Russlands passt der US-Administration um Bush, Cheney, Rice und Co. selbstverständlich überhaupt nicht. Mal sehen, was sie als Nächstes unternimmt, um den Konflikt weiter zugunsten ihrer Kriegspläne zu eskalieren.
Toktok ist offline  
Alt 23.04.2006, 07:39   #1085
AndrewAustralien
Forumsgast
 
Beiträge: n/a
Zitat:
Zitat von Toktok
Richtig. Der SCIRI (Supreme Council for Islamic Revolution in Iraq) ist eine starke Partei und wird vom Iran unterstützt. Dem SCIRI unterstehen auch die Badr-Brigaden.
Allerdings ist der SCIRI auch eine pro-amerikanische Organisation, und die Badr-Brigaden sind pro-amerikanische Truppen und erhalten auch vom Pentagon Geld und Waffen.
Der derzeitige Favourit des US-Botschafters Khalilzad (und somit selbstverständlich auch der der US-Administration insgesamt) für den Posten des Innenministers gehört dem SCIRI an.
Wer wirklich eine islamische Revolution will kann nicht pro-Amerika sein, es sei denn, die USA würden Islamisten helfen, einen gemeinsamen Feind zu bekämpfen, was im Irak nicht passieren wird weil die Feinde der Extremisten die wirklich einen (schiitischen ) islamischen Staat wollen auch die USA sind und weil diese Extremisten auch Freinde der USA sind.

Würde es im Irak ein islamisches Regime nach iranischem Vorbild gehen, dann würde dieses nicht im Interesse der USA/des Westens handelns (auch nicht im Interesse der Demokratie) sondern im selben Interesse wie im Iran. Du hast selbst geschrieben, sowas wollen die USA auch nicht, ein wahres islamisches Regime im Irak. Aber die USA werden es nicht ermöglichen, daß es eine islamistische Diktatur dort gibt.

Zitat:
Wie passt das zusammen, Andrew? Ich kann es dir verraten: Die U.S.A. erhoffen sich davon eine erfolgreichere Eindämmung der massiv aktiven Aufständischen aus sunnitischen Kreisen.
Indem diese Aufstände mit iranischen Mitteln (Waffen) niedergeschlagt werden?
Aber dann hätte der Iran immer mehr Einfluß, immer mehr Anhänger unter schiitischen Irakern.

Zitat:
So vollzieht sich die Spaltung entlang ethnischer und religiöser Linien, und von demokratischer Einigung entfernt sich der Irak zusehends. Außerdem scheint die Gewalt so immer mehr zu eskalieren, dabei ist erscheint es schon seit längerem kaum noch steigerungsfähig.
Keiner will aber einen Bürgerkrieg ohne Ende, irgendwann muß der Krieg aufhören. Je schwieriger es sein wird, für Ordnung und Frieden zu sorgen, desto schwieriger wird es auch für die USA, ihre Interessen durchzuziehen, und für Geschäfte aus dem Westen dort Geld zu machen.

Zitat:
Das ist den Besatzern geschuldet, Andrew, das ist der Punkt. De facto ist der Irak schon jetzt wesentlich mehr eine islamische Priesterverwaltung nach iranischem Vorbild, als eine Demokratie. Dank der us-amerikanisch-britisch geführten Invasion und anschließender Besatzung. Dass du das nicht erkennst verwundert mich; wahrscheinlich liegt es daran, dass du die tatsächlichen Entwicklungen und Konstellationen im Irak nicht genau verfolgst.
Momentan gibt es keine "normale" Regierung, bzw. die, die es gibt kann nicht das ganze Hoheitsgebiet kontrollieren. Jetzt mag es doch mehr islamiasche Priesterverwaltung als Demokratie geben, ja, die einzigen Merkmale von Demokratie bis jetzt waren die Wahlen, Demokratie und Rechtstaatlichkeit wie im Westen gibt es nicht, Islamismus gibt es mancherorts/bei manchen doch schon.

Die Besatzer haben aber eben kein Interesse daran, einen islamischen Staat im Irak zu haben und deshalb wird es auch keinen geben.
Würden sie es dem Iran überlassen, dann würde es möglichkerweise das geben, und wenn schon, dann wäre es von Teheran stark beeinflußt, wie es länger im Lebanon war (und teilweise noch ist) wegen Hafez al Assad und Sohn in Syrien. Und sowas wollen die USA auch nicht. Sie hätten eben lieber eine Art Demokratie (auch wenn keine richtige) als einen islamischen Staat.

Zitat:
Selbstverständlich hat der Iran ein Interesse an freundschaftlichen, friedlichen Beziehungen mit dem Irak.
Nicht auf jeden Fall. Nur wenn es sich um ein Regime handelt mit dem er einverstanden ist. Sonst hätte das Land wahrscheinlich Interesse an friedliche Beziehungen wenn es nicht in der Lage ist, für eine islamische Revolution zu sorgen, Freundlichkeit wäre aber etwas anderes. Friedliche Beziehungen hat der Iran mit vielen anderen Staaten im Nahen Osten, das heißt nicht aber, daß er enge Freundcschaften aufbaut.

Zitat:
Widerstand gegen die Besatzungsmächte ist etwas völlig anderes als Angriffe gegen die Bevölkerung. Und wie vor etlichen Beiträgen erwähnt, verdeutlichen hochoffizielle Datenbestände, dass sich die meisten Angriffe gegen die Besatzer richten.
Den Widerstand gibt es aber nicht weil der Iran für Selbstbestimmung, Freiheit und Demokratie im Irak sorgen will, sondern weil der Iran den Aufgaben der USA schaden will und für seine eigenen Interessen mit allen möglichen Mitteln kämpft.

Zitat:
Der Iran muss verständlicherweise Angst vor der militärischen Drohkulisse haben, die die us-amerikanische Besatzungsmacht im Irak aufbaut und auch immer wieder zusätzlich mit Kriegsdrohungen in aller Öffentlichkeit bekräftigt -- mit dem Vorwurf ein Atomwaffenprogramm zu betreiben (was ich gut nachvollziehen könnte, wäre es der Fall, deshalb aber sicher nicht befürworte), welches im Fall des Iran ebenso unbewiesen ist, wie der selbe Vorwurf anno 2002/03 gegenüber dem Irak.
Ich stimme der amerkianischen Politik gegenüber dem Iran in Bezug auf Nuklearaktivitäten nicht zu (erstmal sollten wenigstens alle Länder gleich behandelt werden), aber es bleibt die Tatsache, daß der Iran Terrorismus unterstützt.

Zitat:
Wie kommst du auf den Ersten Golfkrieg, den Irak-Iran-Krieg? Ich schrieb von der Operation Iraqi Freedom, März 2003. Die angerichtete Zerstörung ist gewaltig, wie auch die Zahl der Toten, die die Kriegsmächte auf dem Gewissen haben (sollten).

The Lancet spricht mittlerweile von möglicherweise weit über 600.000 Nonkombattanten, die durch direkte Aktionen der Besatzungsmächte bisher ihr Leben lassen mussten.
Dun weißt, ich war gegen den Krieg. Ich habe lange darüber geschrieben, warum es den krieg nicht gegeben haben sollte, muß das nicht wiederholen.
Und jetzt, als es ihn gab und es 3 Jahre lang Unruhe oder Bürgerkrieg (je nach Datum, Ort und wen man fragt) finde ich, es müßte eine richtige Demokratie geben, die höchstwahrscheinlich irgendeine Koalition regieren würde. (Die Parteienlandschaft ist nicht gerade weit entwickelt, und keine würde eine absolute Mehrheit bekommen) und die USA sollten dafür sorgen, daß diese Frieden garantieren kann, einerseits diese Demokratie nicht kontrollieren andererseits es Extremisten nicht ermöglichen, daran teil zu nehmen. Daß die USA das nicht macht, nicht machen will (denn mögliche wäre es) ist inakzeptabel. Und man kann die USA dafür kritisieren, würde ich auch.

Das ist aber ein anderes Thema, als das war der Iran macht und will. Und wie der Iran handelt und was er macht - und was er im Irak am liebsten hätten - ist nicht besser als die USA, sondern schlimmer. Das heißt nicht, daß die USA gut sind, es handelt sich um 2 Paar Schuhe. Es heißt, der Iran ist schlimm, dem Iran sollte man keinen Glauben oder Vertrauen schenken.

Zitat:
Heute sterben Iraker wegen iranischer Interventionen? Das grenzt an Zynismus, Andrew. Die mit Abstand allermeisten Todesopfer haben einzig und allein die us-amerikanisch-britischen Besatzer zu Verantworten.
Iraker sterben wegen iranischer Intervention im Sinne, der Iran liefert Waffen und gibt Extremisten auch Geld. Das heißt nicht, daß es Todesopfer wegen der USA und Alliierten nicht geben würde. Das heißt, daß der Iran ein Grund, vielleicht der Hauptgrund ist, warum es weiter Bürgergrieg gibt. Denn würden die Truppen gehen, würde der Iran noch helfen, gegen alleszu kämpfen, was seine Interessen hindert.

Zitat:
Im Fall des Irak hältst du dich damit aber mehr zurück als so mancher konservative, us-amerikanische Bush-Wähler.
Es ist zu einfach, fern zu sehen, vom Tod mancher Truppen und anderer aus dem Westen zu erfahren (der Tod Iraker interessiert auch die Rumsfeld-Kritiker wahrscheinlich weniger) und zu meinen "raus". Die USA haben den Krieg gestartet und sind Schuld daran, daß die Sache noch nicht erledigt ist obwohl Saddam vor 3 Jahren entmachtet wurde und nun verhaftet wurde. Das heißt aber nicht, daß man das Land in der heutigen Situation lassen kann, Der Iran (und andere) würde sich freuen.

Zitat:
Die Besatzungsmächte haben im Gegensatz zu dir (und mir) absolut kein Problem mit Organisationen zu paktieren, die vom Iran im Sinne einer islamischen Revolution unterstützt werden, wie oben beschrieben. Menschenrechte, Freiheit, Demokratie? Who cares? Die Besatzer offensichtlich nicht, nicht im Geringsten.
Stimmt, eben haben die USA nicht um den Aufbau einer richtigen Demokratie gekümmert, auch wenn es längerfristig irgendwelche Beteiligung des Volks geben muß, damit der Staat akzeptiert wird, was notrwendig ist. Allerdings, wie gesagt, die Besatzungsmächte werden keine islamistische Diktatur wie in Teheran ermöglichen, das ist auch nicht in den eigenen Interessen.



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Zum Rest der letzten Seite oder so: bitte ohne Smilies die über andere Personen lachen.
 
Alt 23.04.2006, 12:56   #1086
Toktok
night strike specialist
 
Registriert seit: 05/2001
Beiträge: 5.545
Zitat:
Zitat von AndrewAustralien
Wer wirklich eine islamische Revolution will kann nicht pro-Amerika sein, es sei denn, die USA würden Islamisten helfen, einen gemeinsamen Feind zu bekämpfen, was im Irak nicht passieren wird weil die Feinde der Extremisten die wirklich einen (schiitischen ) islamischen Staat wollen auch die USA sind und weil diese Extremisten auch Freinde der USA sind.
Glaubst du. Das deckt sich aber nicht mit den empirischen Befunden. Die Badr-Brigaden des SCIRI und andere schiitische Milizen sind den Besatzern nützlich zur Bekämpfung sunnitischer Aufständischer. Deswegen paktieren sie mit ihnen, deswegen versorgen sie sie mit Waffen und Geld.

Deswegen befördern die Besatzer Politiker des SCIRI in höchste Regierungsämter.
Die DAWA-Partei ist ebenfalls eine große schiitische islamische Partei; ihr Vorsitzender Ibrahim Al-Dschafari hält das Amt des Ministerpräsidenten der Übergangsregierung inne. Staatspräsident Talabani hat nun Al-Malki, die Nummer zwei der DAWA-Partei nach Al-Dschafari, gebeten, ein neues Kabinett zusammen zu stellen.

Widerstand gegen die Besatzer gibt es sowohl von schiitischer Seite, als auch von sunnitischer. Die jüngsten Entwicklungen und neuesten Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass sunnitische Hardliner am aktivsten sind, also dass prozentual verstärkt Anschläge auf das Konto von Sunniten gehen, obwohl sie einen geringeren Anteil an der Bevölkerung halten. Es ist gut möglich, dass der Iran, obwohl mehrheitlich schiitisch, auch religiöse Hardliner der Sunniten unterstützt. Der weitaus größte Teil der Unterstützung fließt jedoch logischerweise an die Schiiten. Die Badr-Brigaden sind beispielsweise im Iran ausgebildet wurden. Die Sunniten dürften ihre Unterstützung eher von den wahabitischen Sunniten aus Saudi-Arabien, oder dem ebenfalls mehrheitlich sunnitischen Syrien erhalten.

Zitat:
Zitat von Andrew
Würde es im Irak ein islamisches Regime nach iranischem Vorbild gehen, dann würde dieses nicht im Interesse der USA/des Westens handelns (auch nicht im Interesse der Demokratie) sondern im selben Interesse wie im Iran. Du hast selbst geschrieben, sowas wollen die USA auch nicht, ein wahres islamisches Regime im Irak. Aber die USA werden es nicht ermöglichen, daß es eine islamistische Diktatur dort gibt.
Zunächst solltest du nicht vergessen, dass gute 97% der irakischen Bevölkerung mehr oder weniger strenggläubige Muslime sind. Über die Köpfe der Muslime hinweg lässt sich im Irak also überhaupt gar nichts erreichen. Das heißt nicht, dass es keine demokratischen Prozesse geben kann, im Gegenteil. Demokratische Prozesse würden den Irak zu einer islamischen Republik machen. Afghanistan ist heute auch eine islamische Republik.

Die Besatzer interessiert es nicht, ob ein Land demokratisch oder diktatorisch ist, solange die Regierungen und Regime nach ihren Pfeiffen tanzen. Siehe Saudi-Arabien: Dort ist das wahabitische Regime auch kein Problem (im Gegenteil!) für die U.S.A., die mit ihm beste Beziehungen unterhält.

Die Besatzer teilen mit dem Iran das Interesse, den massiven Widerstand sunnitischer Hardliner einzudämmen, der sich vorrangig gegen die Besatzer und die schiitische Bevölkerungsmehrheit richtet. Dabei ist es völlig egal, ob die Verbündeten streng islamisch, oder antidemokratisch sind.

Zitat:
Zitat von Andrew
Indem diese Aufstände mit iranischen Mitteln (Waffen) niedergeschlagt werden?
Aber dann hätte der Iran immer mehr Einfluß, immer mehr Anhänger unter schiitischen Irakern.
Die Aufstände werden nicht nur mit iranischen Waffen niedergeschlagen. Du kannst davon ausgehen, dass die meisten Mittel von den Besatzern bereit gestellt werden. Niemand anderes ist militärisch derart mächtig.
Mitunter unterstützt der Iran also die selben Milizen, wie die U.S.A. Das mag dir paradox erscheinen; es soll sich aber als sinnvoll bei der Eindämmung sunnitischer Aufständischer erweisen. Die Religion ist so lange kein Problem, wie ihre Anhänger nach us-amerikanischer Pfeiffe tanzen, seien sie noch so extremistisch.

Zitat:
Zitat von Andrew
Keiner will aber einen Bürgerkrieg ohne Ende, irgendwann muß der Krieg aufhören.
Eben. Deswegen müssen die Besatzer aufhören, die ethnischen und religiösen Spaltungen immer weiter zu vertiefen. Um dem gerecht zu werden, sollten sie sich endlich zurückziehen. Das ist alternativlos, das haben die letzten drei Jahre bewiesen, in denen es nicht besser, sondern nur schlimmer geworden ist.

Zitat:
Zitat von Andrew
Je schwieriger es sein wird, für Ordnung und Frieden zu sorgen, desto schwieriger wird es auch für die USA, ihre Interessen durchzuziehen, und für Geschäfte aus dem Westen dort Geld zu machen.
Glaubst du? Nun, das Gegenteil scheint den empirischen Befunden zu entsprechen. Solange es im Irak unsicher ist, können Unternehmen besonders günstige Konditionen für sich heraus holen. Das haben sie auch schon, beispielsweise in Bezug auf die Ölförderung. Die Konditionen sind so günstig, dass man von den übergroßen Profiten locker paramilitärische Truppen zur Sicherung finanzieren kann.
Außerdem lassen sich in der Unsicherheit und Instabilität Verträge fernab jeglicher demokratischer, staatlicher Kontrolle abwickeln. So ist es bezüglich der Ölförderungsrechte bereits geschehen.
"Ihr wollt Geschäfte mit eurem Öl machen? Wir übernehmen das gerne. Ihr sollt selbstverständlich auch euren Teil des Kuchens abbekommen, der euch allen zugute kommen wird. Wir können euch aber nicht die marktüblichen Konditionen anbieten. Ihr wisst, bei euch herrscht Krieg, es ist viel zu unsicher. Für ein Drittel der üblichen Konditionen übernehmen wir das Risiko. Dafür müsst ihr sie uns für die nächsten 50 Jahre zubilligen." So werden im Irak Geschäfte gemacht, Andrew.
Weiter: Man kann millionenschwere (Übergangs-)Regierungsaufträge einheimsen, beispielsweise für die Errichtung von Gesundheitszentren, und dann unverrichteter Dinge, aber mit vollen Taschen verschwinden, ohne dass das rechtliche Konsequenzen hätte, weil es ein funktionierendes Rechtssystem ja nicht gibt.

Die Besatzer haben erreicht, dass das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von ca. 255 $ im Jahr 2002 auf ca. 150 $ 2005 gesunken ist. Dafür haben sich die Preise für Lebensmittel und ebenso dringend notwendiges Benzin zum Teil vervielfacht. USAID kürzt seine Gelder für Wiederaufbau- und Entwicklungshilfe; Kredite des internationalen Währungsfonds werden gebilligt, allerdings mit der beschriebenen Forderung der Preissteigerung. So wird die Abhängigkeit des Iraks zementiert, und die Armut eines großteils der Iraker lebensbedrohlich.

So sieht es aus im Irak, Andrew, dank des Krieges, dank der Besatzung. Der Anfang 2003 versprochene Wohlstand ist nicht eingetreten, dafür eine drastische Verschlimmerung der Lebensumstände der meisten Iraker gegenüber den ohnehin schon schlechten Bedingungen in den jahrzehnte dauernden Sanktionszeiten.

Zitat:
Zitat von Andrew
Die Besatzer haben aber eben kein Interesse daran, einen islamischen Staat im Irak zu haben und deshalb wird es auch keinen geben.
Mit anderen Worten: Die Besatzer verhindern eine Demokratie im Irak. Eine Demokratie über die islamische Mehrheit (~97%) der Iraker hinweg kann es nicht geben, von außen aufgezwungen sowieso nicht.
1991 gab es eine irakische demokratische Bewegung, und zwar die, die Saddam Hussain stürzen wollte, aber dafür keinerlei Unterstützung aus dem Westen erhalten hat.
Fundamentalistische Gruppierungen betonen zwar, dass der Koran Religion und Staat zugleich sei, aber weil im Koran keine einzige Verfassungsnorm im modernen Sinn enthalten ist, ist der Islam als solcher auch nicht notwendigerweise ein Widerspruch zu einem demokratischen Staatswesen. Die Fundamentalisten geben also keine genauen Anweisungen dazu, wie und durch welche Institutionen das staatliche Gemeinschaftswesen geregelt werden soll.. Zwar blieb dieses Konzept bis weit über das späte Mittelalter hinaus erhalten, doch waren auch zuvor Religion und islamisches Staatswesen nie vollständig deckungsgleich. So mancher Mensch mag beispielsweise mit dem Iran einen Gottesstaat verwirklicht sehen, oder mit Saudi-Arabien, de facto sind es aber auch diese beiden Länder nicht.

Zitat:
Zitat von Andrew
Würden sie es dem Iran überlassen, dann würde es möglichkerweise das geben, und wenn schon, dann wäre es von Teheran stark beeinflußt, wie es länger im Lebanon war (und teilweise noch ist) wegen Hafez al Assad und Sohn in Syrien. Und sowas wollen die USA auch nicht. Sie hätten eben lieber eine Art Demokratie (auch wenn keine richtige) als einen islamischen Staat.
Eine Demokratie auf dem Papier, weil das gut klingt. Im Hintergrund muss eine kleine Machtelite zu ihren Gunsten weiterhin alle Fäden gerne auch zu Ungunsten einer Bevölkerungsmehrheit ziehen. Das ist die Demokratievorstellung der neokonservativen Hardliner um Bush, Cheney, Rumsfeld und Co.

Zitat:
Zitat von Andrew
Nicht auf jeden Fall. Nur wenn es sich um ein Regime handelt mit dem er einverstanden ist. Sonst hätte das Land wahrscheinlich Interesse an friedliche Beziehungen wenn es nicht in der Lage ist, für eine islamische Revolution zu sorgen, Freundlichkeit wäre aber etwas anderes. Friedliche Beziehungen hat der Iran mit vielen anderen Staaten im Nahen Osten, das heißt nicht aber, daß er enge Freundcschaften aufbaut.
Der Iran hegt nicht nur mit Ländern des Nahen Osten Beziehungen, sondern auch mit Russland, Europa etc. Die Staatsform ist dabei per se sicher kein Hindernis. Auch wenn man heute nicht mehr viel davon bemerkt, verbindet auch die U.S.A. mit dem Iran eine von Freundschaft geprägte Geschichte, die bis auf die us-amerikanischen Anfänge des Engagements in der Golfregion zurück gehen. Diese Situation verschlechterte sich erst ab etwa 1978.

(So, genug erstmal.)
Toktok ist offline  
Alt 24.04.2006, 11:38   #1087
AndrewAustralien
Forumsgast
 
Beiträge: n/a
Zitat:
Zitat von Toktok
Glaubst du. Das deckt sich aber nicht mit den empirischen Befunden. Die Badr-Brigaden des SCIRI und andere schiitische Milizen sind den Besatzern nützlich zur Bekämpfung sunnitischer Aufständischer. Deswegen paktieren sie mit ihnen, deswegen versorgen sie sie mit Waffen und Geld.

Deswegen befördern die Besatzer Politiker des SCIRI in höchste Regierungsämter.
Die DAWA-Partei ist ebenfalls eine große schiitische islamische Partei; ihr Vorsitzender Ibrahim Al-Dschafari hält das Amt des Ministerpräsidenten der Übergangsregierung inne. Staatspräsident Talabani hat nun Al-Malki, die Nummer zwei der DAWA-Partei nach Al-Dschafari, gebeten, ein neues Kabinett zusammen zu stellen.
Natürlich wollen die USA, daß es keine großen schiitischen Aufstände gibt. Das wollen aber zufälligerweise auch alle Freunde der Demokratie weil (gewaltige, fundamentalistische) Aufstände nur eine religiöse Diktatur wollen.

Da würde aber eine Allianz zwischen Schiiten und den USA aber aufhören. Die USA wollen eben keinen islamistischen Staat, dieser würde, wie auch der Iran, nicht im amerikanischen Interesse handeln. Da hätten sie lieber eine gewählte Regierung.

Zitat:
Die jüngsten Entwicklungen und neuesten Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass sunnitische Hardliner am aktivsten sind, also dass prozentual verstärkt Anschläge auf das Konto von Sunniten gehen, obwohl sie einen geringeren Anteil an der Bevölkerung halten.
Das könnte sein, denn was die Extremisten und den Sunnis wollen ist nicht nur nicht das, was die USA nicht wollen (einen islamistischen Staat), sondern auch nicht das, was der Iran will (einen sunniistischen Staat).

Zitat:
Es ist gut möglich, dass der Iran, obwohl mehrheitlich schiitisch, auch religiöse Hardliner der Sunniten unterstützt.
Ja, der Iran ist ein bekannter Unterstützer des Terrorismus, das kann man nicht ausschließen.

Zitat:
Die Badr-Brigaden sind beispielsweise im Iran ausgebildet wurden. Die Sunniten dürften ihre Unterstützung eher von den wahabitischen Sunniten aus Saudi-Arabien, oder dem ebenfalls mehrheitlich sunnitischen Syrien erhalten.
Eben, der Iran, hilft seinen Freunden sehr, und Syrien und Saudi Arabien sind auch Diktaturen. Besser als die USA können sie nicht sein. Was wieder keine Befürwortung der Politik der USA ist, aber Iraks Nachbarländer sind nicht besser. Wie gesagt, die USA machen es falsch, deshalb gibt es nach 3 Jahren keinen Frieden. Ob die Wahabbis und Assad wirklich Frieden wollen kann man aber auch fragen.

Zitat:
Zunächst solltest du nicht vergessen, dass gute 97% der irakischen Bevölkerung mehr oder weniger strenggläubige Muslime sind. Über die Köpfe der Muslime hinweg lässt sich im Irak also überhaupt gar nichts erreichen.
Da sind wir bei einem anderen Thema, Demokratie und Religion. Je mehr Einfluß die Religion hat, desto weniger Demokratie muß es geben, einer der Gründe für die Trennung von Staat und Religion in Demokratien.
Aber das Beispiel Türkei zeigt wohl doch, daß es möglich ist. Die überwiegende Mehrheit der türlichen Bevölkerung ist auch Muslime, aber die dortige Regierung ist nicht islamistisch.

Zitat:
. Das heißt nicht, dass es keine demokratischen Prozesse geben kann, im Gegenteil. Demokratische Prozesse würden den Irak zu einer islamischen Republik machen. Afghanistan ist heute auch eine islamische Republik.
Afghanistan ist nicht voller Frieden und Ordnung, das ist kein gutes Beispiel, andererseits ist die Situation dort natürlich nicht genau gleich wie im Irak.
Es kommt darauf an, was du mit "islamischer Republik" meinst. Also ob du von einer Staatsreligion redest oder einem Staat in dem etwa Scharia eine bedeutende Rolle spielt.
Aber ja, natürlich ist Demokratie möglich.

Zitat:
Die Besatzer interessiert es nicht, ob ein Land demokratisch oder diktatorisch ist, solange die Regierungen und Regime nach ihren Pfeiffen tanzen. Siehe Saudi-Arabien: Dort ist das wahabitische Regime auch kein Problem (im Gegenteil!) für die U.S.A., die mit ihm beste Beziehungen unterhält.
Ich weiß, aber ich habe schon gesagt, ein religiöser Staat nach iranischem Vorbild würde nicht nach den Pfeiffen der USA tanzen. Eher Teheran folgen. Es gäbe auch keinen "Ersatzsaddam" der eine Diktatur leiten könnte, im amerikanischen Interesse aber auch genug Untersctützung innerhalb des Landes sein, daß es Ordnung geben würde. Folglich wird es irgendeine Art Demokratie geben. Vielleicht leider keine ausreichende, aber irgendwas in der Art.

Zitat:
Die Besatzer teilen mit dem Iran das Interesse, den massiven Widerstand sunnitischer Hardliner einzudämmen, der sich vorrangig gegen die Besatzer und die schiitische Bevölkerungsmehrheit richtet. Dabei ist es völlig egal, ob die Verbündeten streng islamisch, oder antidemokratisch sind.
geht es um Hardliner, dann wollen alle sie eindämmen, sie sind Extremisten. Weder Demokratie sonst "andere Arten von Ordnung" wären möglich wenn sie Macht hätten. Denn deshalb sind eben alle, die nicht so eine extremistische Regierung wollen dagegen, egal welche Regierung sie wollen.

Zitat:
Die Aufstände werden nicht nur mit iranischen Waffen niedergeschlagen. Du kannst davon ausgehen, dass die meisten Mittel von den Besatzern bereit gestellt werden. Niemand anderes ist militärisch derart mächtig.
Ja, die Besatzer sind daran beteiligt, Aufstände niederzuschlagen und das ist ein Grund, warum sie bleiben sollten. Der Iran niederschlägt ungewollte Aufstände und verursacht andere.

Zitat:
Deswegen müssen die Besatzer aufhören, die ethnischen und religiösen Spaltungen immer weiter zu vertiefen. Um dem gerecht zu werden, sollten sie sich endlich zurückziehen. Das ist alternativlos, das haben die letzten drei Jahre bewiesen, in denen es nicht besser, sondern nur schlimmer geworden ist.
Insofern, daß sie das tun, ja. Wie gesagt, die USA machen viel falsch, das heißt nicht, daß sofort gehen die Antwort ist.

Zitat:
Nun, das Gegenteil scheint den empirischen Befunden zu entsprechen. Solange es im Irak unsicher ist, können Unternehmen besonders günstige Konditionen für sich heraus holen. Das haben sie auch schon, beispielsweise in Bezug auf die Ölförderung. Die Konditionen sind so günstig, dass man von den übergroßen Profiten locker paramilitärische Truppen zur Sicherung finanzieren kann.
Das würde heißen, die USA würden für Gewalt und Bürgerkrieg sorgen damit die Firmen mehr Gewinne machen können. Je länger das so weiter geht, desto mehr Opposition gibt es zu der Anwesenheit der Truppen innerhalb der USA, und nicht wie im Iran wird es wieder wahlen geben, dieses Jahr und für einen neuen President in 2 Jahren. Außerdem müßten dann die Kosten der besatzung bezahlt werden.
Ich kann gut glauben, daß die USA auf so eine Idee kommen würde, denkt man an unrechtfertige Eingriffe der USA in anderen Ländern, aber ich glaube nicht, daß sowas längerfristig klappt, außerdem würde das sowieso irgendwann herauskommen.
Also, ohne den USA zu glauben würde ich nicht so weit gehen, zumindest nicht längerfristig.

Zitat:
...weil es ein funktionierendes Rechtssystem ja nicht gibt.
In den westlichen Ländern aus welchen die Firmen kommen aber doch.

Zitat:
Die Besatzer haben erreicht, dass das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von ca. 255 $ im Jahr 2002 auf ca. 150 $ 2005 gesunken ist.
http://en.wikipedia.org/wiki/Iraq
$3.500 Pro Kopf 2005

Ich bin kein Fachmann über das BIP des Landes, aber so steht es halt in Wikipedia.

Zitat:
So wird die Abhängigkeit des Iraks zementiert, und die Armut eines großteils der Iraker lebensbedrohlich.

So sieht es aus im Irak, Andrew, dank des Krieges, dank der Besatzung. Der Anfang 2003 versprochene Wohlstand ist nicht eingetreten, dafür eine drastische Verschlimmerung der Lebensumstände der meisten Iraker gegenüber den ohnehin schon schlechten Bedingungen in den jahrzehnte dauernden Sanktionszeiten.
Vielerorts ist es weitgehend schlimmer (obwohl daß Saddam nicht mehr regiert für viele Vorteile bringt) aber das heißt eben, seit 3 Jahren wurde vieles falsch gemacht. Nun sollte nicht aufgegeben werden, sondern die USA sollten sich zusammenreißen und für Ordnung sorgen, andere könnten es in der momentaner Situation nicht, nicht wegen eines möglichen Problems mit den Irakern, sondern weil es Krieg im Land gibt.

Das reicht für heute.
 
Alt 24.04.2006, 13:05   #1088
Toktok
night strike specialist
 
Registriert seit: 05/2001
Beiträge: 5.545
Zitat:
Zitat von AndrewAustralien
Den Widerstand gibt es aber nicht weil der Iran für Selbstbestimmung, Freiheit und Demokratie im Irak sorgen will, sondern weil der Iran den Aufgaben der USA schaden will und für seine eigenen Interessen mit allen möglichen Mitteln kämpft.
Wir sollten noch ein weiteres Missverständnis aufklären: Man gewinnt immer den Eindruck, als wäre einzig und allein der Iran für den Widerstand gegen die Besatzung und andere Aufstände verantwortlich. Das ist mitnichten der Fall.

Es unterschlägt vollständig die Rollen von Saudi-Arabien, Algerien, Ägypten, Jemen, Sudan und anderen Ländern.
Betrachtet man lediglich die Herkunft der Widerstandskämpfer, sind laut Meinung us-amerikanischer Experten mindestens 90% der sunnitischen Kräfte Iraker, wahrscheinlich sogar eher 94% bis 96%. Von etwa 13.300 sunnitischen Gefangenen (November 2005) waren nur 3,8% Ausländer. Dieser Anteil hat sich bis März 2006 nicht sonderlich verändert, während die Anzahl der Häftlinge langsam auf 14.000 klettert. Diese Befunde stehen im Gegensatz zu Behauptungen, die Aufstände im Irak seien zu einem Großteil ausländischen Freiwilligen geschuldet.

Es hat allerdings den Anschein, dass ausländische, sunnitische Extremisten für die meisten Anschläge mit Autobomben auf Zivilisten verantwortlich seien. Diese Anschläge zählen zu den blutigsten und auch zu denen, über die am meisten berichtet wird. Mit derartig extremen Vorgehensweisen spielen ausländische Freiwillige also anscheinend doch eine wesentliche Rolle.
Im Juli 2005 schätzte ein Beamter der US-Verteidigung, dass Iraker für weniger als 10% von über 500 Selbstmordanschlägen verantwortlich seien. Andere Experten setzten diesen Anteil höher an, bei deutlich über 30%. Unbestritten ist jedoch, dass solche Anschläge im Frühling und Sommer 2005 deutlich häufiger geworden sind, beispielsweise wurden allein im Juli 2005 213 Selbstmordanschläge gezählt. Zur Erinnerung: Wir reden hier immer noch von sunnitischen Extremisten.

Zur Anzahl gefangener ausländischer Freiwilliger macht das US-Militär folgende Angaben: Im Jahr 2005 wurden bis Ende Oktober 375 ausländische Kämpfer festgenommen, darunter 78 Ägypter, 66 Syrer, 41 Sudanesen, 32 Saudis, 17 Jordanier, 13 Iraner, 2 Briten und je ein Franzose, Israeli, Ire und US-Amerikaner.

Wie gesagt, es deutet alles darauf hin, dass der sunnitische Islamismus den Widerstand dominiert. Soviel zur "überwältigenden" Rolle des Iran.

Übrig bleibt, dass die Schiiten vermutlich Rache nehmen werden, wenn die Sunniten ihre Anschlagserien fortsetzen und verschärfen. Danach sieht es jedenfalls aus.

Trotz der unsicheren Lage lehnen die arabischen Schiiten die Truppenpräsenz der Besatzer ab. Die öffentliche Meinung geht erfreulicherweise jedoch in die Richtung, dass die Mehrheit sowohl der arabischen Schiiten, als auch der arabischen Sunniten einen geeinten Irak mit einer starken Zentralregierung favourisieren. Die Schiiten scheinen in Fragen der Staatsformung im Gegensatz zu den Sunniten eher in Richtung einer islamischen Republik zu tendieren (was man an der Übergangsregierung bereits gut erkennen konnte); so groß sind die Unterschiede zwischen den Mehrheiten der beiden Großgruppen jedoch nicht. Irakische Kleriker unterstützen die iranische Herangehensweise der Ausbildung einer Vorherrschaft nicht, und Schlüsselfiguren unter den Geistlichen, wie z. B. Ayatollah Al-Sistani, lehnen einen direkten klerikalen Einfluss auf Regierung und Politik strikt ab.

Die beiden großen schiitischen Parteien, DAWA und SCIRI, haben zwar einen stark religiösen Charakter, waren aber bisher, was ihre Ziele und Aktionen betrifft, weitestgehend säkular ausgerichtet. Beide Parteien sind seit den 80er Jahren auch im Iran aktiv, aber trotzdem bleiben sie irakisch-nationalistisch. Ihre Dankbarkeit gegenüber dem Iran ist auch eher begrenzt, weil dieser ihnen vor dem Fall Saddam Hussains zumeist gleichgültig gegenüber stand. Nun erhält der SCIRI zwar Unterstützung vom Iran, dennoch dominiert sein nationalistischer Charakter; einer authoritären iranischen Vorherrschaft im Irak steht der SCIRI (und andere Gruppen, wie gesagt) also ablehnend gegenüber.



Ich hoffe, dass nun einige Missverständnisse in Bezug auf die Rolle des Irans im Irak aus dem Weg geräumt sind.

Geändert von Toktok (24.04.2006 um 14:14 Uhr)
Toktok ist offline  
Alt 24.04.2006, 13:57   #1089
Toktok
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Beiträge: 5.545
Zitat:
Zitat von AndrewAustralien
http://en.wikipedia.org/wiki/Iraq
$3.500 Pro Kopf 2005

Ich bin kein Fachmann über das BIP des Landes, aber so steht es halt in Wikipedia.
Huch, ich habe meine Quelle noch einmal überprüft und festgestellt, dass vom Durchschnittseinkommen der Irakis die Rede war. Dieses betrug 2003 255 $ und 2004 nur noch 144 $, pro Monat.

Auch in der deutschen Wikipedia-Seite wird das Bruttoinlandsprodukt des Iraks ausgewiesen, allerdings nicht im Artikel zum Irak, sondern in der Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt. In der Liste des nominalen Bruttoinlandsprodukts in US-Dollar taucht der Irak gar nicht auf. In jener Liste des BIP in internationalem Dollar steht der Irak auf Platz 59 (deine Quelle, die englischsprachige Wikipedia-Ausgabe weist aus: Platz 58). Was die englische Ausgabe im Gegensatz zur deutschsprachigen Liste nicht verrät ist, dass die Angaben zum Irak dem "World Factbook" der Central Intelligence Agency entnommen sind. Factbook und CIA - ist das nicht schon ein Widerspruch in sich?
Folgt man dem Link "58th place", kann man allerdings auch in der englischen Wikipedia-Ausgabe feststellen, dass die Zahlen aus dem CIA-"Factbook" stammen. In den Listen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank wird der Irak nicht geführt.
In der deutschsprachigen Liste des Brottoinlandsprodukts pro Kopf steht der Irak auf Platz 129 mit ganzen 1053 US-$ (Platz 122 im englischsprachigen Irak-Artikel). In der englischsprachigen Liste des GDP per capita wird der Irak gar nicht aufgelistet.

Aufschlussreich, nicht wahr?
Toktok ist offline  
Alt 25.04.2006, 06:58   #1090
AndrewAustralien
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Zitat:
Zitat von Toktok
Wir sollten noch ein weiteres Missverständnis aufklären: Man gewinnt immer den Eindruck, als wäre einzig und allein der Iran für den Widerstand gegen die Besatzung und andere Aufstände verantwortlich. Das ist mitnichten der Fall.
Ich habe aber nicht beheuotet, er Iran wäre ausschließlich für den Widerstand und für Aufstände verantwortlich.

Ohne den Einfluß des Irans hätten viele Extremisten weniger Geld und Waffen, deshalb würde es weniger Aufstände und weniger Gewalt geben, die würde es aber noch geben weil es immernoch innerhalb des Iraks Extremisten gibt und es Extremisten aus Drittstaaten außer dem Iran gibt. Auch, Waffen können von Quellen kommen, die nichts mit dem Iran oder den USA zu tun haben. Aber der Iran ist ein Staat, der ein bekannter Befürworter von Terrorismus ist. So kann man nicht meinen, der Iran würde Frieden im Irak wollen, außer es unter bestimmten Voraussetzungen der Fall wäre.

Hier sind wir auch bei einem anderen Thema als die Frage, ob die Truppen bleiben sollten bzw. was passieren würde, wenn die heute gehen würden. Würden sie heute gehen und würde der Iran sich auch nicht mehr einmischen, dann würde es schneller zu Frieden kommen als wenn der Iran sich weiter einmischt, trotzdem würde es nicht von heute auf morgen Freiden geben, denn es gibt immernoch keine "richtige" Regierung die das ganze Hoheitsgebiet kontrollieren kann.

Zitat:
Es unterschlägt vollständig die Rollen von Saudi-Arabien, Algerien, Ägypten, Jemen, Sudan und anderen Ländern.
Betrachtet man lediglich die Herkunft der Widerstandskämpfer, sind laut Meinung us-amerikanischer Experten mindestens 90% der sunnitischen Kräfte Iraker, wahrscheinlich sogar eher 94% bis 96%. Von etwa 13.300 sunnitischen Gefangenen (November 2005) waren nur 3,8% Ausländer. Dieser Anteil hat sich bis März 2006 nicht sonderlich verändert, während die Anzahl der Häftlinge langsam auf 14.000 klettert. Diese Befunde stehen im Gegensatz zu Behauptungen, die Aufstände im Irak seien zu einem Großteil ausländischen Freiwilligen geschuldet.
Inwiefern sollten aber Saudi Arabien, Algerien, Ägypten, Jemen und der Sudan dabei sein, sich aktiv im Irak einzumischen.

Einerseits ist das bis auf Sudan und vielleicht Jemen (wäre meines Wissens nicht in der Lage) nicht unmöglich, andererseits, die 3,8% die Ausländer sind, sind nicht unbedingt im Auftrag des Herkunftstaaates aktiv. Möglich ist das natürlich, aber man kann es nicht einfach annehmen.

Ich glaube GUS-Staaten in der Nähe des Iraks wären auch nicht in der Lage, sich viel einzumischen, aber das heißt nicht, daß ihre Bürger es nicht tun oder daß ihr Territorium nicht von irgendwelchen Gruppen mit Interessen im Irak benutzt wird, mit oder ohne Zustimmung oder Kenntnis der dortigen Regierungen.


Zitat:
Es hat allerdings den Anschein, dass ausländische, sunnitische Extremisten für die meisten Anschläge mit Autobomben auf Zivilisten verantwortlich seien. Diese Anschläge zählen zu den blutigsten und auch zu denen, über die am meisten berichtet wird. Mit derartig extremen Vorgehensweisen spielen ausländische Freiwillige also anscheinend doch eine wesentliche Rolle.
Im Juli 2005 schätzte ein Beamter der US-Verteidigung, dass Iraker für weniger als 10% von über 500 Selbstmordanschlägen verantwortlich seien. Andere Experten setzten diesen Anteil höher an, bei deutlich über 30%. Unbestritten ist jedoch, dass solche Anschläge im Frühling und Sommer 2005 deutlich häufiger geworden sind, beispielsweise wurden allein im Juli 2005 213 Selbstmordanschläge gezählt. Zur Erinnerung: Wir reden hier immer noch von sunnitischen Extremisten.
Wir wissen aber nicht Bescheid, woher die Waffen kommen und genau wer dahinter steckt. Wie du gesagt hast, der Iran köntne auch hinter manchen dieser Aktivititäten sein. Das würde auch mehr Einsatz für schiitischen Gruppen rechtfertigen. Auch, die Grenzen zu Syrien und Jordan sind nicht so streng kontrolliert, andere könnten dort einreisen, mit oder ohne Zustimmung oder Kenntnis dieser Regierungen. Syrien ist auch ein Befürworter des Terrorismus, vor allem wenn es um libanesische Politiker geht, aber wir wissen nicht genau, was Syrien im Irak macht.

Was das alles sagt, ist daß strengere Kontrollen und mehr Ordnung notwendig sind.

Zitat:
Zur Anzahl gefangener ausländischer Freiwilliger macht das US-Militär folgende Angaben: Im Jahr 2005 wurden bis Ende Oktober 375 ausländische Kämpfer festgenommen, darunter 78 Ägypter, 66 Syrer, 41 Sudanesen, 32 Saudis, 17 Jordanier, 13 Iraner, 2 Briten und je ein Franzose, Israeli, Ire und US-Amerikaner.

Wie gesagt, es deutet alles darauf hin, dass der sunnitische Islamismus den Widerstand dominiert. Soviel zur "überwältigenden" Rolle des Iran.
Aber diese Freiwillige handeln nicht allein, wer mitwirkt wäre wichtig. Aber ja, der Iran ist lange nicht die Ursache aller Probleme im Irak, dafür ein großes Problem.

Zitat:
Übrig bleibt, dass die Schiiten vermutlich Rache nehmen werden, wenn die Sunniten ihre Anschlagserien fortsetzen und verschärfen. Danach sieht es jedenfalls aus.
Das könnte wohl im Interesse des Irans sein, egal wie viel der Iran dahinter steckt.

Zitat:
Trotz der unsicheren Lage lehnen die arabischen Schiiten die Truppenpräsenz der Besatzer ab.
Wenn alle Schiiten in der Bevölkerung gemeingt sind, dann wissen wir das nicht, genau so wie wir es über alle Sunniiten nicht wissen. Manche würden die Präsenz ablehnen, manche nicht, aber wie viele es sind wissen wir nicht weil es dort keine Meinungsforuschung gibt.

Zitat:
Die öffentliche Meinung geht erfreulicherweise jedoch in die Richtung, dass die Mehrheit sowohl der arabischen Schiiten, als auch der arabischen Sunniten einen geeinten Irak mit einer starken Zentralregierung favourisieren
Auch das wissen wir nicht Bescheid, das wäre aber gut.
Föderalismus wäre eine ideale Staatsform für den Irak, eine Bundesregierung die sich auf nmationale Angelegenheiten wie Verteidigung, Währung, Außenpolitik usw. konznetriert und Regionen die ähnliche Aufgaben wie deutsche Bundesländer hätten.

Hoffentlich stimmt das schon, zu befürchten ist, daß es keine Einigkeit über die Form dieser Regierung gibt.

Ich glaube auf jeden Fall, die überwiegende Mehrheit der irakischen Bevölkerung will Frieden, Stabilität und Ordnung und keinen weiteren Krieg, auch wenn die Form der Regierung doch nicht perfekt sein sollte. Die, die kämpfen sind, obwohl Einheimische oder Ausländer, eine sehr kleine Minderheit der ganzen Bevölkerung, wovon auch normale Iraker Angst haben müssen.

Zitat:
Die Schiiten scheinen in Fragen der Staatsformung im Gegensatz zu den Sunniten eher in Richtung einer islamischen Republik zu tendieren (was man an der Übergangsregierung bereits gut erkennen konnte); so groß sind die Unterschiede zwischen den Mehrheiten der beiden Großgruppen jedoch nicht. Irakische Kleriker unterstützen die iranische Herangehensweise der Ausbildung einer Vorherrschaft nicht, und Schlüsselfiguren unter den Geistlichen, wie z. B. Ayatollah Al-Sistani, lehnen einen direkten klerikalen Einfluss auf Regierung und Politik strikt ab.

Die beiden großen schiitischen Parteien, DAWA und SCIRI, haben zwar einen stark religiösen Charakter, waren aber bisher, was ihre Ziele und Aktionen betrifft, weitestgehend säkular ausgerichtet. Beide Parteien sind seit den 80er Jahren auch im Iran aktiv, aber trotzdem bleiben sie irakisch-nationalistisch. Ihre Dankbarkeit gegenüber dem Iran ist auch eher begrenzt, weil dieser ihnen vor dem Fall Saddam Hussains zumeist gleichgültig gegenüber stand. Nun erhält der SCIRI zwar Unterstützung vom Iran, dennoch dominiert sein nationalistischer Charakter; einer authoritären iranischen Vorherrschaft im Irak steht der SCIRI (und andere Gruppen, wie gesagt) also ablehnend gegenüber.
Einigkeit oder Zufriedenheit mit einer bestimmten Regierung ist sicher möglich, man muß eben zwischen der Mehrheit der Bevölkerung und den Extremisten unterschieden, es sind die Extremisten, die für die Probleme verantwortlich sind, auch die, die keine Hilfe von Teheran sind und sogar gegen den Iran sind. Weil die Extremisten oft schwer bewaffnet sind und für Krieg sorgen müssen die erst bekämpft werden, dann wird es möglich sein, eine "richtige" Regierung zu haben, über die Form dieser kann dann gehandelt werden.
 
Alt 25.04.2006, 06:58 #00
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