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Alt 28.12.2014, 16:58   #1
Moritz87
Junior Member
 
Registriert seit: 12/2014
Beiträge: 14
Psychotherapie - Lange Wartezeit - Krankenkasse zahlt nicht

Hallo.

Ich weis gar nicht wo ich anfangen soll... ich brauche irgendwie Hilfe. Ich war schon beim Psychotherapeuten aber mein nächster Termin wird wohl erst in mehreren Monaten statt finden und nach einem ersten Gespräch hat sie auch gleich gesagt, dass die Krankenkasse wohl für mein Problem nichts zahlen wird. Daher MUSS ich mich hier etwas auslassen. In der Hoffnung das es irgendjemanden interessiert und mir irgendjemand weiter helfen kann.

Vorweg: Ich hasse es mich in selbst-Mitleid zu suhlen. Meine Familie und meine Freunde denken, dass ich ein super-glücklicher Single bin. Ich bin wirklich gut darin anderen Leuten das vorzuspielen, schon seit etlichen Jahren. Ich weis auch nicht warum ich das mache, wahrscheinlich wegen Anerkennung / leichte Form von Narzissismus. Vorweg: Ich bin noch Jungfrau, was bei weitem nicht das einzige Problem ist, aber mitunter eines der größten.

Seit knapp einen halben Jahr bin ich bei meinen Eltern ausgezogen (mit 26...) und wohne jetzt alleine. Finanziell gesehen ist alles prima, ich verdiene als Programmierer ein gutes Einstiegs-Gehalt, auch wenn der Job todlangweilig ist. Ich komme später nochmal auf meine berufliche Situation zu sprechen. Jetzt erst mal ans Eingemachte.

Ich esse kaum noch etwas, habe in den letzten Monaten gut 12kg abgenommen, bin kurz davor untergewichtig zu sein. Seit dem ich hier mal etwas Ruhe habe, habe ich angefangen über viele Dinge nachzudenken - was sich zwar vernünftig anhört, doch mich irgendwie noch mehr runter zieht. Mein Alkoholkonsum hat sich auch gesteigert, ich trinke täglich um die 6 Flaschen Bier, fange damit auch schon vor der Arbeit an. Die meiste Zeit verbringe ich also Zuhause, vor dem PC - oder eben auf der Arbeit, vor dem PC. Bei der Arbeit arbeite ich von 8 Stunden vielleicht nur 4 Stunden wirklich, die meiste Zeit bin ich total unmotiviert. Das paradoxe ist, dass meine Leistung von meinem Chef trotzdem hoch angesehen wird und ich sogar eine Gehaltserhöhung für nächstes Jahr bekommen habe. Mein einziges Talent besteht wohl darin, mich komplett zu verstellen, sozusagen eine Rolle zu spielen. Ich kann quasi am Gesichtsausdruck von anderen Menschen auf Anhieb erkennen, was diese gerade hören wollen und ich habe kein Problem damit, dies auch zu artikulieren, doch auf Dauer ist das natürlich sehr anstrengend. Immer wenn ich mich mit meiner Familie oder mit meinen Freunden treffe (vielleicht ein mal in der Woche), habe ich den krankhaften Zwang ein komplett verzerrtes Bild von mir aufzubauen. Ich erfinde teilweise Geschichten, wo ich war und was ich die Woche so gemacht habe, nur damit meine Mitmenschen nicht merken wie armselig und desolat ich in bin.

Tja, wie konnte es so weit kommen? Dafür muss ich wohl etwas weiter ausholen. Ich entschuldige mich vorab schon mal dafür, wenn dieser Post noch etwas länger wird. Meine Schulzeit war... naja. Ich bin irgendwie in die Hauptschule gerutscht und wurde in meiner Pubertät aufgrund meines Äußeren jahrelang gemobbt, größenteils auch vom weiblichen Geschlecht. Ich hatte wirklich starke Akne. Meine Eltern haben mich deswegen zum Hautartzt geschickt und dieser erkannte sofort die schwere des Problems und verschrieb mir das so ziemlich härteste Medikament, was derzeit auf dem Markt gegen Akne verfügbar war. Die Nebenwirkungen waren heftig. Starke Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, ausgetrocknete Haut überall, die Lippen platzen auf usw. Ich konnte mich kaum noch konzentrieren.

Ich war schon damals total fertig, und hab meinen Eltern und Freunden (die alle in anderen Klassen waren, meist Real- und Gymnasium) natürlich nichts von dem Mobbing erzählt. Ich brauchte einfach etwas Anerkennung, auch wenn diese nur durch Schauspielerei erzeugt wurde. In meiner Hauptschulklasse, wo ich meine Pubertät durchlebte, hatte ich eigentlich nur Feinde - auch die Mädchen mobbten mich, nutzen mich aus um Druck ab zu lassen. Ich bekam ein sehr schlechtes Frauenbild. Ich wäre durchaus ein guter Kandidat für einen Amoklauf gewesen, um es mal ganz krass auszudrücken. Gerade in der Pubertät sind solche Ereignisse sehr ausschlaggebend.
Ich möchte nun nicht ins Detail gehen, was in der Zeit genau vorgefallen ist, aber es war schon relativ menschen-verachtend und asozial. Offensichtliche Lösung, wie das ändern des eigenen Fehl-Verhaltens oder das schlichte wechseln der Klasse, waren mir zum damaligen Zeitpunkt einfach nicht in den Sinn gekommen.

Ich ging danach auf eine weiterführende Schule, holte erst Real- und dann die Hochschulreife nach, was auch recht gut funktionierte. Freundschaften aufbauen zu Mädchen ging zu der Zeit überhaupt nicht mehr. Ich knüpfte nur noch Kontakte zu anderen Jungs, und dass auch nur bis zum nötigsten. In der Zeit wurde ich nicht mehr gemobbt sondern größenteils "nur noch" ignoriert (was zu dem Zeitpunkt an mir lag, nicht an den anderen), was ich in vollen Zügen genoß, naja, zumindest eine Zeit lang. Ich hatte damals vielleicht nur zwei Freunde, keine richtigen Freunde, aber zumindest welche mit denen ich etwas meine Zeit in den Pausen vertreiben konnte. Es bestanden gemeinsame Interessen bezüglich eher technischen Themen. Einer der beiden war ein richtiger "Schönling", und ich wurde mindestens ein mal im Monat von irgend einem unbekannten Mädchen angesprochen, ob ich ihr seine Handynummer geben könnte (weil ich halt immer auf dem Schulhof mit ihm rumhing). Das hat mich von Zeit zur Zeit eigentlich nur noch mehr gekränkt, und ich brach dann den Kontakt zu diesem, eigentlich sehr sehr nettem Menschen auch irgendwann ab.

Da meine Eltern hoch verschuldet waren und ich etwas Geld brauchte, begann ich im Internet raubkopierte Pornos auf diversen Filehostern hochzuladen und die Provision für Premium-Anmeldungen abzukassieren. Ich verbrachte meine Freizeit mit dem erstellen von Forenthreads, welche hunderte Seiten und tausende hochgeladenen Pornos verlinkte. Die Provision der Filehoster konnte sich durchaus sehen lassen, so dass ich mit 18 ein eigenes Unternehmen Gründen musste, damit mir das Finanzamt nicht in den Rücken fällt. Doch wie konnte ich meinen Eltern/Freunden damals erzählen woher das Geld kommt? Natürlich habe ich auch diesbezüglich irgendwelche Geschichten erfunden, so wie ich es immer gemacht habe. Mit diesen Einnahmen finanzierte ich mitunter die Abbau der Schulden meiner Eltern, was ich damals für eine gute Idee hielt, da ich ja bei ihnen wohnte und nicht vor hatte, irgendwann auszuziehen. Wenn ich heute zurück denke, wäre ich lieber sofort mit 18 ausgezogen und hätte mir ein normales Leben aufgebaut. Ich blieb also bei meinen Eltern, und begann Informatik zu studieren. Ein Fach mit einem sehr geringen Frauenanteil. Das Studium viel mir nicht besonders schwer, was wohl auch daran lag, dass ich wirklich nicht viel "Ablenkung" hatte. Auch wenn mir etwas Ablenkung bestimmt sehr gut getan hätte, ich wollte es zu dem Zeitpunkt noch nicht. Mein Menschenbild war zu dem Zeitpunkt sehr ins negative verzerrt. Die Studienzeit war tocken und Öde, nicht so wie man sich es vorstellt. Natürlich bin ich daran auch selbst Schuld. Sozial entwickelte ich mich immer mehr in eine komplett falsche Richtung, mit fast schon soziopathischen Zügen.

Allerdings ist auch das schon eine Weile her, und die Dinge haben sich schon verbessert. Ich habe zum ersten mal im Leben einen relativ stabilen Freundeskreis, in dem ich mich wohl fühle und auch den Eindruck habe, dass ich selbst gerne dort gesehen werde. In diesem Freundeskreis gibt es auch ein paar wirklich attraktive Frauen in meinem Alter, denen ich näher komme. Allerdings ahnt niemand von meinen Freunden, welch ein verkorkstes Leben ich hinter mir habe, oder das ich noch Jungfrau bin. Mein Auftreten ist getarnt durch eine Mischung aus relativ trockenem Humor und einer gesunden Distanz zu mir selbst (was wahrscheinlich erahnen lässt, dass ich eigentlich nicht ganz klar bin). Beim zusammentreffen mit neuen Kontakten und einer weile Small-Talk bekomme ich oft zu hören (wenn auch scherzhaft), dass irgendwas nicht mit mir stimmt. Das ganze bereitet mir ziehmlich große Sorgen, ich habe Angst davor, dass mich andere Menschen besser kennen lernen.

Ich weis echt nicht, wie ich jetzt weiter machen soll. Wie gesagt, die meiste Zeit verbringe ich alleine, zuhause. Ich kann mich irgendwie für nichts mehr richtig begeistern. Ich will das es endlich aufhört, aber ich finde keinen Ausweg.
Moritz87 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.12.2014, 16:58 #00
Verbraucherinformant

Registriert seit: 21.08.2005
Ort: Litfaß
Beiträge: 4692

Alt 28.12.2014, 18:28   #2
Synonym
abgemeldet
Hallo Moritz !

Also dein Post deutet darauf hin, dass du recht clever bist und andere Menschen gut durchschauen kannst, auch dich selber. Deine Analysen sind gut. Das ist schon bemerkenswert, weil du dich selber als sozial-inkompatibel mit anderen Menschen darstellst. Wirklich verwundern tut es mich aber nicht.

An einer Stelle sagst du, dass du schon "fast" soziopathisch bist. Den selben Eindruck hatte ich beim Lesen auch. Weit entfernt bist du davon sicher nicht, wenn überhaupt. Das soll aber nur eine Feststellung sein - keine Wertung.

Zu deinem Problem: Hier schreibst du ja sehr ehrlich und offen. Aber wenn ich das richtig verstanden habe, kennt dich so im Grunde genommen nur du selber und kein anderer Mensch ? Das ist prinzipiell nicht schlimm Die wenigsten Menschen wollen wissen, wie es in anderen wirklich aussieht, außer vielleicht ein Psychotherapeut In allen Menschen gibt es Abgründe. Dennoch gehört es dazu, dass man sich ein bisschen öffnet, wenn man Freundschaften entwickeln möchte oder näheren Kontakt zu einer Frau haben will. Du bist da übrigens auch nicht der einzige "Lügner". Klick ein beliebiges Facebookprofil an - das meiste ist nur Show und eine Werbebild für andere. Auch im Offline-Leben wird gelogen, bis sich die Balken biegen.

Das soll jetzt nicht heißen, dass es vollkommen ok ist, wenn du anderen einen Bären aufbindest. Aber du musst auch nicht mit der ganzen Wahrheit ins Haus fallen, die will eh niemand hören. Du musst auch niemanden sagen, wer du in der Vergangenheit warst oder was du getan hast. Du bist keine Rechenschaft schuldig. Jetzt ist jetzt. Eine gewisse Offenheit und Ehrlichkeit solltest du dir aber für die Zukunft gönnen - sonst kommst du nie aus dem Lügenkreislauf heraus. Und es mag oberflächliche Frauen (oder Männer) geben, die auf dein Schauspiel reinfallen, aber so entsteht keine echte Verbindung zu einem anderen Menschen.

Es bleibt dir also nichts weiter übrig, als die Maske zumindest ein wenig zur Seite zu schieben. Wie gesagt, echte Ehrlichkeit ist eine Utopie, aber ein wenig Authentizität bedarf es schon meiner Meinung nach. Ich verstehe sehr wohl, woher deine Angst kommt. Deine Schulzeit war grausam. Aber dein jetziger Bekanntenkreis ist quasi ein Neustart. Nicht alle Menschen sind schlecht Hab ein bisschen Vertrauen. Es gibt ein Risiko, das gibt es immer, aber es gibt auch was zu gewinnen.
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Alt 29.12.2014, 02:02   #3
Kalle_Blomquist
Special Member
 
Registriert seit: 10/2008
Beiträge: 7.292
hallo Moritz

In einem schönen Lied gibts die Textzeile

"Alle 7 Jahre wende deinen Blick, bleibt auch eine Träne auf deinem Weg zurück"...

die Vergangenheit kannst du nicht ändern. meiner Meinung nach bringt es dir auch nichts mit Hilfe von Psychologen deine verkorkste Vergangenheit aufzuarbeiten. auch wenn man in der Scheiße rumrührt bleibt es Scheiße. du hast inzwischen einen Freundeskreis, das ist doch positiv. und dein Humor bringt dich weiter, nicht selbstkasteiungen und rückwärtiges Denken.
Kalle_Blomquist ist offline   Mit Zitat antworten
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