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Du befindest dich im Forum: Gesundheitsfragen. Das neue Gesundheitsforum im Lovetalk. An dieser Stelle sollen sich die Beiträge ausschließlich um das Thema Gesundheit und deren Aufklärung drehen. Fragen können gestellt und beantwortet werden, aber bitte nicht vergessen, hier sind keine Ärzte am Werk. Im Krankheitsfall solltet ihr immer die Meinung eines Arztes einholen.

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Alt 31.01.2016, 15:43   #1
Trinar
Junior Member
 
Registriert seit: 01/2016
Beiträge: 1
Bruder hat Nierentransplantation

Hallo,

mein kleiner Bruder hat bald eine Nierentransplantation vor sich. Grund dafür ist eine Niereninsuffizienz. Er wurde damit geboren und nach etlichen Jahren wöchentlicher Dialyse bekommt er "nun endlich" eine neue Niere. Natürlich bin ich deswegen sehr besorgt, weiß mir aber auch nicht unbedingt zu helfen.

Als ich ein wenig jünger war, hatten wir ein Mädchen im Freundeskreis die eine 3 Niere eingesetzt bekommen hat. Ich weiß nicht genau was sie für ein Leiden hatte, aber es muss so ähnlich wie bei meinem Bruder sein. Das Mädchen ist dann nach der OP immer mit Mundschutz herum gelaufen, angeblich aus Infektionsgefahr. Ich habe leider keinen Kontakt mehr und kann mich darüber nicht unterhalten. Auch meine Familie ist ein wenig gestresst im Momant. Da mein Bruder kommende Woche die Niere bekommt, gilt ein sehr großer Teil der Aufmerksamkeit ihm. Ich habe mich jetzt über Seite wie diese versucht zu erkundigen, aber da stehen auch nur harte medizinische Fakten. Eine Selbsthilfegruppe finde ich jetzt auch übertrieben.

Vor allem beschäftigt mich die Frage, wie ich damit umgehen kann. Darf ich dann von unseren Eltern noch verlangen das sie mich zu meiner Freundin fahren, oder geht das nicht mehr? Nach der OP benötigt mein Bruder bestimmt Intensivbetreuung, darf ich dann sowas verlangen? Ist es egoistisch wenn ich meine eigenen Lebensmittel kaufe, weil ich nicht an der Vorgeschriebenen Diät mitmachen möchte? Wann kann ich meinen Bruder wieder zum Ausgehen einladen? Alkohol wird er bestimmt lange nicht trinken dürfen, oder?

Danke für eure Hilfe und Lg
Trinar ist offline  
Alt 31.01.2016, 15:43 #00
Verbraucherinformant

Registriert seit: 21.08.2005
Ort: Litfaß
Beiträge: 4692

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Alt 31.01.2016, 15:59   #2
PIcasso1989
Der Hund
 
Registriert seit: 07/2009
Ort: BW
Beiträge: 12.505
Zitat:
Zitat von Trinar Beitrag anzeigen
Das Mädchen ist dann nach der OP immer mit Mundschutz herum gelaufen, angeblich aus Infektionsgefahr. Ich habe leider keinen Kontakt mehr und kann mich darüber nicht unterhalten.
Nach einer Organtransplantation muß die Immunabwehr des Organempfängers "heruntergefahren" werden, damit der Körper das neue Organ nicht abstößt. Wegen der geschwächten Immunabwehr sind Infektionen dann gefährlicher.
Daß aber dauerhaft ein Mundschutz getragen werden müsste, ist mir unbekannt.

Zitat:
Zitat von Trinar Beitrag anzeigen
Eine Selbsthilfegruppe finde ich jetzt auch übertrieben.
Warum? Ich finde die Idee -auch für Familienangehörige- gut.
Viele Fragen, die du hier stellst, könnten dort beantwortet werden.

Zitat:
Zitat von Trinar Beitrag anzeigen
Vor allem beschäftigt mich die Frage, wie ich damit umgehen kann. Darf ich dann von unseren Eltern noch verlangen das sie mich zu meiner Freundin fahren, oder geht das nicht mehr?
Das mußt du mit deinen Eltern ausmachen. Ich halte es für absurd, die Eltern als Taxi zu mißbrauchen.

Zitat:
Zitat von Trinar Beitrag anzeigen
Ist es egoistisch wenn ich meine eigenen Lebensmittel kaufe, weil ich nicht an der Vorgeschriebenen Diät mitmachen möchte?
Warte doch mal ab, wie die schmeckt.

Zitat:
Zitat von Trinar Beitrag anzeigen
Wann kann ich meinen Bruder wieder zum Ausgehen einladen? Alkohol wird er bestimmt lange nicht trinken dürfen, oder?
Das klärst du am besten mit den Ärzten, die deinen Bruder operieren - dazu wird während der Zeit der Rehabilitation sicher Gelegenheit sein.
Ich verrate dir aber ein großes Geheimnis: er sollte in der Tat möglichst verzichten.
PIcasso1989 ist offline  
Alt 31.01.2016, 16:32   #3
Silvana02
Special Member
 
Registriert seit: 09/2015
Ort: Lost in France :-)
Beiträge: 2.390
Dein Bruder wird strengstens abgeschirmt werden, wegen der Immunsuppressiva, d.h. die körpereigene Abwehr wird unterdrückt, damit sie das neue Organ nicht abstösst.

Meine Tochter bekam mit 10 Leukämie. Da war noch ein Bruder mit 9 Jahren und der Grosse mit 12 Jahren.

Die Abschirmung vor Keimen, die strenge Diät, die Verhaltensregeln und die psychologischen Seiten für Geschwister ( die ja auch furchtbar mitleiden), Eltern kann man mit der Erkrankung deines Bruders vergleichen.
Onkologie und Transplantation liegen oft nebenan und die Patienten sehen sich während Chemo und Behandung.


Wie kannst du m.E. nach und den Erfahrungen meiner Tochter deinem Bruder helfen?

1. verhalte dich relativ normal. Diese Kinder wollen normal behandelt werden. Also kein besonderes Mitleid , das hilft nicht.
2. Iss du ruhig normal, aber nicht in Anwesenheit deines Bruders. Immununterdrückte Patienten dürfen meist nichts Frisches essen. Regel, alles was man schälen , kochen , pellen kann. Also iss keine frischen Himbeeren, das macht deinem Bruder Lust darauf, und er darf nicht...keinen Salatteller, etc.
Frag was er essen darf, bring ihm das mit und esst es gemeinsam.
3. Mach ihm ne Freude, mit Internetstick. Etc. falls das KH kein WLAN hat.

Hat er Laptop oder Smartphone? Wie alt ist dein Bruder?

4.Da er erst einmal nicht aus dem KH raus darf, erzähl ihm nur dann von " Draussen", vom normalen Leben, wenn er nachfragt. Das tut so weh, wenn er nicht raus kann und im KH liegt.

5. Schaue TV mit ihm , fast alle KH haben heute Fernsehen. Meist gibt es einen Dvd-Player. Schau mit ihm seine Lieblingsserien.
Meine Tochter sagt heute noch, " Mama, weisst du noch, wie wir CSI Miami, Medical Detectives, die Simpsons, etc. geschaut haben und wir uns da amüsiert haben?

6. Zu deinen Eltern.

Sie wissen sehr wohl, dass nun das kranke Kind erstmal im MITTELPUNKT steht. sie wissen, dass sie dir nicht gerecht werden können. Aber das ist normal.
Das holen sie nach und sie lieben dich damit nicht weniger.

Aber ihre Kraft ist nicht unendlich und sie leiden auch. Frag du sie, wie du helfen kannst, wie du dich einbringen kannst.

Ich habe damals oft geweint. Aber nie vor dem kranken Kind, meist im Verborgenen. Da kamen dann manchmal die beiden Jungs und wir haben gekuschelt.

Wie alt bist du, wie alt ist er? Schläft deine Mutter bei ihm im Zimmer?ich schlief meist bei ihr, wollte sie nicht alleine lassen. Sie war erst 10.


7. Der behandelnde Arzt teilt Euch mit, wann er mal ins Restaurant darf und was er essen darf.

8. Mundschutz, Hände sterilisieren, ihn nicht küssen auf die Wange etc., Kittel , sind normal während er in der akuten Phase ist.
Wir trugen während der immununterdrückten Zeit immer Kittel, Mundschutz, Plastikfüsslinge und - Handschuhe. Niemand darf zu ihm, der erkältet ist oder irgendeinen Infekt hat.

9. Lass Freunde von ihm Karten schreiben, mit Namen von Klassenkameraden, Freunden und bring das mit. Das gibt ihm das Gehl, nicht vergessen zu sein.
10. Schmiedet Pläne, was Ihr unternehmt, wenn er gesund ist.
Mach ihm Hoffnung. Meine Tochter wollte einen Fallschirmsprungkurs machen, das versprach ich ihr. Sie wollte einen Hundewelpen, den bekam sie natürlich.


Hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen.

Wünsche deinem Bruder von Herzen alles Gute und dir und deiner Familie auch.

Geändert von Silvana02 (31.01.2016 um 16:40 Uhr)
Silvana02 ist offline  
Alt 02.02.2016, 23:48   #4
Lilly 22
Special Member
 
Registriert seit: 05/2006
Ort: Alb Donau Kreis
Beiträge: 8.008
Hallo Trinar,

ich kann deine Sorge verstehen, auch deine Angst davor,
nun noch weniger Aufmerksamkeit von deinen Eltern zu
erhalten. Aber für Eltern ist es nun einmal i.d.R. das
Schlimmste, mit der Sorge leben zu müssen, sie könnten
ihr Kind verlieren. Nur, weil dein Bruder eine Nierentrans-
platation bekommt, heißt das eben leider nicht, dass er
danach aus allem raus ist und wieder "gesund" wird. Sein
Körper kann das fremde Organ abstoßen, dann beginnen
die Sorgen von vorn. Das alles wirst du vermutlich erst
verstehen können, wenn du selbst mal Kinder hast und
in Sorge um diese bist.

Auch dann wirst du wahrscheinlich erst nachempfinden
können, wieviel Kraft so etwas den Eltern kostet und sie
dir sicher auch gern mehr Zuwendung zukommen lassen
hätten, wenn sie das irgendwie gekonnt hätten. Angst
lähmt und zerrt viel Energie.

Schau, wo du deinen Bruder unterstützen kannst und wie
du dir selbst etwas Gutes tun kannst. Ich halte eine Selbst-
hilfegruppe auch für eine gute Lösung. Du triffst dort auf
Menschen, die ähnliches erfahren haben. Eben auch die An-
gehörigen. Du wirst dich verstanden fühlen und kannst von
deren Erfahrungen profitieren.

Überleg auch mal, was du dir konkret wünschen würdest,
würde dich so ein Schicksal treffen?
Lilly 22 ist offline  
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