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Alt 17.09.2001, 15:06   #61
stella01
Junior Member
Themenstarter
 
Registriert seit: 08/2001
Beiträge: 33
Hi Nockerl.

Habe eben ein Fax von meiner Mutter aus dem Urlaub bekommen, daß sie gut angekommen ist. Ich bin mächtig erleichtert und hatte mir schon Sorgen gemacht.

Wenn ich es mir genauer überlege, könnte ich mir nie vorstellen anorektisch zu werden, dann dafür esse ich wirklich zu gerne. Ist schon wirklich bekloppt: Wenn ich einen Anfall habe, stopfe ich alles in mich rein, als ob es morgen nichts mehr zu essen gebe. Es gibt ja auch die Frustesser. Wenn sie ein Problem haben oder sich einfach nicht gut fühlen, greifen sie zur Schokolade oder nach sonst was, kotzen es aber nicht aus. Und das artet ja auch nicht in einem Anfall aus, wie bei Bulimiekranken. Bulimie scheint da noch eine Stufe drüber zu stehen.

Es gibt mir irgendwie Auftrieb zu sehen, wie du mit deinen Problemen "wächst". Das ist für mich wie so ein Zeichen, daß da noch jemand ist, dem es auch schlecht geht, der auch unter derselben Krankheit leidet, der aber kämpft. Und es ist zu schaffen. Das gibt mir auch Mut, jetzt zu kämpfen und die Therapie anzugehen. Und daß du deinen Eltern einen Brief schreiben möchtest, finde ich gut. Gefühle niederzuschreiben finde ich wesentlich einfacher, als sie auszusprechen. Du kannst ihnen alles schreiben, was dir auf der Seele brennt und sie können dich nicht einmal unterbrechen oder dabei schief anschauen. Es wird dir sicherlich gut tun. Ob du ihnen den Brief dann letztendlich auch geben möchtest, liegt an dir.

Was hast du denn für Probleme mit deinem Freund, in die du dich hineinsteigerst? Ich hatte bisher den Eindruck, daß du glücklich seist und nun einen Partner gefunden hast, der dich liebevoll unterstützt und für dich da ist.

Klingt mächtig spannend. Ich hoffe, daß der Mensch, den du gerade kennen gelernt hast, auch dir helfen kann und genau dort ansetzt, wo deine Therapeutin vielleicht nicht mehr weiterkommt. Vielleicht können die beiden ja auch zusammenarbeiten. Oder wäre deine Therapeutin ihm bei seiner Arbeit hinderlich? Wie läuft das ab bei ihm, ist das auch so eine Art Therapie oder Gespräch?

Meine nächste Therapiesitzung habe ich wieder übermorgen. Jetzt war ich zwar bereits einmal dort gewesen, aber es wird dennoch wieder komisch sein. Ich weiß nicht, wo wir wiederansetzen werden, ob man überhaupt so einfach an die letzte Sitzung anknüpfen kann.
Momentan bin ich auch etwas verwirrt. Habe noch mal auf ein paar Seiten extra für Eßstörungen gestöbert. Und da schrieben welche, daß sie Probleme von der BfA bekämen unabhängig davon, was die Krankenkasse sagt. Ich habe bei meiner Krankenkasse aber keinen Antrag auf Übernahme der Kosten gestellt, so wie es dort viele wohl getan haben. Ich hatte meine Therapeutin ja letztes Mal gefragt und sie antwortete, daß es per Krankenschein oder so ähnlich abgerechnet würde. Und sobald ich etwas selbst bezahlen müßte, sie mir das vorher sage. Was stimmt denn nun?

Sei lieb gegrüßt

Stella
[Geändert von stella01 am 17.09.2001 um 15:10 Uhr]
stella01 ist offline  
Alt 17.09.2001, 15:06 #00
Verbraucherinformant

Registriert seit: 21.08.2005
Ort: Litfaß
Beiträge: 4692

Alt 17.09.2001, 16:05   #62
Nockerl
Senior Member
 
Registriert seit: 09/2000
Beiträge: 938
Liebe Stella!

Leider Gottes kenn ich mich mit deutschen gesetzen nicht so aus. bei uns ist es so, daß du 900 ats therapiekosten hast und davon 300 von der krankenkasse ersetzt bekommst. das heißt du zahlst 600 ats für eine sitzung.

die probleme mit meinem freund liegen jetzt nicht so sehr an ihm wie an mir. es sind ja jetzt auch keine schwerwiegenden, aber ich habe oft das gefühl was falsches zu sagen und wenn dann ewigkeiten keine antwort auf ein email kommt oder sonst was, dann hab ich immer angst, daß es ihm reicht. das suggeriert er mir aber nicht ein, sondern daß ´bilde ich mir selbst ein und steiger mich manchmal echt extrem rein. und ich hab auch bemerkt, daß ich anscheinend immer noch wenigstens einen negativen faktor in meinem leben brauche. sind es nicht die eltern ist es was anderes. ich wär so gerne rundum positiv. aber anscheinend leide ich wirklich zu gerne.

meinem freund geht es nur zur zeit auch nicht so ´gut, und ich hab manchmal angst, daß ich selbst nicht stark genug bin ihm in irgendeiner form zu helfen, obwohl er mir soviel geholfen hat. aber ich glaube im moment fühl ich mich ziemlich kräftig und irgendwo halten mich seine probleme davon ab zu kotzen, weil ich weiß, daß er mich braucht und daß ich mich dadurch so extrem schwäche. hat ja auch was für sich.

das unsichere gefühl vor den ersten paar sitzungen ist normal. ich hab heute noch oft ein mulmiges gefühl zur therapie zu gehen. aber mittlerweile sag ich ihr auch immer wie ich mich vorher fühle und nachher und so weiter. das ist echt hilfreich. nach den ersten stunden ist es mir auch komisch vorgekommen, aber ich hatte irgendwo bammel ihr was zu sagen. mittlerweile glaub ich würd ich ihr schon mitteilen wenn ich was nicht in ordnung fände.

liebe grüße

nockerl



Nockerl ist offline  
Alt 18.09.2001, 10:04   #63
stella01
Junior Member
Themenstarter
 
Registriert seit: 08/2001
Beiträge: 33
Guten Morgen Nockerl.

Ich hab mal die Werte für eine Therapiesitzung bei euch in Österreich aus ATS in DM umgerechnet. Das ist verdammt teuer. Da braucht man sich nicht zu wundern, daß viele erst gar keine Therapie machen, weil es eben sehr teuer ist. Wie oft machst du denn dann Therapie? Meinst du macht es Sinn die Therapeutin noch einmal darauf anzusprechen? Immerhin hat sie ja letztes Mal schon so komisch reagiert, daß ich überhaupt nachgefragt habe. Andererseits gehts auf Krankenschein und sie meinte, sobald ich was zahlen müßte, würde sie es sagen. Vielleicht meinten die aus dem Forum ja auch Therapieplätze in einer Klinik. Logisch, daß dort erst einmal Plätze frei sein müssen und die Krankenkasse wohl zustimmen muß. Sind ja auch wieder ganz anderer Kosten als bei einer ambulanten Behandlung.

Ich würde nicht unbedingt sagen, daß du unbedingt einen negativen Faktor in deinem Leben brauchst. Vielmehr denke ich, ist es für dich ungewohnt, daß jemand sehr verständnisvoll ist und auf dich eingeht. Dein Ex-Freund war ja schließlich nicht gerade der Bilderbuch-Partner. Ich denke mal, daß das noch etwas verankert in dir drinnen sitzt. Aber denke nicht darüber nach. Nimm es an und freue dich daran! Es gibt so viele positive Menschen, die uns gut tun.

Klar, in dem Moment, in dem du für deinen Freund und seine Probleme da bist, hast du keine Zeit mehr für deine. Das ändert zwar nichts an der Ursache, aber zunächst an der Symptomatik. Und man kann sagen, was man will, es ist einfach ein super Gefühl, wenn man wieder einmal einen "kotzfreien" Tag hinter sich hat. Mir ist es dann egal, weswegen. Ablenkung hilft da schon recht gut. Und wenn es erst einmal nicht anders geht, warum nicht? Denn an den Ursachen arbeiten wir ja beide Dank Therapie.

Bin jedenfalls mächtig gespannt, wie die Sitzung morgen wieder ablaufen wird. Habe den merkwürdigen Fragebogen in der Zwischenzeit ausgefüllt und bin auch ehrlich gewesen. Aber die Wahrheit kann ganz schön verletzend sein, besonders einem selbst gegenüber. Wenn man dann zugibt, daß man eben ab und an psychisch labil ist und doch weniger von sich hält. Imgrunde weiß ich ja auch, daß ich ein recht liebenswerter Mensch bin. Ich bin intelligent, einfühlsam und was weiß ich noch. Meine Mitmenschen und Freunde mögen mich sehr und es ist auch nicht schwer neue Leute kennenzulernen. Bloß "vergesse" ich das so leicht. Es ist eben viel einfacher in Selbstmitleid zu versinken und sich der Kotzerei hinzugeben. Den ganzen Tag über kämpfe ich, sei es damals in der Schule oder Ausbildung (wird ja jetzt durch Studium) ersetzt, im Tanztraining, etc. Dann komme ich abends nach Hause und bin vom Kämpfen müde und flüchte mich evtl. auch deshalb in die Kotzerei.

Morgen abend bekomme ich Besuch aus Italien für einen Tag. Er ist extra für die IAA (Internationale Automobil Ausstellung) gekommen. Einerseits freue mich ich drauf. Aber andererseits muß ich dann mit ihm Essen gehen etc. Und das sind Sachen, die ich in der letzten Zeit gemieden habe.

Wann gehts eigentlich los mit dem Menschen, den du kennengelernt hast? Und wie genau läuft denn nun sein Konzept ab?

Stella
stella01 ist offline  
Alt 18.09.2001, 10:59   #64
Nockerl
Senior Member
 
Registriert seit: 09/2000
Beiträge: 938
Liebe Stella!

DAs mit dem kämpfen und müde sein kenn ich. aber ich denke man ist auch oft müde durch das kotzen. es ist halt ein furchtbarer teufelskreis. ich hab ja gestern auch wieder nicht durchgehalten, weil ich am nachmittag dann so das gefühl hatte überfordert zu sein,...
und ich hatte dabei einen ganz komischen gedanken, weil ich nämlich wenn ich mit meinem freund frühstücke oder so, gerne toast esse und auch ´nicht wenig, und da schmeckt es mir auch super gut. und gestern hab ich mir diesen "guten" toast in einem anfall total vermiest. vielleicht will ich mir alle lebensmittel unbewußt schlecht machen, damit ich eben nichts mehr essen muß. leider find ich immer wieder neue sachen die mir schmecken. das mit dem essen gehen ist eine mühsame sache. ich versteh bis heute nicht warum alle welt sich immer beim oder zum essen trifft. ich bin froh wenn ich mal nicht essen muß. manchmal hab ich überhaupt so ein seltsames gefühl als würde es in unserer welt um nichts anderes gehen. an manchen tagen geht es, von den anderen aus, wirklich nur darum was man wann wo wie ißt.

ich hab mir auch gestern überlegt, daß ich eigentlich alles was ich meinen eltern sagen wollte und was ich seitenlang niedergeschrieben habe in einem einzigen satz sagen kann. ich will nämlich, daß sie endlich positive seiten an anderen menschen sehen und nicht nur die negativen. und den positiven eben beachtung schenken sollten. ich glaub das ist schon verständlich oder? und ich glaube sie würden sich auch leichter tun mit anderen umzugehen.

aber im moment ist nie der richtige zeitpunkt mit ihnen zu reden.
ich würde die therapeutin schon nochmal fragen, weil es ja um dein geld geht. und wenn sie komisch schaut, dann lass sie schauen. oft interpretiert man auch nur etwas in die andere person.

ich mein es ist ja echt nicht billig. ich geh jede woche einmal, und das geht ganz schön ins geld. ich schau schon gar nicht mehr auf mein konto. andererseits hab ich ja auch viel essen gekauft und kauf es leider noch heute. und so ein mcdonalds feldzug oder pizzabestellung oder ähnliches ist auch nicht gerade billig. im moment bin ich doppelt und dreifach finanziell belastet, weil ich es eben oft noch nicht schaffe die "fressfeldzüge" zurückzuhalten und die therapie mach ich auch konsequent. aber ich hoffe, daß ich irgendwann mal glück hab und im lotto gewinne.

lg

nockerl

Nockerl ist offline  
Alt 18.09.2001, 13:46   #65
stella01
Junior Member
Themenstarter
 
Registriert seit: 08/2001
Beiträge: 33
Liebe Nockerl.

Müde durch die Kotzerei bin ich imgrunde nur hinterher, wenn mir wieder einmal bewußt geworden ist, daß meine Sucht stärker war, als ich selbst. Und das ist ein sehr schlimmes Gefühl. Ich fühle mich dann immer so hilflos und leer. Es kommt mir vor, als ob ich absolut keine Willensstärke hätte. Ich zweifle oft an mir selbst. Wenn es um Ziele geht, die man erreichen möchte, wie z. B. ein gutes Abi oder Studium, bin ich dermaßen willensstark und eisern. Mir wurde schon oft gesagt, daß wenn jemand seine Ziele erreichen kann, dann sei ich es ja wohl. Und genau, das macht mich stutzig, daß ich hier so jämmerlich scheitere. Die anderen sehen in mir eine starke Persönlichkeit. Tapfer, gut und schnell habe ich den Verlust meines Vaters verarbeitet. Nur habe ich oft das Gefühl, daß ich nicht auch mal schwach sein darf. Es ist so anstrengend immer nach außenhin die Starke zu sein!

Das tut mir leid, daß du gestern wieder einen Rückfall erlitten hast. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, daß selbst wenn man meint, es ginge wieder aufwärts, man immer noch sehr labil ist. Vielleicht noch labiler. Hatte ja auch einen Anfall direkt nach meiner Therapiesitzung letzter Woche. Dachte eigentlich, daß ich Auftrieb gewinnen müßte dadurch. Aber falsch gedacht. Ich bin hypersensibel, sobald etwas nicht so läuft, wie ich es gerne hätte, geht es wieder los. Und ich denke, das wird bei dir auch nicht sehr viel anders sein. "Geschützt" vor einem Anfall bin ich nur dann, wenn ich abgelenkt oder unterwegs bin. Hast du schon mal versucht, einen Anfall abzuwenden? Also, wenn du spürst, daß du einen bekommst, spazieren zu gehen oder jemanden anzurufen, Hauptsache Ablenkung?

Ich finde es auch total schlimm, daß sich bei den "Gesunden" alles nur ums Essen dreht. Wenn es irgendwas zu feiern gibt, gibt es was zu essen. Wenn man sich trifft, wird was gegessen,... Das nervt mich. Mir fällt es dann immer schwer, mich normal zu verhalten. Meist esse ich dann gar nichts oder nur sehr wenig. Wenn ich weiß, daß wir abends in ein Restaurant zum Essen gehen und es sich nunmal nicht vermeiden läßt, Familyfeier z. B., dann esse ich den Tag über fast nichts. Sonst hätte ich am Abend ein schlechtes Gewissen, gerade weil ich ja dann im Restaurant nicht kotzen gehe. Ich weiß, daß es total bekloppt ist, aber ich kann da einfach nichts dagegen machen. Es ist wie ein Zwang. Immer ist die ständige Angst vor der Zunahme da. Als wäre ich ein Mensch, der dann nicht mehr liebenswert wäre, als würde ich dann ein komplett anderer Mensch sein. Kennst du das?

Wieviele Seiten hat denn der Brief, den du deinen Eltern geschrieben hast? Warum denn ihn auf einen einzigen Satz reduzieren? In diesem Brief sind deine ganzen Gedankengänge, die Entwicklung eines Gedanken. Laß ihn doch noch ein paar Tage liegen und lies ihn dir dann noch einmal durch. Du kannst ihn dann immer noch verbessern und anschließend deinen Eltern geben. Es ist völlig normal, daß du möchtest, daß deine Eltern auch deine positiven Seiten an dir sehen. Jeder Mensch besteht sowohl aus positiven als auch aus negativen Eigenschaften. Ohne deine positiven oder negativen Charakterzügen bist das nicht wirklich du. Gib deinen Eltern noch etwas Zeit. Vielleicht haben sie auch einfach nur Angst, daß sie dich verlieren. Hast du eigentlich noch Geschwister?

Um mir etwas zu bestellen oder für einen Freßanfall extra einkaufen zu gehen, bin ich glücklicherweise zu geizig. Wenn ich zwar wieder einen Anfall bekomme, aber nichts im Haus ist, dann geht der wieder. Jetzt ist meine Mutter nicht da und ich hatte sie vor ihrem Urlaub gebeten nicht einzukaufen, was sie glücklicherweise auch getan hat. So ist immer nur ein gewisses Minimum im Haus, was mir hilft, die Anfälle zu vermeiden. Man muß zwar öfter einkaufen gehen, aber es ist letztendlich doch effektiv. Hast du das schon einmal probiert?

Jetzt kommt mein Besuch doch erst am Wochenende. Naja egal, wir sind ja dann den ganzen Tag und unterwegs und ich muß ja nicht viel essen.

Liebe Grüße

Stella
stella01 ist offline  
Alt 18.09.2001, 14:09   #66
Nockerl
Senior Member
 
Registriert seit: 09/2000
Beiträge: 938
Liebe Stella!

Mein Kühlschrank zu hause ist leer. wenn mal was drinnen ist, dann nicht lange. außer mein freund ist da, dann geht es gut. vielleicht liegt es an der gemeinsamkeit, daß wir eben auch gemeinsam kochen oder jeder was dazu beiträgt. aber das hatte ich zuhause bei meinen eltern eigentlich auch. ich glaube es ist doch eher die ruhe die er ausstrahlt und die auf mich abfärbt. heute war wieder ein sehr bezeichnendes erlebnis mit meiner mutter. meine mittlere schwester (wir sind 3 und ich bin die jüngste und meine älteste schwester hat auch bulimie) räumt gerade ihre wohnung aus, weil sie sie vermietet und hat mich gefragt, ob ich ihren tisch haben will und noch so ein paar sachen und ich hab gesagt, daß ich ihn nicht brauche weil ich eh einen zu hause habe (der in meiner wohnung ist aber von meiner mutter, die hunderte tische zu hause hat und eh keinen platz mehr dafür hat) gerade vorher hat meine schwester mit meiner mutter telefoniert und natürlich hat meine mutter gemeint, daß sie gerade jetzt unbedingt diesen tisch braucht, der bei mir in der wohnung steht und ich ihn ihr zurückgeben muß und den tisch meiner schwester nehmen muß. ich weiß das klingt jetzt alles kindisch, aber es macht mich so wütend sowas, weil es wieder etwas von "kontrolle behalten" hat und weil sie immer mitmischen muß. ich frag mich auch, warum meine schwester meine mutter da derart einbezieht. so als bräuchte sie den segen, was sie da jetzt macht und mich regt das irrsinnig auf, weil ich sowas nicht verstehe. auf jeden fall geb ich ihr jetzt auch alle sachen zurück die sie mir jemals angeboten hat und die bei mir in der wohnung stehen, weil es mir einfach reicht.


schlechtes gewissen hab ich auch immer, daß ich soviel geld fürs essen raushau, aber die gier ist meistens stärker. zweimal hab ich es ganz bewußt abwenden können und bin statt dessen laufen gegangen und komischerweise hab ich mit der wut im bauch super 2 stunden durchgehalten (normalerweise schaff ich nichtmal eine)und danach war ich relativ beruhigt. nur in letzter zeit schaff ich das nicht abzuwenden, weil ich glaub ich bestraf mich wirklich oft selbst für etwas, was ich glaube falsch gemacht zu haben. ansonsten kann ich mir nicht erklären etwas zu tun, was ich gar nicht tun will.

Dein Drang nach außen hin stark sein zu müssen kommt mir bekannt vor. ich war auch immer relativ cool und hab über mich selbst gelacht und hab die starke gespielt. und vor freunden mach ich das auch heute noch oft so. ich lache eigentlich sehr viel über mich selbst, und ich mach mich auch selbst immer noch runter, von wegen ich erzähl witzige sachen, die mir passiert sind, bei denen ich aber immer auch als witzfigur dastehe. die lacher hab ich schon auf meiner seite, aber ernstgenommen wird man halt dann nie wieder. ich hab halt auch immer geglaubt, daß man nur akzeptiert wird, wenn man die starke ist, und bei uns in der familie ist das auch so. alle die probleme haben, und damit nicht zurecht kommen werden irgendwie nicht für voll genommen.

lg

Nockerl
Nockerl ist offline  
Alt 18.09.2001, 15:54   #67
Ili
Platin Member
 
Registriert seit: 09/2001
Beiträge: 1.503

Liebe Stella,

du spricht ein Thema an, mit dem auch ich schon seit 4 Jahren jeden Tag konfrontiert bin. Auch ich bin magersüchtig, habe es dank eines Therapieplatzes geschafft meinen Körper wieder real zu sehen.

Alleine wirst du deine Bulimie nicht besiegen können. Es mag Zeiten geben, an denen du ohne zu erschrecken, bzw. ohne dass es dich vor dir selbst ekelt in den Spiegel schauen kannst, aber um diese Krankheit so hinzunehmen (besiegen kann man sie nicht) bedarf es Hilfe. Wende dich an eine Selbsthilfegruppe in deiner Nähe oder wende dich an deinen Hausarzt. Zögere nicht, denn sonst kann es unter Umständen zu spät sein!

sandy
Ili ist offline  
Alt 18.09.2001, 16:39   #68
stella01
Junior Member
Themenstarter
 
Registriert seit: 08/2001
Beiträge: 33
@Nockerl

In der Zeit, in der wir uns hier in diesem Forum schreiben bzw. seitdem ich diesen Thread hier eröffnet habe, habe ich mich wohl noch nie derartig mit mir selbst, meinen Gefühlen und meiner Krankheit befaßt. Ich glaube, wenn ich nicht hier "gelandet" wäre, hätte ich wohl kaum den Schritt gewagt, zwei meiner Freunde einzuweihen oder gar eine Therapeutin aufzusuchen. Es war reine Selbstverzweiflung, so eine Art Hilfeschrei. Aber ich bin froh, es getan zu haben. Ob du es jetzt glaubst oder nicht, ich habe mich derart "klein" und "schlecht" gefühlt, daß ich nicht einmal die Courage hatte, meinen Nick zu verwenden und habe mich extra dafür registrieren lassen. Mittlerweile finde ich das absolut schwachsinnig und habe beschlossen ab dem nächsten Posting wieder meinen ursprünglichen Nick zu verwenden (Carmen78). Bitte denke jetzt nichts Falsches oder Schlechtes von mir, aber es war auch wie eine Art Selbstschutz.

Ich fürchte, wenn ich spontan Besuch bekäme, müßte ich mit diesem erst einmal schnell einkaufen gehen. Da ich dachte, mein Besuch aus Italien käme bereits morgen, bin ich heute früh erst einmal schnell einkaufen gefahren. Wäre einfach absolut peinlich nichts im Haus zu haben und wenn es nur für 24 Stunden ist. Viel habe ich aber auch nicht geholt, da ich ja weiß, daß er nur für einen Tag bleibt und ich nicht das Risiko eingehen möchte, wieder einen Anfall zu bekommen. Werde mich die paar Tage bis Samstag enorm zusammenreißen müssen, damit es auch noch bis Samstag da ist.

Natürlich hattest du bereits von deiner älteren, ebenfalls bulimiekranken Schwester erzählt, ich hab es bloß im Moment als ich dich fragte, nicht mehr bewußt vor mir gehabt, sorry! Aber von deiner kleineren Schwester hattest du nichts erzählt.
Ich kann dich sehr gut verstehen, daß du auf deine Mutter wütend bist. In mir erweckt das auch den Eindruck der absoluten-Kontrolle-haben-wollen. Hatte ich auch bei meiner Mutter. Sie hat sich das ganze Jahr über nicht um irgendeine Sache bemüht - mir fällt gerade leider kein Beispiel mehr ein - aber sobald ich es wollte, wollte sie es erst recht. Aber ihr alles zurückzugeben, halte ich für etwas voreilig gehandelt. Ich habe in all den Jahren gelernt, daß meine Mutter mir zwar nicht alles gönnt, ich aber deswegen mich nicht kleiner machen darf. Sachen, die sie mir geschenkt hatte, wollte ich ihr auch wiedergeben, aber damit hätte ich mir wieder ins eigene Fleisch geschnitten. Ich brauchte die Sachen doch.

Die letzten beiden Wochen hatte ich auch wieder regelmäßig mit Joggen begonnen. Und somit hatte ich innerliche Ruhe und konnte wieder normal essen, weil ich wußte, daß ich nicht zunehme. Nun darf ich aber erst einmal mein Knie nicht mehr belasten und nun passe ich schon wieder genau auf, was ich esse. Ist schon schlimm!

Mein Drang nach außen hin stark sein zu müssen, bürde ich mich sicher selbst auf. Wahrscheinlich erwarten es die anderen gar nicht von mir, aber ich setze es einfach voraus. Einfach absurd. Ich habe auch wieder den Eindruck, extrem stark nach außenhin zu sein. Mein bester Freund, der ja nun auch von meiner Bulimie weiß, hängt wieder komplett im Alltag. Klar, wäre es mir nicht recht, wenn er mich nur mit Samthandschuhen anfaßte, aber so zu tun, als wäre gar nichts, ist mir auch nicht recht. Ich glaube es ist schon schwer, es mir recht zu sein. Wenn ich mal ganz genau überlege, weiß ich auch gar nicht was ich will. Natürlich weiß ich was ich will, wenn ich an meine Zukunft, Karriere denke. Aber meine eingenen Bedürfnisse habe ich schon derart runtergespielt, daß ich sie gar nicht mehr spüre.

Ich hoffe, du bist mir nicht böse wegen des Nicks!
[Geändert von stella01 am 18.09.2001 um 17:08 Uhr]
stella01 ist offline  
Alt 18.09.2001, 16:46   #69
carmen78
Das schöne Lächeln
 
Registriert seit: 08/2001
Beiträge: 2.469
@Sandy (oder Ili?)

Es ist immer wieder schön zu sehen bzw. tut gut, daß auch andere zu meinem Problem etwas schreiben. Anfangs als ich diesen Thread eröffnete, hatte ich nämlich Befürchtungen, ob mir überhaupt jemand antworteten würde. Es gibt wohl eine graue Dunkelziffer der Betroffenen.

Leidest du unter Magersucht oder Bulimie? Denn mit Magersucht bin ich nicht in Berührung gekommen.

Eine Therapeutin habe ich mir ja bereits gesucht bzw. bin am ausprobieren, ob ich mit ihr klarkomme. Sonst werde ich mir eben eine andere suchen müssen. Aber den Grundstein habe ich ja bereits gelegt: Ich habe Freunde eingeweiht und suche professionelle Hilfe auf.

Wie lange hast du denn die Therapie gemacht? In Deutschland? Wenn ja vielleicht kannst du mir ja etwas über die Problematik der Krankenkassen sagen. Muß man die Therapie bei der Krankenkasse beantragen und die durch diese und auch die BfA genehmigen lassen? Meine Therapeutin meinte nämlich, daß sie das via Krankenschein abrechne und ich nichts zahlen müßte. Bin jetzt aber schon etwas verunsichert.

Wenn du das letzte Posting an Nockerl gelesen hast, dann weißt du nun auch, warum ich dir als Carmen und nicht als Stella antworte.

Liebe Grüße

Carmen (alias Stella)
carmen78 ist offline  
Alt 18.09.2001, 17:07   #70
Ili
Platin Member
 
Registriert seit: 09/2001
Beiträge: 1.503
@carmen




Leidest du unter Magersucht oder Bulimie?

ich habe Magersucht seit meinem 15. Lebensjahr.
Magersucht und Bulimie ist in der Hinsicht ähnlich, dass es den gleichen Ursprung hat und die gleichen Gründe. Zu Anfang habe ich auch erbrochen, d.h. bis ich aufgehört habe zu essen.

Eine Therapeutin habe ich mir ja bereits gesucht bzw. bin am ausprobieren, ob ich mit ihr klarkomme. Sonst werde ich mir eben eine andere suchen müssen.

Es ist sehr sehr wichtig, dass man mit der Psychologin gut auskommt. Ich selbst mache jetzt seit etwas über 3 Jahren Therapien und hätte sicherlich nicht solche Fortschritte gemacht, wenn ich mich mit meiner Ärzt nicht so gut verstehen würde.

Aber den Grundstein habe ich ja bereits gelegt: Ich habe Freunde eingeweiht und suche professionelle Hilfe auf.

...sehr wichtig aber dennoch sehr schwer. Außer meinem Exfreund weiß niemand, dass ich eine Therapie mache. Alle wissen natürlich von meiner "Eßstörung" (war teilweise schwer zu übersehen) aber niemals habe ich darüber geredet, da ich niemanden zugetraut habe mit der Situation umzugehen.

Wie lange hast du denn die Therapie gemacht? seit über 3 Jahren jetzt

In Deutschland? Ja, ich wohne in BW

Wenn ja vielleicht kannst du mir ja etwas über die Problematik der Krankenkassen sagen. Muß man die Therapie bei der Krankenkasse beantragen und die durch diese und auch die BfA genehmigen lassen?


Meine Therapeutin meinte nämlich, daß sie das via Krankenschein abrechne und ich nichts zahlen müßte. Bin jetzt aber schon etwas verunsichert.

Bei mir war das so, dass 2 Ärzte mir schriftlich bescheinigten, dass sie eine Therapie für sinnvoll halten. Dann werden sämtliche Kosten (von ca. 120-200 DM/Stunde) von der Krankenkasse übernommen.

Wenn du das letzte Posting an Nockerl gelesen hast, dann weißt du nun auch, warum ich dir als Carmen und nicht als Stella antworte.

Liebe Grüße

Carmen (alias Stella)
Ili ist offline  
Alt 18.09.2001, 17:07 #00
Verbraucherinformant

Registriert seit: 21.08.2005
Ort: Litfaß
Beiträge: 4692

 

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