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Scuderia 14.03.2016 11:29

Eine völlig neue Parteienwelt - Deutschland verändert sich!!!
 
Zitat:

Zitat von Silberlocke4904 (Beitrag 5408992)
Das Wahlergebnis in allen drei Bundesländern zeigt deutlich, dass viele Bürger mit der Politik von CDU, SPD und Grünen unzufrieden sind.

Indikator für die Unzufriedenheit ist nicht nur der Stimmverlust von CDU, SPD und Grünen, sondern auch die erhöhte Wahlbeteiligung, die daraus resultiert, dass der Frust einige „Nichtwähler“ an die Wahlurnen getrieben hat.

Die Grünen meinen zwar, dass das Wahlergebnis in Baden-Württemberg ein Erfolg ihrer Partei sei, aber das Gegenteil ist der Fall. Das gute Wahlergebnis ist nur ein Erfolg von Winfried Kretschmann und resultiert daraus, dass Kretschmann n i c h t entsprechend der Politik der Bundesgrünen regiert hat. Weiter stecken im Wahlerfolg von Kretschmann viele Stimmen von Bürgern, die bisher CDU gewählt haben, der CDU einen Denkzettel verpassen, aber nicht AfD wählen wollten. Letzteres gilt auch für die FDP.

Für Protestwähler standen die Linken und die AfD zur Verfügung. Daß die Linke davon nicht hat profitieren können, ist eine echte Niederlage für die Linken.


Ich erlaube mir diesen Beitrag mal als Eingangspost rein zu stellen, denn er trifft die völlig neue Situation in Deutschland sehr gut!

Waren wir es rund 65 Jahre lang gewohnt, dass es 2 große Parteien gibt, die mit Hilfe von Juniorpartnern abwechselnd den Kanzler stellen, werden diese Blöcke jetzt völlig zerrissen und wir haben mittlerweile 6 Parteien, die man auf der Rechnung haben muss und für mögliche Koalitionsbildungen in Frage kommen.

Ich habe gestern ganz oft den Satz gehört, dass die meisten Menschen gar nicht mehr wissen, welche Partei sie eigentlich noch wählen sollen, da die beiden großen in den letzten Jahren von ihren eigentlichen Idealen und Merkmalen abgewichen sind.
Nur noch die Hardliner (ich wähle seit 40 Jahren Union/SPD) bleiben wohl bei ihrer gewohnten Wahl.

Da man für die kommenden Landtagswahlen aber vor allem auch für die Bundestagswahl ein ähnliches Szenario erwarten muss, können wir uns diesbezüglich auf einiges gefasst machen.

Viele Parteien werden noch weiter von ihrer Kerndenke abweichen müssen, da mögliche Koalitionspartner noch weiter weg sind.

Das macht es für den Wähler sicher auch nicht einfacher zu erkennen, wer denn eigentlich noch für was steht.

Vor allem wenn die Partei X vor der Wahl die Partei Y als Partner ins Auge fasst und dann notgedrungen auf Partei Z zurückgreifen muss.

Wie erkläre ich das dann den Wähler bzw. wie geht dieser dann damit um?

Trimalchio 14.03.2016 11:34

Und ich erlaube mir, meine Antwort aus dem anderen Thread dazu dann auch mal hier reinzubringen:

Zitat:

Zitat von Trimalchio (Beitrag 5409024)
Woher hast Du denn die Betrachtugnsweise? Zum einen hat die SPD in Rheinland-Pfalz doch genau wie die Grünen in Baden-Württemberg nicht unerheblich zugelegt.

Zum anderen sind die Bürger mit der AfD auch nicht so zufrieden, dass die auch nur Volkspartei wären. Aber angeblich soll es - wenigstens laut AfD - dann die Volksmeinung sein, was die verkörpern.

Wie bei allen zunächst aufstrebenden Parteien, haben die irgendwann aber ihre höchste Prozentzahl erreicht und werden nach meiner Prognose dann als Ein-Thema-Partei schnell wieder eingehen. Und soweit die noch Meinungen zu Themen außerhalb der Flüchtlingsfrage haben, sind diese Meinungen ausgesprochen krude und nicht geeignet für Begeisterung bei nennenswerten Teilen der Bevölkerung.


gastlovetalk 14.03.2016 11:55

Eine völlig neue Parteienlandschaft? Auf den ersten Blick sicherlich. Nie zuvor hat eine Partei rechts der Union ein so starkes Ergebnis eingefahren. Auf den zweiten Blick - weniger. Denn immer noch hat sich die weit überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in den drei Ländern für die sogenannten "etablierten" Parteien entschieden.

Überbewerten muss man den Erfolg der AfD nicht. Sie hat zwar auch den anderen Parteien Wähler weggenommen, knnte aber in erster Linie im Lager der (frustrierten) bisherigen Nichtwähler punkten. Eine nennenswerte Wählerwanderung von anderen Parteien nach rechts hat es also nicht gegeben.

Dennoch wird sich insbesondere die Union nun einige sehr unbequeme Fragen stellen müssen, darunter die, mit welcher Kandidatin sie nächstes Jahr in die Bundestagswahl ziehen will. Denn allzu rosig sieht es für sie nicht aus. Die Union hat es z.B. nicht geschafft, das mehr in Merkels Autosuggestion als in der Mentalität der Bevölkerung zu suchende "Wir schaffen das" in Wählerstimmen umzuwandeln. Im Gegenteil - in BaWü hat die Union massiv an die Grünen verloren.

Beachtung schenken muss man auch noch dem Comeback der FDP in immerhin 2 Landtagen (der in Sachsen-Anhalt wurde knapp verpasst): Hier scheint in Ansätzen ein liberales Umdenken stattzufinden, was u.U. auch den Bestrebungen der Bundesregierung geschuldet ist, Bürgerrechte weiterhin einzuschränken.

Silberlocke4904 14.03.2016 11:57

Zitat:

Zitat von Trimalchio (Beitrag 5409024)
Woher hast Du denn die Betrachtugnsweise? Zum einen hat die SPD in Rheinland-Pfalz doch genau wie die Grünen in Baden-Württemberg nicht unerheblich zugelegt.

Daß das Wahlergebnis von Kretschmann kein Erfolg der Grünen ist, habe ich bereits erklärt.
Das Wahlergebnis von Malu Dreyer ist auch kein Erfolg für die SPD, sondern ein Mißerfolg der CDU, die in den letzten Monaten 10% verloren hat.

paul258 14.03.2016 11:57

Das Ding ist einfach, dass die CDU unter Merkel, immer weiter nach links gerutscht ist. (Ob das nun gut oder schlecht ist, kann jeder für sich entscheiden). Wenn die CDU aber in der Mitte-Links steht, wird auf der einen Seite dort der Platz für die „etablierten Linken“ Parteien eng. Linke, Grüne und vor allem SPD müssten ihr Profil viel mehr schärfen, um nicht unterzugehen.
Auf der anderen Seite fehlt schlicht und einfach eine „konservative“ Kraft, da ja rechts von der Mitte alles frei ist. Genau in dorthin stieß die AfD rein und die CSU hat es in den letzten Monaten auch oft genug versucht. Ich glaube gestern gehört zu haben, dass in Sachsen-Anhalt sehr viele AfD Wähler die CSU gewählt hätten, wenn sie denn angetreten wäre.
Das absurde ist ja, dass die AfD die Rolle der „bürgerlichen“ Partei ausfüllt, aber der größte Teil der Wähler (laut Tagesschau) der AfD kaum Kompetenz zu trauen. Frei nach dem Motto: Wenn die CDU nicht mehr „rechts“ ist, wähle ich das, was am nächsten rankommt – und das ist nun mal (scheinbar!) die AfD.

Eigentlich gibt es zwei Szenarien:
1. Die CDU bleibt bei ihren Kurs und es wird immer schwerer vor allem für die SPD. Die Grünen und Linken bleiben bei ihrer Stammwählerschaft, kommen darüber aber nicht hinaus. Rechts entsteht eine starke AfD und vielleicht bekommt sogar die FDP noch paar Prozente ab, weil einfach so viel leerer Raum im bürgerlichen Sektor ist.

2. Die CDU vollzieht einen „Rechtsruck“ beim nächsten großen Thema. Beim Flüchtlingsthema wird dies nun nicht mehr gehen, aber das nächste Verbote der Homo-Ehe, oder weiß ich was, wird doch schon hinter der nächsten Ecke auf uns lauern. Damit würde die CDU sich wieder „rechts“ einordnen, sogar gewinnen, die SPD könnte wieder etwas durchatmen und die AfD würde zwar dennoch nicht verschwinden, aber eine bedeutend kleinere (über 5% Parte) bleiben.

Auch wenn ich kein CDU-Fan bin, würde ich mir Alternative 2 wünschen.

Silberlocke4904 14.03.2016 11:59

Zitat:

Zitat von Trimalchio (Beitrag 5409024)
Zum anderen sind die Bürger mit der AfD auch nicht so zufrieden, dass die auch nur Volkspartei wären. Aber angeblich soll es - wenigstens laut AfD - dann die Volksmeinung sein, was die verkörpern.

Die Bürger der drei Bundesländer haben der AfD, mit ihrer Stimme, eine Chance gegeben.
Es hängt jetzt ausschließlich und alleine von der AfD ab, ob sie sich als Partei etablieren wird oder so schnell wie sie in die Landtage einzog, wieder verschwinden wird.

Trimalchio 14.03.2016 12:17

Zitat:

Zitat von Silberlocke4904 (Beitrag 5409041)
Die Bürger der drei Bundesländer haben der AfD, mit ihrer Stimme, eine Chance gegeben.
Es hängt jetzt ausschließlich und alleine von der AfD ab, ob sie sich als Partei etablieren wird oder so schnell wie sie in die Landtage einzog, wieder verschwinden wird.

Das stimmt. Und das Verhalten der AfD ähnelt demjenigen der Republikaner. Nennen wir es mal das "Eintagsfliegen-Verhalten". Und mir ist das ganz recht. :-D

Stan90 14.03.2016 12:18

Wie kommt ihr eigentlich darauf, dass die AfD eine konservative gut-bürgerliche Partei wäre? Die Statistiken sagen nämlich für alle drei Bundesländer, dass die AfD bei Akademikern nur halb so viel oder gar noch weniger Stimmen abgreifen konnte als aus dem niedrig gebildeten Milieu.
Die AfD ist nämlich keine bürgerliche Partei, sondern für junge ungebildete Menschen eine Protestpartei. Zahlen lügen nicht.

Silberlocke4904 14.03.2016 12:38

Zitat:

Zitat von paul258 (Beitrag 5409040)
.................
Eigentlich gibt es zwei Szenarien:
1. Die CDU bleibt bei ihren Kurs und es wird immer schwerer vor allem für die SPD. Die Grünen und Linken bleiben bei ihrer Stammwählerschaft, kommen darüber aber nicht hinaus. Rechts entsteht eine starke AfD und vielleicht bekommt sogar die FDP noch paar Prozente ab, weil einfach so viel leerer Raum im bürgerlichen Sektor ist.

2. Die CDU vollzieht einen „Rechtsruck“ beim nächsten großen Thema. Beim Flüchtlingsthema wird dies nun nicht mehr gehen, aber das nächste Verbote der Homo-Ehe, oder weiß ich was, wird doch schon hinter der nächsten Ecke auf uns lauern. Damit würde die CDU sich wieder „rechts“ einordnen, sogar gewinnen, die SPD könnte wieder etwas durchatmen und die AfD würde zwar dennoch nicht verschwinden, aber eine bedeutend kleinere (über 5% Parte) bleiben.

Die Wähler haben sich für die AfD nicht entschieden wegen dem Programm oder der Personen der AfD, sondern um ihren Protest gegenüber CDU, SPD und Grüne auszudrücken. Dazu habe sind die Landtagswahlen am Sonntag gut geeignet. Ich bin mir sicher, dass die meisten Protestwähler bei einer Bundestagswahl nicht die AfD gewählt hätten. Bei einer Bundestagswahl hätte vermutlich die FDP profitiert.

Aufgrund des oben gesagten, möchte ein drittes Szenario hinzufügen.

3. Der ALFA Partei gelingt es, sich den Wählern als „harmlosere, demokratische Alternative für Deutschland„ darzustellen und kann der AfD immer mehr Stimmen abgewinnen. Die AfD erhält bei der Bundestagswahl 2017 um die 5% und die ALFA knapp 10%.

Trimalchio 14.03.2016 12:43

Zitat:

Zitat von Stan90 (Beitrag 5409049)
Wie kommt ihr eigentlich darauf, dass die AfD eine konservative gut-bürgerliche Partei wäre? Die Statistiken sagen nämlich für alle drei Bundesländer, dass die AfD bei Akademikern nur halb so viel oder gar noch weniger Stimmen abgreifen konnte als aus dem niedrig gebildeten Milieu.
Die AfD ist nämlich keine bürgerliche Partei, sondern für junge ungebildete Menschen eine Protestpartei. Zahlen lügen nicht.

:yeah: Dabei sehe ich die AfD immer noch als Ein-Themen-Partei an. Außer Flüchtlinge mochten die im Wahlkampf nichts diskutieren. Es hätte ihnen wohl nach dem eigenen Eindruck geschadet.

Die FR allerdings hat einen interessanten Beitrag gebracht, was die AfD groß gemacht hätte. Es ist wohl auch die Unzufriedenheit mit sonstigen persönlichen Verhältnissen. Den Menschen geht es durch die Politik von SPD und CDU schlecht. Seit 1998 hat sich der Anteil der unteren Bevölkerungshälfte am Vermögen gedrittelt!

http://www.fr-online.de/leitartikel/...,33945832.html

Allerdings bietet die AfD ein stets einseitiges Erklärungsmuster. Wenn es demnächst Regen oder Sturm gibt, werden sicherlich mal wieder die Flüchtlinge schuld sein.

Derweil die AfD auch eine hohe Zahl ihrer Wähler verarscht. Es soll den Menschen sozial besser gehen, weil kein Geld mehr für die Flüchtlinge gebraucht wird? Flüchtlinge sind in ihren Kosten Peanuts gegen die Auswirkungen der von der AfD gewollten Senkung des Spitzensteuersatzes von 45 % auf 25 %. In Wahrheit steckt da ein beispielloses Sozialabbauprogramm hinter. Und die Verlierer der Politik unter CDU, CSU, FDP, Grünen und SPD sind ein guter Bodensatz für die AfD.

Eine bessere Politik der etabllierten Parteien auch mal für die Bevölkerungsmehrheit und nicht nur für die guten Spender könnte einiges zum besseren bewegen.


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