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wikinger11 05.09.2016 23:54

Fanatiker gegen die Schulmedizin
 
Ich guck´ mir schon seit einiger Zeit auf youtube Videos über Naturheilverfahren an.

Tenor:

"Karies ist ein Verbrechen der Nahrungsmittelindustrie gegen die Menschheit"

"Krebs ist durch Vitamine heilbar"

"Die Pharmaindustrie regiert Europa"

"Die Impflüge"

usw. usf.

Ich frage mich die ganze Zeit: Wer glaubt so einen Quatsch ? Das Ganze hat doch auch Anhänger. Wie kommen solche Verschwörungstheorien zustande?

Was läuft falsch in unserem Gesundheitssystem?

Was ist berechtigte Kritik, was einfach nur Quatsch ?

Hat unsere Schulmedizin versagt im Kampf gegen die "großen" Krankheiten ?

002gast 06.09.2016 06:54

Wenn ich so einen Scheizz höre, könnte ich total ausrasten.
" Krebs ist durch Vitamine heilbar".


Mein Kind hatte mit 10 akute lymphatische Leukämie.
Vom Tag der Diagnose an hätte sie, ohne Behandlung, noch knapp 4 Tage zu leben gehabt.
Ihre Leukozyten waren bei 84.000 und es gab kaum noch Erithrozyten oder Thrombozyten.


Die Kinderonkologin sagte " Krebs kann man nur mit Gift bekämpfen".Nicht mit Misteltherapie, nicht mit hochdosierten Vitaminen oder Naturheilkunde.
Ich bin dankbar und froh, dass ich in einem Land lebte damals, wo man Kindern dieses Gift, diese Chemo gab, damit sie eine Chance zu überleben hatten.


Sorry wikinger, geht nicht gegen dich. Du stellst ja nur die Frage.:yeah:
Aber nach dem, was ich erlebte, diese sterbenden Kinder auf Station und Meines mittendrin, denke ich da radikaler.

Ich streite nicht ab, dass Heilkräuter oder Naturheilkunde unterstützend helfen können. Aber Krebs , nein.

Lao-bay-bay 06.09.2016 09:03

De facto muss man Pharmakologie, Homöpathie und Mystik trennen. Es gibt natürlich wirksame Heilkräuter, aber eben nicht gegen alle Geißeln der Menschheit, ebenso wie auch alle Pharmamedizin nicht alles heilen kann, es kommt eh immer auf die Krankheit an.

Wikinger 11, dieses Denken kam mit einem Trend auf, dessen Namen ich leider nicht mehr weiß. Es klang so ähnlich wie neuheitliche Medizin und es gab da auch einige Reporter drüber. Erdacht von einem Mediziner, der seine Doktorarbeit nicht schaffte aber seine Heilmethoden wie eine Religion verbreitete und erstaunlich viel Anklang fand. Seine These bestand darin, dass unser Körper alles selber zu bekämpfen vermag und das Impfungen und Medikamente nur dazu dienen, uns Psychopharmaka zu verabreichen um uns für die Regierung gefügig zu machen. Ok, nach dem Wahlergebnis in Meckpomm stimmt das vielleicht sogar :D

Allerdings in puncto Pharmaindustrie (zu der der Typ selbst gehört, denn natürlich können nur seine Produkte helfen) sehe ich es ähnlich: wenn ein Arzt einen Vertrag mit einem Pharmavertreter abschließt, bietet er zunächst dessen Produkte an. Zudem ist der Preis für einige Pharmaprodukte zu hoch gehalten. Anfang des Jahres gab es doch auch einen Fall, wo ein Pharmakonzern ankündigte die Produktion eines Medikaments (ich glaube es war gegen Begleiterscheinungen von HIV) gering zu halten, damit der Preis stabil bleibe und so die Gewinne höher sind.

Ein unangenehmes Thema, wenn ich daran denke das solche Konzerne Geld aus Leid machen, wird mir übel.

HW124 06.09.2016 10:16

Hat da nicht vor Jahren das Internet mit seiner 'germanischen neuen Medizin' beglücken wollen? Der hat auch angeblich Krebs geheilt und sowas...

wikinger11 06.09.2016 10:41

Genau, das meinte ich... unter anderem...

Ich habe mir also eine Stunde und vierzig Minuten einen Vortrag darüber angehört und angeschaut.
Demnach kann Krebs durch Vitamin C und andere Vitamine geheilt werden. "Das Ende der Krebs-Epidemie" wird propagiert.
Eine Zeitungs-Anzeige, die der Arzt selbst geschaltet hat, wird als redaktioneller Artikel verkauft. Dort ist vom "Durchbruch in der Krebs-Forschung" die Rede.

Der Mann wurde verurteilt. Es gibt mehrere Todesfälle. Die nach Ansicht des Arztes dann doch wieder durch die Schulmedizin verursacht sein sollen.

So weit, so schlecht.

Das Problem: Es ist ja tatsächlich unbefriedigend, was die Schulmedizin zu bieten hat. Es gibt nicht genug Fortschritte, was die Volkskrankheiten betrifft.
Jeder weiß es auch aus seinem Umfeld. Wird vielleicht zu eindimensional gedacht?
Müsste es nicht viel mehr Forschung hinsichtlich anderer Heilmethoden geben, die dann ja Einklang in die Schulmedizin finden könnten? Gibt es zu viele monetäre Interessen im Gesundheitssystem?

Lao-bay-bay 06.09.2016 10:52

Also ca. 5% des Gesamtbundeshaushaltes Deutschland gehen in die Medizin:
http://www.waldemar-westermayer.de/w...1/haushalt.jpg

Wie meinst du das, es gibt nicht genug Fortschritte? Die Medizin schreitet doch sehr schnell vor, nur die Infotechnologien entwickeln sich schneller.
Turritopsos Nutricula ist aktuell eine der am meisten begehrten "Heilquellen" die im Zentrum der Forschung stehen, da sie sich selbst Reproduzieren kann und somit unsterblich ist. Auch kann sie alle Zellen von sich nachbilden, womit hier der Schlüssel gegen Alzheimer und Krebs liegen könnte.

Problematisch sind eher die immer mehr resistenten Keime. Einer meiner Profs für Immunologie meinte, dass wir in 20 Jahren keine effektiven Wirkstoffe gegen Erreger mehr produzieren können, weil sie durch ihre schnelle evolutionäre Anpassung dann gegen so gut wie alles resistent sind. Daher wird auch in die Richtung geforscht, dass keine Immunisierungen mehr stattfinden sollen um die Heilmittelresistenz somit nicht zu fördern. Eine Lösung ist aber nicht in Sicht.

Ach ja, die germanische neue Medizin, genauso hieß das... hatte diesen Humbug anscheinend erfolgreich verdrängt bis jetzt ;)
Seine Heilmethoden würde ich nicht als solche bezeichnen.

HW124 06.09.2016 11:09

Es wird schon an verdammt vielen Baustellen geforscht, nur bis die Ergebnisse entsprechend bekannt sind dauerts halt....

Wenn ich an meine Ex denke, gesegnet mit einer äußerst seltenen Autoimmunkrankheit....

Ihr Wald- und Wiesendoktor in ihrem Kaff wußte sich nicht anders zu helfen, als ihr dauernd Cortison zu verschreiben...wie wir alle wissen ein Medikament, das nicht für den Dauereinsatz taugt (bzw. unser Körper dafür ungeeignet ist)...

Ende vom Lied: nach 2 (!!!) Jahren hab ich sie endlich soweit gehabt das sie in die Uniklinik nach München ging! Und siehe da, dort wurde ihr kundgetan, das sich grade auf diesem Sektor in den letzten Jahren eine Menge getan hat, und sie hatten auch eine erfolgreiche Therapie zur Hand.

wikinger11 06.09.2016 12:02

Danke für Eure interessanten Beiträge.

Nach wie vor gibt es leider unheilbare Krankheiten.

Es gibt leider nur bei bestimmten Krebsformen wirkliche Fortschritte. Sonst ist man auf dem stand der 80er mit den bekannten Chemotherapie-Verfahren.

Mit Gentherapien höre ich seit Anfang der 90er. Ständig ist von "Durchbruch" die Rede, stattdessen haben sich die Ansätze als ungeeignet erwiesen.

Nehmen wir die Medikamente, die auf dem Markt sind. Viele von denen sind in ihrer Wirksamkeit unbewiesen und umstritten.

Es gibt ganze Fachrichtungen, die man meiner Ansicht nach fast abschaffen könnte. Beispiel: Orthopädie, das könnten die Chirurgen übernehmen.

002gast 06.09.2016 12:02

Ich habe und werde immer einen Schulmediziner - der über 6 Jahre studiert hat, dann noch einen Facharzt anschliesst- einem Naturheilkundler, Homöopathen vorziehen.

Da geht es mir einfach um lange Ausbildung.

Das kann ein Homöopath, der - wieviele, 6,7- Monate eine Schule besucht, einfach nicht mithalten.

So Jemand vertraue ich mich nicht an.

Auf jeden Fall bin ich auch bei Schulmedizinern ein mündiger Patient, und habe immer, in Fällen, wo eine OP anstand, eine Zweitmeinung eingeholt.

Ich habe nichts dagegen, während einer Erkrankung, eine naturkundliche Unterstützung einzunehmen, aber mit meinem Arzt besprochen.

Im Falle meines Kindes riet mit die Onkologin zu einer unterstützenden Mistelkur, aber erst, als die akute Chemo gegriffen hatte.


Fakt ist, meine Tochter wäre in den Händen eines Scharlatans, wie jener berühmt-berüchtigte Doktor, der die " alternative Krebstherapie" anbot, direkt gestorben.



Aber einige Monate Schule ersetzen kein 6,7-jähriges Grundstudium.


Zudem sind Ärzte heute, aus finanziellen Gründen und dem Druck der Patienten, viel offener für Naturheilkunde und pflanzliche Therapien. Schon alleine,weil sie als niedergelassene Ärzte eben auch Unternehmer sind.

Lao-bay-bay 06.09.2016 12:29

Wikinger, du hast Recht das in Tests nur 1/4 der entwickelten Medikamente positive Wirkung zeigen und das die Pharmalobbys eben nicht im Zentrum darauf aus sind zu heilen, sondern Profit zu machen, aber wie sieht denn die Alternative aus?


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