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Micha1972 21.08.2017 13:02

Filme vs. straffällig gewordene Beteiligte
 
Ich poste das mal in den Medien-Bereich, wenn es vielleicht auch als Grundsatz-Diskussion laufen könnte:

Demnächst erscheint der Film „Jeepers Creepers 3“… 14 Jahre nach dem zweiten Teil.
Im Internet wird heiß diskutiert… Aber nicht um Inhalt, Besetzung oder Qualität des Films, sondern um den Regisseur, und ob man den Film überhaupt gucken „darf“, weil man Menschen wie ihn (Regie: Victor Slava) nicht unterstützen wolle/dürfe.

Hintergrund: Victor Salva wurde 1989 wegen Missbrauchs eines Minderjährigen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.
Darüber, dass Missbrauch von Minderjährigen absolut verdammenswert ist, brauchen wir gar nicht zu diskutieren, das ist klar!

Nur, wie seht Ihr das: „Darf“ man Filme gucken, die von verurteilten Straftätern gemacht wurden, bzw. wenn diese an dem Film beteiligt sind?
Ich meine: Ich kann mir schlecht bei jedem Film, den ich gucke, vorher die Führungszeugnisse von allen Beteiligten vornehmen…
Vom Regisseur, über die Produzenten, Drehbuchautor, die Darsteller bis hin zu den Technikern, Garderobe und Schminke!

Oder: Wenn man die Tatsachen kennt, guckt Ihr den Film trotzdem?
In einer Film-Gruppe bei Facebook wurde jetzt sogar ein Verbot ausgesprochen, über den Film oder den Regisseur zu diskutieren. Ich finde, das geht ein wenig weit!

Es geht jetzt nicht unbedingt um den 3. Creeper, das ist jetzt nur ein aktuelles Beispiel.

Eure Meinungen würden mich interessieren! :)

Lynxx 21.08.2017 13:37

Interessant.

Zitat:

Zitat von Micha1972 (Beitrag 5593787)
Hintergrund: Victor Salva wurde 1989 wegen Missbrauchs eines Minderjährigen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Hat 15 Monate abgesessen und wurde wegen guter Führung
entlassen.
Danach hat das Opfer per Kampagne nochmal für weitere
Jahre "Schaffenspause" gesorgt.

Zitat:

Zitat von Micha1972 (Beitrag 5593787)
Darüber, dass Missbrauch von Minderjährigen absolut verdammenswert ist, brauchen wir gar nicht zu diskutieren, das ist klar!

Kann man verdammen, man muss sich aber nicht als Richter
aufspielen. Dafür gibt es "Echte".

Zitat:

Zitat von Micha1972 (Beitrag 5593787)
Oder: Wenn man die Tatsachen kennt, guckt Ihr den Film trotzdem?

Ich habe mir sogar Filme von Leni Riefenstahl angeschaut. :schüttel:

Zitat:

Zitat von Micha1972 (Beitrag 5593787)
In einer Film-Gruppe bei Facebook wurde jetzt sogar ein Verbot ausgesprochen, über den Film oder den Regisseur zu diskutieren. Ich finde, das geht ein wenig weit!

Opferverhalten per Dekret würde ich das nennen.
Für mich wäre das ein Grund, die Gruppe zu verlassen.
Meinungsfreiheit sollte nicht an Betonköpfen kaputt gehen
und - man sollte trennen können.

Zitat:

Zitat von Micha1972 (Beitrag 5593787)
Eure Meinungen würden mich interessieren! :)

:wink:

Micha1972 21.08.2017 14:09

Zitat:

Zitat von Lynxx (Beitrag 5593796)
Kann man verdammen, man muss sich aber nicht als Richter
aufspielen. Dafür gibt es "Echte".

Opferverhalten per Dekret würde ich das nennen.
Für mich wäre das ein Grund, die Gruppe zu verlassen.
Meinungsfreiheit sollte nicht an Betonköpfen kaputt gehen
und - man sollte trennen können.

Das denke ich auch... Vor allem, wo (bei wem) soll man sonst anfangen/aufhören, Filme zu boykottieren!? :schüttel:
Ich werde mir den dritten Creeper auf alle Fälle ansehen. Warte schon gefühlte 23 Jahre darauf! (Denn so oft erscheint der Creeper lt. Film! ;))

Ich habe die Filmgruppe nicht verlassen, mir aber jeglichen Kommentar gespart. ;)

Nightshade 21.08.2017 14:32

In der Kunst sind es oft die, vom Mainstream aus gesehen, kaputten, getriebenen, verletzten Geister, die außergewöhnliches leisten. Man sollte für sich sein Urteil an Hand des Ergebnisses und der Wirkung des Endproduktes bilden, nicht auf der Basis des Herstellers.

...wobei ich zugebe, manchmal nicht ganz frei von Vorurteilen zu sein.

002gast 22.08.2017 12:18

Ich würde mir den Film anschauen.
Versuchen, den Film von der Person des Betreffenden zu trennen.

Ich schaue immer noch gerne Filme von Roman Polanski - z.B." Tanz der Vampire", mit der überirdisch schönen Sharon Tate, die ein so grausames Ende fand-, er ist als Regisseur, Schauspieler echt sehr gut.

Ich trenne das von seiner Biographie. Jeder weiss, um was es da geht.

Oder Richard Wagner. Ein extrem begabter Komponist, dessn Musik mir sehr gut gefällt. "Der fliegende Holländer. Siegfried. Der Ring des Nibelungen...etc."

Aber seine Person verachte ich . Sein Judenhass, sein vorgezogenes Nazitum.
Seine Schnorrermentalität. Sein finanzielles Blutsaugen seiner Gönner und Mäzene.

Bei Wagner gelingt es mir nicht immer.


Oder R.Kelly. Sein "I believe I can fly" erzeugt mir immer noch Gänsehaut und ich singe mit.
Aber ist wiederholt wegen Verführung Minderjähriger in den Medien und soll eine sektenähnliche Gruppe um sich herum aufgebaut haben. Mädchen, die ihm zu Willen sein müssen.

Aber seine Musik? Die mag ich.

Nein, ich trenne das.

Das Endprodukt Kunst ist eine andere Sache.

-=Lexy=- 09.11.2017 17:31

Grade wieder sehr aktuell mit Weinstein und Spacey....

Ich sehe das eher so, daß der Film ein Produkt der Arbeit unter anderem dieser Menschen ist und das aber nicht ausschließlich. Diverse andere Leute haben an diesem Produkt mitgewirkt. Wenn Menschen im Gefängnis Stühle oder Tische produzieren, kann ich mir diese auch, egal, welche Straftat der Mensch begangen hat, ruhig ins Wohnzimmer stellen. Der Tisch kann ja nix zu dem Verhalten der Handwerker.

r.u.m.b.i 10.11.2017 09:25

Ich denke die Kritik geht nicht so sehr in die Richtung des reinen Konsums (du darfst das nicht sehen, weil der ist böse), sondern dass der Filmschaffende meist ja auch (finanziell, PR-seitig) unterstützt wird wenn viele Leute den Film sehen.

Das entschärft die Problematik natürlich bei Riefenstahl und Wagner, die haben da nicht mehr so viel von. Bei aktuellen Künstlern muss man sich halt überlegen, ob man auf den Konsum verzichtet um zusätzlich zur Judikative eine persönliche Lynchjustiz auszuüben.

Wem das wichtig genug ist, der möge seine Facebook-Gruppe entsprechend führen. :schüttel:

Damien Thorn 10.11.2017 11:28

Zitat:

Zitat von r.u.m.b.i (Beitrag 5612643)
Ich denke die Kritik geht nicht so sehr in die Richtung des reinen Konsums (du darfst das nicht sehen, weil der ist böse), sondern dass der Filmschaffende meist ja auch (finanziell, PR-seitig) unterstützt wird wenn viele Leute den Film sehen.

Ich wüsste nicht, wo da das Problem liegen sollte. Unser Rechtssystem betraft Kriminelle. Dafür sitzen sie ihre Strafen ab. Wenn das nicht genug ist, dann läge dies allenfalls an unserem Rechtssystem, nicht am Filme-Konsument. An Vielfachbestrafung kann ich jedenfalls keinen Sinn erkennen. Vielmehr wird die Resozialisierbarkeit jener Menschen dadurch immer schwerer.

Mich jedenfalls würde solch ein Film allenfalls neugierig machen, da ich ggf. rausfinden wollte, ob sich ein Krimineller in seiner Schöpfungsfähigkeit von einem Nichtkriminellen unterscheidet.

-=Lexy=- 10.11.2017 12:29

Zitat:

Zitat von Damien Thorn (Beitrag 5612662)
Mich jedenfalls würde solch ein Film allenfalls neugierig machen, da ich ggf. rausfinden wollte, ob sich ein Krimineller in seiner Schöpfungsfähigkeit von einem Nichtkriminellen unterscheidet.

Nun ja.... ich glaube nicht, dass man da einen großen Unterschied merkt. Irgendwie hat ja jeder Dreck am Stecken


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