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Tobster 21.08.2003 14:13

Sterben und sterben lassen
 
Jetzt ist es wieder mal soweit. Vor vier Jahren um diese Zeit habe wir erfahren müssen, dass mein Stiefvater sterben wird, egal was die Ärzt machen.

Er selber wußte bis zum Schluss nix davon. Sie meinten, dass macht ihn das ganze leichter und er würde.

Kann sein, dass er sich an diesen letzten Strohhalm geklammert hat und am Ende hat er je nix mehr mitgekriegt. Hat gedacht, er wäre gesund.

Ein Hoch auf unser Gesundheitssystem! Er kam zum sterben nach Hause und wir alle kamen mit der Situation nicht zurecht. Jemanden bewußt anzulügen, damit es ihm besser geht.

In der Zeit habe ich alles zurück gestellt und mich voll und ganz auf ihn konzentriert. Ein 24-Std-Tag voller Angst und Stress. Man wüßte ja nicht, wann es denn soweit sein könnte.

Ich hab ihn geholfen wo es ging um ihn den "Abgang" so leicht wie möglich zu machen. Das ganze hat über zwei Monate gedauert. Immer wieder mit Höhen und Tiefen, wobei die Tiefen in den letzten Wochen immer mehr die Oberhand gewonnen haben.

In der Zeit bin ich um etliche Jahre gealtert und habe auch mein Lachen verloren.

Jemand Tag für Tag ein Stück mehr sterben zu sehen ist echt die Härte und ich wünsche diesem nicht mal meinen schlimmsten Feind. Ich hab zwar keinen, aber diese Situation ist tötlich für jeden. Egal wie hart oder weich man ist.

Ich hatte zwar die Möglichkeit mich langsam daran zu gewohnen und mich langsam von ihn zu verabschieden. Aber was wäre passiert, wenn der auf dem OP-Tisch gestorben wäre?

In dieser Zeit kommt man irgendwie von selbst darauf, sich mit dem Tod und dem Ableben zu beschäftigen.

Kann ein Mensch überhaupt in Würde sterben? Ich glaube nicht. Jeder, der noch nicht bereit ist wehrt sich irgendwie dagegen.

Stirbt ein Mensch, der eingeklemmt im Auto ein würdevoller Tod? Umzingelt von etlichen Leuten, die gaffen und vielleicht noch alles filmen, damit es auch ja in die 20-Uhr-Nachrichten kommt.

Stirbt jemand in Würde, dessen Tod langsam und schleichend ist?

Ich weiß es nicht. Ich glaube nur, dass der Tod nichts würdevolles an sich hat.

Die Würde bleibt irgendwann auf der Strecke man kann sich nur bemühen den liebsten den ganzen Weg nur so leicht wie möglich zu machen.

Die letzten drei Tage waren die schlimmsten. Er hat nix mehr mitbekommen und lag vollgedröhnt im Bett und hat gewartet.

Eine Woche nach seinem Geburtstag ist er dann nachts gestorben. Man sagt zwar immer, "er ist eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht", aber ich weiß es besser. Ich mußte es leider miterleben.

Der ganze Körper wehrt sich dagegen und fällt irgendwann in sich zusammen.

Die Abtransport des Leichams erspar ich mir hier. Polizei, Notarzt und Leichenbestatter. Das hat wirklich nix mehr mit Würde eines Menschen zu tun.

Danach bin ich in ein tiefes Loch gefallen, wo ich noch bis vor einiger Zeit immer mal wieder reingerutsch bin. Man fühlt sich leer und nutzlos.

Das war die schlimmste Zeit meines Leben. Aber ich konnte mich wenigstens mit dem Gedanken befassen ihn loszulassen. Auch wenn ich manchmal glaube es war zulange, so hat es mir doch ein wenig geholfen.

Gestorben ist man eh erst, wenn niemand mehr an einen denkt. Ich denke zwar immer noch an ihn und die gemeinsame Zeit. Aber nur an die Zeit vor der Diagnose. An dem Tag wo er ins Krankenhaus ging, ist wohl schon ein Teil von ihn gestorben.

Nochmal könnte ich das nicht durchmachen! Auch nicht bei meinem eigenen Vater! Einmal ist schon fast zu viel.

Ich weiß nicht, wann und wie ich einmal sterben werde. Ich hoffe zwar, dass ich ewig leben werde und wenn es doch mal soweit sein sollte, dann doch in einen großen Feuerball, der vom Himmel kommt.

Aber Spaß beiseite. Angst vor dem Tod habe ich nicht mehr. Den habe ich abgelegt und sehe den Tod erst als Anfang von was neuem.

Vielmehr Angst habe ich vor dem "Wie"...

An Gott und dem ganzen Kram glaube ich nicht, aber irgendwas neues wird schon kommen.

in einem bin ich mir nur sicher! Ich will nicht mehr vor meinen Ängsten davon laufen.

Ich habe mich diesen gestellt und soweit besiegt. Ich muß mich zwar jeden Tag diesen Kampf auf´s neue stellen, aber das schaffe ich Dank lieber Freunde immer wieder.

Dieses Jahr werde ich mich nicht unterkriegen lassen und wieder fröhlich sein.

Ich habe endlich mein inneres wieder zu Leben erweckt und mich selbst gefunden, weiß was wichtig ist und worauf ich verzichten kann.

Dieses Gefühl will und werde ich mir bewahren. Und das für den Rest meines Lebens!

smutna 21.08.2003 15:05

Hallo Tobster,

auch wenn es Dir nicht weiterhilft.............
Es tut mir leid was Du durchgemacht hast bzw. noch immer durchmachen muss.

Meine Arbeitskollegin ist im Moment in einer ähnlichen Situation. Ihre Mutter liegt im Sterben. Es kann jeden Tag soweit sein, aber es kann auch noch Wochen / Monate dauern. Weiss nicht, wie es in ihr drin aussieht doch ich weiss, dass es eine verdammte harte Situation ist, etwas dass man wirklich niemandem wünscht.
Ich bewundere sie dafür, dass sie jeden Tag ins Büro kommt und ihren Job macht.

Ich würde ihr gerne weiterhelfen, Trost spenden. Kann man in so einer ausweglosen Situation überhaupt Trost spenden ??
Das einzige was ich tun kann ist für sie da zu sein.........

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft.

Liebe Grüße
Smutna

schockschwerenot 21.08.2003 15:09

Re: Sterben und sterben lassen
 
Zitat:

Original geschrieben von Tobster
Ein Hoch auf unser Gesundheitssystem! Er kam zum sterben nach Hause und wir alle kamen mit der Situation nicht zurecht. Jemanden bewußt anzulügen, damit es ihm besser geht.
Dies ist ein Posting, das mir sehr wichtig ist. Aber das Problem des gnädigen Lügens, das würde ich dem Gesundheitssystem nicht anlasten. Auch nicht unbedingt das Problem, jemand zu Hause sterben lassen oder im Krankenhaus, letzteres vielleicht nur durch Hoffnungen zu rechtfertigen.
Zitat:

Jemand Tag für Tag ein Stück mehr sterben zu sehen ist echt die Härte und ich wünsche diesem nicht mal meinen schlimmsten Feind. Ich hab zwar keinen, aber diese Situation ist tötlich für jeden. Egal wie hart oder weich man ist.
Du hast die Härte auf dich genommen, für ihn. Ich finde das ganz groß. Man kann sich immer drücken.

Zitat:

In dieser Zeit kommt man irgendwie von selbst darauf, sich mit dem Tod und dem Ableben zu beschäftigen.

Kann ein Mensch überhaupt in Würde sterben? Ich glaube nicht. Jeder, der noch nicht bereit ist wehrt sich irgendwie dagegen.
Mein Vater starb, als ich im Ausland war. Es kommen dieselben Fragen. Die Zeit vor dem Tod ist selten würdevoll. Würde verleiht allenfalls die Liebe, die wir immer noch aufbringen können, auch wenn der Zustand jammervoll ist.

Zitat:

Die Würde bleibt irgendwann auf der Strecke man kann sich nur bemühen den liebsten den ganzen Weg nur so leicht wie möglich zu machen.
Ich denke schon, dass das auch Würde bedeutet, wenn der Sterbende mit Liebe behandelt wird. Würde hat jemand doch nicht absolut, sondern in den Augen des Betrachters.

Zitat:

Danach bin ich in ein tiefes Loch gefallen, wo ich noch bis vor einiger Zeit immer mal wieder reingerutsch bin. Man fühlt sich leer und nutzlos.
Du warst so hilfreich und wichtig, wie ein Mensch nur sein kann. Wenn der Tod dann da ist, kommt die Leere. Aber es kommt auch ein anderes Leben. Am Ende ist es doch so, dass das eigene Leben so wertvoll ist wie das, was du zu schützen dir aufgegeben hattest.

Zitat:

Angst vor dem Tod habe ich nicht mehr. Den habe ich abgelegt und sehe den Tod erst als Anfang von was neuem.

Vielmehr Angst habe ich vor dem "Wie"...
Ja, und Angst davor, dass der Weg zu lang sein könnte ohne Chance eines eigenen Eingreifens. Und dass ein anderer den Dienst an dir tut, den du gerade getan hast. Dass der dann dabei so leidet wie du gerade.

Zitat:

Dieses Jahr werde ich mich nicht unterkriegen lassen und wieder fröhlich sein.
Lass dir die Zeit, die du brauchst. Es klingt ja gut: es gibt Freunde und du weißt die Probelem zu benennen, die dich drücken.

Gute Wünsche von hier!

schockschwerenot

Tobster 21.08.2003 16:21

@smutna

Ich hab neben seiner Pflege auch mit meiner Ausbildung weitergemacht. Zwar ohne Ausbildungsfirma, aber das hat schon gereicht. Und dann noch seine Firma.

Das gibt einen irgendwie Kraft für die nächsten Tage. Ich weiß nicht, wie andere dazu stehen, aber ich habe in der Zeit nur von Tag zu Tag gelebt und gesehen, dass ich möglichst wenig nachdenke und viel arbeite.

Das macht auch wohl deine Kollegin durch.

Trost und Kraft geben ist was gutes. Aber nur wenn es erst gemeint ist. Ich hab etliche Beileidbekundungen bekommen und es wollten auch alle für mich da sein und mir helfen.

Aber nach dem Tod hab ich erst gesehen, wer meine Freunde sind und wer sich berzogen hat. Dabei spielt die Länge der Freundschaft keine Rolle. Erstaunlicherweise gaben wir die Freunde, die ich erst kürzlich kennen gelernt hatte die Kraft.

Es tut weh immer über die Sache zu sprechen.

Du kannst nicht mehr tun, als ihr deine Hilfe anzubieten und ihr sagen, dass du für sie da bist. Dabei solltes du bedenken, dass du es nicht täglich sagst. Das machen schon andere. Laß es sie wissen und behandel sie dann ganz normal und packe sie nicht in Watte.

Mir gab es die Kraft, dass er am Ende ziemlich schnell gestorben ist. Drei Tage im sterben lieben, ist nicht so schlimm, als wenn du Tage oder sogar über Monate an Maschinen angeschlossen bist und nix mehr mitbekommst.

Irgendwann fängt der Körper an sich wundzulegen. Und das ist wahrlich kein schöner Anblick.

Auf jeden Fall muß sie sich selbst öffnen.

Aber schon der Gedanke, dass sich jemand anderes für sich selbst Gedanken macht, hilft einen. Auch wenn sie es im Moment nicht so zeigen kann.

Danke für deinen Trost!

Odina 21.08.2003 19:29

Hi tobster,
erstmal will ich dir sagen wie leid es mir tut, ich kann mir vorstellen was du mitgemacht hast. Mein Freund hat seine Mutter auch zum Sterben nach Hause bekommen (sie hatte Darmkrebs)
und ist damit noch heute (4 Jahre später) noch nicht fertig geworden. Ich wünsche dir viel Kraft und alles Gute

Gina 21.08.2003 20:32

Hallo Tobster...

ich bin immer noch am weinen, weil viele deiner Zeilen mich sehr berührt haben (dass ich weine, ist nicht schlimm, es gehört dazu).

Ich weiss jetzt gar nicht, wo ich anfangen soll, was ich dir schreiben soll. Es geht mir unheimlich viel durch den Kopf und ich verliere gerade den roten Faden.

Mein Dad ist vor fast 4 Jahren (Anfang September) gestorben, und ich kann die Aussage "Jemand Tag für Tag ein Stück mehr sterben zu sehen ist echt die Härte und ich wünsche diesem nicht mal meinen schlimmsten Feind. Ich hab zwar keinen, aber diese Situation ist tötlich für jeden. Egal wie hart oder weich man ist." von dir nur unterstreichen.

Vieles, was du geschrieben hast, kann ich nur unterstreichen, auch die Aussagen mit den Freunden oder dem Wundliegen. Dad war 1 Jahr im Bett (komplett gelähmt von Hals an abwärts), und ich sehe seinen starren, blassen, verbeulten, abgemagerten Körper, sein verschmerztes Gesicht, seine traurigen, schreienden Augen heute noch so klar vor mir. Es vergeht einfach nicht, nein, es vergeht einfach nicht. :schüttel:

Ich habe in der Zeit viele Meinungen und Erfahrungen gehört, diskutiert, geredet und geschrien, Therapie gemacht, ADs geschluckt - es ändert einfach nichts. Manchmal denke ich, es wird nur noch schlimmer. Aber das soll nicht das Thema sein.

Ich "freue" mich nur, wenn ich mal auf Menschen treffe, die das auch so klar und bewusst erlebt haben, sich nicht hinter dem Deckmantel des Verdrängens, des Schönredens, der Flucht vor Unannehmlichkeiten verstecken.

Nun habe ich wieder alles umgeändert, was ich geschrieben habe bzw. schreiben wollte. Vielleicht kann ich ein anderes Mal mehr und besseres dazu schreiben.

Eigentlich wollte ich dir auch einfach nur mein Mitgefühl ausdrücken. Ich habe Respekt vor Menschen, die derart sensibel und liebend sind, und ich bin froh, dass du am Schluss deines Postings positiv geschrieben hast und neue Freunde gefunden hast. Das ist sehr sehr sehr wichtig.

Alles Liebe!
Ich würde gerne mehr von dir lesen.

Tobster 21.08.2003 22:35

Hi @ all!

Ich hatte gar nicht mit soviel Resonanz gerechnet. Danke für eurer Beileid. Aber deswegen habe ich das nicht geschrieben. Eigentlich bin ich von Natur jemand, der gerne lacht und redet. Aber nach dem Tod hab ich irgendwie verlernt zu reden und hab es lieber runtergeschluckt. Wollt einfach keinen damit belasten.

So richtig hab ich die Fähigkeit wohl immer noch nicht wieder gefunden. Ich kann zwar wieder reden, aber ich kann meine Gefühle nicht richtig zum Ausdruck bringen. Deswegen sollte man mir auch gegenüber sitzen und meine Gesten beobachten.

Ich habe statt dessen angefangen, alle meine Gedanken und Gefühle aufzuschreiben. Ich hab letztens die ersten Geschichten gelesen und heute denke ich, dass da ein Lebensmüder am Werke war.

Ich will einfach wieder leben und lachen. Natürlich wird mich das nie ganz loslassen, und mein Stiefvater wird immer in meinem Herzen weiterleben, aber es ist Vergangenheit und ich möchte in der Gegenwart leben.

@Odina

Mein Stiefvater hatte Leberkrebs, der irgenwann in Richtung Darm gestrahlt hat. Ich weiß nicht wie es bei Darmkrebs ist, aber wenn Krebs nicht unbedingt am Knochen, Blut oder im Gehirn auftritt, dann soll er meist ohne Schmerzen auftreten. Die Schmerzen sollen nach der Meinung der Ärztin durch die Ausfallerscheinungen herrühren.

@Gina

Wegen mir oder meinen Zeilen brauchst du nicht weinen. Es ist schon zu viel Leid in der Sache passiert.
Hallo Tobster...

ich bin immer noch am weinen, weil viele deiner Zeilen mich sehr berührt haben (dass ich weine, ist nicht schlimm, es gehört dazu).

Ich habe die ganze Geschichte ohne Therapie oder ähnliches durchgemacht, habe lieber alles mit mir selbst ausgemacht.

War ein Fehler! Das weiß ich heute.

Ich möchte einfach drüber reden können. Das lerne ich gerade wieder. Aber vorher hab ich wohl meine Gefühle gut verstecken können.

Sensibel bin ich, vielleicht zu viel um damit richtig umzugehen. Vielleicht hätte ich einfach mal stärker das "ich" sehen müssen. Ich weiß es nicht.

Ich will nur die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Ich lebe im Jetzt und möchte mir nicht die Zukunft von der Vergangenheit diktieren lassen. Sie soll mir viel mehr als eine Art Hinweis dienen.

@Schockschwerenot

Sorry, dein Fett bekommst du morgen weg. Hab morgen einen schweren Tag und will pennen... ;-)

Gina 22.08.2003 01:32

Tobster, ich antworte dir mal lieber per PN!

LG!

Finnwal 22.08.2003 02:42

Das Thema Tod und Sterben wird in unserer Gesellschaft immer mehr totgeschwiegen. Obwohl das Lebensende nun mal zum Leben mit dazu gehört und obwohl es klar ist, dass jeder von uns sterben wird.
Dieses allgemeine Totschweigen bringt mit sich, dass Aspekte davon sogar verklärt werden. Dazu gehört der Ausdruck "in Würde sterben". Mich stört der auch. Bei vielen Kranken hat die manchmal sehr lange Leidenszeit vor dem Tod nun wirklich nichts Würdevolles an sich. Und bei dem tragischen Fall, als ein Kind im Reisebus an der Lüftungsklappe spielte, diese sich öffnete, das Kind rausstürzte und sofort überfahren wurde, auch da ist von Würde keine Spur.

Ich bin froh, dass mein Vater damals (vor 6 Jahren) plötzlich "ging", als feststand, dass er künstlich ernährt werden muss und der Flur meiner Mutter schon voller Kisten mit dem ganzen Zeug stand. Das wäre kein Leben mehr gewesen, nur langsames Dahinsiechen. Im Gegensatz zu Dir ist mir das also weitgehend erspart geblieben.

Was ish aus dem traurigen Thema Tod an Positiven ziehen kann, ist hauptsächlich dies: Das wir leben, möglicherweise sogar weitegehend gesund und mit einigen schönen Dingen in unserem leben, ist überhaupt nicht selbstverständlich. Ich schaffe es auch leider nicht, aber ich WÜRDE GERNE jeden Tag neu als tolles Geschenk begreifen, anstatt mich über kleine und große Probleme zu ärgern.

Ich wünsche Dir viel Kraft und positive Erlebnisse!

Max_22 22.08.2003 06:08

Ich denke, ich kann es ebenfalls nachvollziehen. Meine Mutter ist früh gestorben, an Lungenkrebs. Ist nun auch schon wieder über 7 Jahre her. Sie war ebenfalls die meiste Zeit daheim, gestorben ist sie dann allerdings im Krankenhaus. Zu sehen, wie die Frau, die man bis dato immer nur als liebevolle und kraftvolle Mutter kannte, jeden Tag ein Stück mehr ihrer Kraft verliert... muss ich denke ich nicht näher erläutern.

Knapp 9 Monate hat es gedauert, dabei war am Anfang von 2 Monaten die Rede. Und ja, manchmal wünsche ich mir heute noch, dass es doch wirklich so schnell gegangen wäre. Von Lungenkrebs über so einen langen Zeitraum hinweg gequält zu werden, hat wirklich nicht mehr Ansatzweise etwas mit Würde zutun.

Und dann sitzt man da und weiss nicht mehr, was man sagen soll. Sieht, wie sie selbst die 10 Meter zur Toilette nicht mehr schafft, da die Luft fehlt. Sieht, wie sie panisch Luft holt und Angst hat, zu ersticken und in der Panik ruft, dass sie nicht mehr will. Und man kann nicht erahnen, was sie wohl wirklich denkt und fühlt. 12 Monate vorher noch gesund, immer auf das Wohl ihrer Kinder bedacht, grundsätzlich die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund gestellt, und dann das. Ja, da verliert man schnell mal seine Lebensfreude.

Der nähcste Schock kam schon 3 Jahre später, da erkrankte mein Vater an der gleichen Krankheit. Zum Glück konnte er aber operiert werden und hat Chemo bekommen, weil es früh gefunden wurde und was alles auch geholfen hat. Heute ist er praktisch gesund. Die ersten Tage, kann man sich denke ich nicht vorstellen, was in der Familie für eine Stimmung herrschte. Und die Zeit selbst, Chemo, OP etc. war auch nicht wirklich einfach, aber dieses mal hat der Kampf gelohnt.

Offen gestanden wüsste ich nicht, was ich tun würde, wenn es so einen Fall in meinem näheren Umfeld noch einmal gibt. Ich habe mir damals eigentlich schon gesagt, dass ich so was nie wieder sehen und erleben möchte. Würde ich flüchten? Meinem Seelenheil den Vorang geben? Einen Menschen, der mir wichtig ist, in so einer Zeit alleine lassen, damit es mich nicht trifft? Feige sein? Vielleicht... und alleine für den Gedanken sollte man sich eigentlich schon schämen. Daher bin ich auch immer beeindruckt, welche Kraft viele andere in solchen Situation aufbringen können.

Wünsch dir was :)


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