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Wolke79 22.06.2005 20:20

Das Kind hat einen Namen..Sexuelle Belästigung
 
Hallo
ich muß mir mal was von der Seele schreiben und hoffe auch Meinungen,Ratschläge, Gedanken u.s.w von Außenstehenden zu bekommen.
Vielleicht auch selbst Betroffene zu hören oder anderen Betroffenen Mut zu machen.
Ich versuche mich so kurz wie möglich zu halten.
Der Grund weshalb ich hier schreibe; habe sehr oft mit Freunden, Verwandten und Familie gesprochen die mir auch immer zuhörten aber besser gehts mir trotzdem nicht.

Alles fing vor 2 Jahren an,In dieser Phase fing mein Kollege (20 jahre älter, Frau, Kinder, Hund, Haus) an derbe Sprüche zu reißen, mich über sein privates Sexualleben aufzuklären(tja, es lief halt nicht mehr). Ich bin alles andere als überempfindlich oder prüde nur dieses Verhalten ging dann doch schon zu weit. Ich versuchte ihm klar zu machen das es mich nicht interresiert und er das unterlassen soll.Er ließ es aber nicht, ging immer weiter, immer schlimmer das es mit eindeutigen Einladungen,viel zu nahem unnötigem Körperkontakt endete. Ich versuchte es auf allen möglichen Wegen, es war ihm egal.
Es ging soweit das er anfing mich anzufassen, ich ihn wegstieß, ihn anbrüllte oder ignorierte.
Ich versuchte es einfach zu verdrängen, denn noch ein Problem konnte ich wirklich nicht gebrauchen.Ich dachte mir; Wieso das Leben unnötig schwer machen, verdräng es einfach ( Was , wie ich heute merke der größte Fehler meines Lebens war)
So ging es dann weiter..
Und ich hatte Angst das man mir nicht glaubt, ich habe mich sehr geschämt.
Ich habe es mir also gefallen lassen und plötzlich fingen körperliche Beschwerden an(Kopfschmerzen, die nicht zugeordnet werden konnten, Atemprobleme und keine organischen Gründe zu erkennen)Schlaflosigkeit, Magenschmerzen, Schwindel, aggresiv.
Der letzte Facharzt hat sich dann mal länger mit mir unterhalten und hat irgendwie (fragt mich nicht wie) angedeutet das es Probleme mit meinem Zimmernachbar gibt.
Die letzten Woche mußte ich immer länger arbeiten und war mit einem netten Kollegen meist allein. Irgendwann wurde es mir zuviel und während einer Unterhaltung über ein Projekt platzte es einfach aus mir heraus, ohne nachzudenken, ich wollte das nicht und habe ihn angefleht niemanden davon zu erzählen.
Am nächsten Tag hat mein Kollege dann alles unserem Abteilungsleiter erzählt, keine Einzelheiten nur das etwas vorgefallen wäre und mein Chef sich noch mit mir unterhalten würde.
Mir war schlecht, das ganze Wochenende über.
Montags nur am zittern, versucht meinem Chef aus dem Weg zu gehen,Atemnot, Panik doch der Tag ging vorüber .
Nächster Tag,Chef war kaum im Haus,das Telefon ging und mein Chef fragte ob ich mal 5 Min. hätte.....
Ab ins Büro, Tür zu, hinsetzen und abwarten.
Ich brauchte wohl ganze 10 Min. bis ich reden konnte. Er sagte mir immer wieder das ich mich nicht schämen müßte und das es mir nicht peinlich sein müßte. Dann liefen die ersten Tränen und ich legte los und das erste mal sah ich meinen Chef sprachlos.
Gott sei dank glaubte er mir wohl da er außer sich war, ich sehr viele Details erzählt habe und er mir sagte das ich Anzeige erstatten kann wenn ich möchte das mir dadurch keine Betrieblichen Probleme entstehen und ich das tun soll was mich zufrieden stellt. Ich sollte jetzt halt mal abwarten.

Seit diesem Gespräch ist mir erst bewußt geworden was da eigentlich vorgefallen ist, wie erniedrigend ich behandelt wurde und ich das 2 Jahre mitgemacht habe,das einzige was mein Chef mir auch zum Vorwurf machte; das ich 2 Jahre nichts gesagt habe.

Dieses Gespräch ist nun 3 Wochen her und seit dieser Zeit kommt alles irgendwie was 2 Jahre war in mir hoch, schlafe höchstens 3 Std, bin hochgradig aggressiv, schlecht gelaunt, jeden Tag irgendwas anderes was mir weh tut, überempfindlich (denke jeder will mir was böses), einfach so habe ich Tränen in den Augen, fühl mich nur noch zuhause sicher, jeder Tag ein Kampf zur Arbeit zu gehen, ich versuche weiterhin meinem Chef aus dem Weg zu gehen. Ich schäme mich so 1. weil ich geheult habe vor ihm, 2. ich ihm so knallharte Dinge erzählen mußte, 3. er jetzt zuviel von mir weiß, 4. er sich denkt ich wäre super empfindlich und er solche Gefühle/Situationen nicht verstehen kann.

Ich sitze weiterhin meinem Kollegen gegenüber und er widert mich an, purer Ekel, ich könnte jedes Mal unter die Dusche springen wenn ich daran denke was alles vorgefallen ist.
Jetzt kann ich nichts mehr verdrängen....es ist raus gekommen und ich fühle mich beschissener als je zuvor weil ich meine Gefühle nicht unter Kontrolle habe und ich nicht mehr die heile Welt vorspielen kann.

Ich bin mal so gerne zur Arbeit gegangen, habe gelacht und war gut gelaunt.
Was ist jetzt; ich laufe mit einem Gesicht rum das mich selbst nervt, erschrecke mich wenn irgendjemand hinter mir steht, gehe ein schritt zurück wenn ein männlicher Mitarbeiter hinter mir oder neben mir steht, laufe unter Strom durch die Firma, jederzeit zum Angriff bereit, beiße mir Lippen blutig und kein Ende ist in Sicht.

Jetzt muß ich abwarten und einfach Zähne zusammenbeißen was weiter passiert. Ich werde immer auf dem laufenden gehalten wenn der nächste Schritt geplant ist, aber das hilft mir im Moment auch nicht weiter.

Fühle mich außer Kontrolle, hilflos mit den Armen rudernd und bekomme nicht mal einen kleinen Ast zu fassen. Schwer zu beschreiben.

Ein netter Rat bei Zwischengesprächen; Du mußt für Dich einen Weg finden damit umzugehen, eine Person der Du vertraust.

Diese Personen wissen seit 2 Jahren Bescheid und können mir auch nicht helfen, außer zuhören und Ratschläge geben können Sie auch nicht, wäre schön wenn jemand von Ihnen die Zeit zurückdrehen könnte!

Vielleicht ist dieser Weg der richtige! Vielleicht finden sich noch mehr zu diesem Thema! Vielleicht ist jemand dabei der in einer gleichen Situation ist und froh ist zu wissen das er nicht alleine ist!

Frechstern 22.06.2005 20:37

Hallo Wolke...

was du jetzt erlebst ist...das deine Seele allen "Müll" rausjagt...und dich körperlich und seelisch alles im vollen Umfang durchleben lässt...was du die letzten 2 Jahre verdrängt hast.

Dadurch das du mit deinem Kollegen und deinem Chef geredet hast...ist alles REAL geworden...und du kannst es nicht mehr vor dir selbst verleugnen.
Hut ab übrigens...das dein Kollege sich nicht an deine Schweigebitte gehalten hat...sondern dafür gesorgt hat...das es rauskommt.

Ich fürchte...emotional und körperlich wird es jetzt erstmal weit runter gehen...viel weiter als es bisher war...aber durch dieses REAL werden...kannst du nun auch erst daran arbeiten...den seelischen Druck durch den Missbrauch zu verarbeiten.

Hast du dir überlegt...welche Schritte du gegen den Ar sch einleiten willst?

Such dir dringend psychologische Hilfe...ich glaube nicht...das du es allein oder lediglich über Gespräche hinweg...wirklich effektiv verarbeiten kannst...oder...rede nochmal mit deinem letzten Arzt...der Mann hatte jawohl offentsichtlich ein gutes Händchen und einen sicheren Instinkt für deine Probleme...er kann dir bestimmt einen Rat geben...was dir weiter helfen kann.

Ansonsten...fühl dich einfach tröstend ge:knuddel:t

Suga 22.06.2005 21:25

ich weiß ja auch nicht, ob es ein guter Tipp für dich ist und ob du überhaupt da drauf
eingehen willst, aber du bist jetzt depressiv und musst was dagegen machen.
Mach zB Yoga. Hab gehört es sei sehr gut für depressive Leute.

Dschinni4 22.06.2005 22:42

Auf jeden Fall ist es gut, daß es raus ist, wie wäre es mit einer Woche Urlaub oder Krankschreibung?
Die Scham sowie die momentanen Gefühlsflut, die ja hauptsächlich einfach daher rührt, daß jetzt alles auf dem Tapet, sind nicht auszuschalten, weil sich alles sortieren will,
aber das wird schon wieder.
Natürlich hat man die Situation mitverursacht, aber man ist nicht allein schuld daran. Schuld ist schon immer noch der, der den anderen bedrängt, gängelt, verletzt.
Geh nicht zu hart mit Dir ins Gericht, falls das der Fall sein sollte.
Dein Lernprozess hat ja schon eingesetzt.

Selbstschwächung durch Selbstkritik ist nicht förderlich.

Stört Dich hauptsächlich, daß Du damit kämpfst, daß Du zu schwach gewesen bist um Dich zu wehren?

Falls ein Ratschlag gewünscht wird: Stirn zeigen, gerade da, wo es Dir am unangenehmsten ist. Die schwierigsten Dinge vielleicht zuerst.

Lex 23.06.2005 04:07

Hallo wolke,

ich verstehe vieles von dem was du geschrieben hast.


über diese dinge die hier unten stehen würde ich mir weniger gedanken machen.

Zitat:

Zitat von Wolke79
Ich schäme mich so 1. weil ich geheult habe vor ihm, 2. ich ihm so knallharte Dinge erzählen mußte, 3. er jetzt zuviel von mir weiß, 4. er sich denkt ich wäre super empfindlich und er solche Gefühle/Situationen nicht verstehen kann.

man sollte meiner meinung nach einen chef gerade in solchen situationen als vertauensperson sehen. so wie du es geschildert hast, ist er das auch und steht hinter dir. :yeah:
versuche ihm in einem vertraulichen gespräch nochmal dazulegen, wie es dir geht und wie sehr es dich bewegt,
das er davon kenntins hat.


:knuddel:

AndrewAustralien 23.06.2005 11:27

Ich glaube du bräuchtest erstmal eine oder ein paar Wochen weg vom Arbeitsplatz, erstens um, dich zu erholen und zweitens damit du klar darüber nachdenken kannst, was du nun machen willst und entsprechenden Rat holen kannst. Vielleicht geht das irgendwie?

Ich finde auch, der Chef scheint dir helfen zu wollen. Vielleicht gibt es andere/hörere Chefs die bei der nächsten Diskussion anwesend sein könnten?
Den es könnte sich lohnen, den Chef zu fragen, ob der Kollege nicht in einer anderen Abteilung oder an einem anderen Schreibtisch arbeiten könnte.

Gibt es andere Kollegen deines Vertrauens mit denen du sprechen kannst? Das würde vielleicht auch helfen. Besonders wenn andere wissen, warum du nicht so glücklich bist momentan, daß es mit einem bösen Typ und nicht den anderen zu tun hat.

Ich wünsche dir viel Glück. :)

Wolke79 23.06.2005 17:14

Hallo,
danke für die Antworten.
Ich habe jetzt bald Urlaub und den werde ich nur für mich nutzen und Abstand zu bekommen. In 1 Monat fahre ich mit ner Kollegin zusammen weg.
3 Kolleginnen wissen halt warum ich so mies drauf bin und sprechen auch immer mit mir wenn Sie merken das ich bald platze. Mein Chef weiß halt Bescheid, läßt sich Gott sei Dank nichts anmerken. Im Gegenteil habe das Gefühl mehr Druck zu bekommen und gemecker, kann natürlich auch sein das ich jetzt super empfindlich bin, habe sehr oft das Gefühl das er genervt von mir ist und auch gerne Urlaub vor mir hätte!
Mich schaut er böse an und meckert wegen irgend einer Kleinigkeit und ein Büro später lacht er lauthals. Denke natürlich das es besser gewesen wäre wenn ich ihm gar nichts erzählt hätte, die haben ja jetzt nur Ärger und Streß wegen mir.
Zusätzlich bange ich jetzt um meinen Arbeitsplatz; wer weiß wie angenervt die von mir sind!!

Luni 23.06.2005 17:49

Also,

1. Kam es zum Verkehr?
2. Geh den Rechtsweg, verklag ihn. Das ADG ist raus. Verlasse den Betrieb, es macht so keinen Sinn.
3. Was dich nicht tötet, macht die stärker. Nietzsche, aus der Kriegslehre des Lebens.
Du must dich ein für alle mal von diesem Problem befreien, es aus der Welt schaffen. Nimm Rache, zerstör seine Exitenz, nutze Rufmord, empfinde Hass. Das ist der einzig natürliche Weg. Ein Tier das bedrängt wird beisst. Und das ist allemal intelligenter als zu leiden.

Hass ist wie Liebe existenziell. Also Hasse. Und vorallem - sei stark, kein Selbstmitleid. Dir ist schlimmes wiederfahren, aber resignieren bringt nichts.

Luni 23.06.2005 17:51

Zitat:

Zitat von expat
Sag mal hast du einen Knall? Du machst Ärger?

Obwohl ich der Meinung bin das du nen Knall hast antworte ich mal auf deinen Einwurf.

Du (nicht Expat, also der mit dem Knall *peng*) bist an nichts schuld. Du hast dir nichts vorzuwerfen. Dir kommt es doof vor weil du eigentlich nur deine Ruhe haben willst, du hast keinem was getan und willst den Ärger nicht.

Wolke79 23.06.2005 18:30

Also, ich weiß eigentlich das ich nicht daran Schuld bin. Nur wissen wir alle auch, der Firma geht es in erster Linie um Zahlen und zwar um schwarze, um den Ruf und das Ansehen.
Wer nicht spurt fliegt, wer aus der Reihe tanzt fliegt, wer Ärger macht fliegt.

Nein, zum Verkehr kam es nicht! Sonst hätte ich die Firma sofort verlassen und Anzeige gemacht. Wobei ich dazu sagen muß das der lange Zeitraum und die Intensivität mir fast identisch erscheinen. Sagen wir mal so, ich kann fast nachvollziehen wie sich vergewaltigte Frauen fühlen, natürlich um einiges schlimmer.

Der vergleich mit dem Tier ist gut; genauso habe ich es ja gemacht, jeden "angeknurrt und gebissen" was mich fast meinen Job gekostet hätte wie ich erfahren habe.
Mein Chef war genervt von meiner schlechten Laune, über patzige Antworten meinerseits und das lange Gesicht das ich immer ziehe. Dabei wollte ich immer nur meine Ruhe, meine Arbeit gut machen. Sein Beitrag;Ich kann kein Gezicke ertragen, ich hasse so etwas, irgendwann hätte es mir gereicht, jetzt weiß ich ja warum.

Es geht halt nicht das ich von jetzt auf gleich locker, lachend durch die Firma springe nur weil ich darüber gesprochen habe, das Problem bleibt das gleiche. Und genau das wird er nicht verstehen und sich ärgern das ich mich nicht ändere.


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