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Alt 28.02.2024, 17:59   #1
Forengast
Junior Member
 
Registriert seit: 09/2021
Beiträge: 4
Kämpfen oder nicht!?

Hallo liebe Leute,

nach einer intensiven und sehr verliebten Kennenlernphase von zweieinhalb Monaten brauche ich zu der doch abrupt erfolgten Trennung ein wenig Rat und gerne auch konstruktive Kritik...

Zunächst möchte ich meine Gesamtsituation schildern, um den für die Kennenlernphase herausfordenden Rahmen zu beschreiben:

Aktuell studiere ich (31) noch Physik, arbeite sehr viel, fast Teilzeit und habe aus einer zwei Jahre zurückliegenden Beziehung, eine kleine Tochter, die zu 50% bei mir ist und dementsprechend auch viel Raum einnimmt. Leider gab und gibt es in der Elternschaft immer wieder stärkerer und von seiten der Expartnerin auch sehr emotional geführte Auseinandersetzungen. Mit anderen Worten bin ich sehr ausgelastet, wenn nicht sogar zum Teil am Limit.

Mit diesen Gegebenheiten habe ich online vor zwei einhalb Monaten eine Frau (33) kennengelernt, die ebenfalls studiert. Im ersten Monat haben wir uns jede Woche einmal gesehen, einerseits wegen meines vollen Stundenplans, andererseits auch wegen ihrer Prüfungsphase. Jedenfalls wurde die Verbindung immer intensiver, wobei sie schon zu Beginn gesagt hatte, dass sie in einer Psychoanalytischen Therapie ist und dass das viel Raum einnähme und dass sie am strukturellen Aufarbeiten ist. Sie hat auch davon gesprochen, dass sie es aufgrund ihrer Vergangenheit schwer hat, sich anzupassen, dass sie viel Raum brauche, was sich im Kontext meines vollen Stundenplans herausstellte.
Als sich die Gefühle auch bei mir intensiviert hatten, habe ich versucht sie möglichst oft zu sehen, sei es auf einen kurzen Kaffee in der Stadt, sei es auf einen Spazierung oder eben auch bei gemeinsamen Nächten. So kamen wir schon auf drei bis vier Treffen pro Woche, was mir natürlich auch Kapazitäten genommen hatte, allerdings habe ich das gerne getan, weil die gemeinsame Zeit, die Gespräche und die Körperlichkeiten so schön, so tief und so echt waren, mit anderen Worten habe ich mich einfach sehr stark in diese Frau verliebt, was ich seit Jahren so nicht mehr kannte.
Leider gab es vor zwei Wochen allerdings schon die erste weniger schöne Auseinandersetzung als ich wiedermal Stress mit meiner Expartnerin hatte und ich ihr davon berichtete, was nicht das erste Mal war. Sie verfiel daraufhin leider in eine starke Unsicherheit und Angst, wenngleich die Situation mit meiner EX weniger schlimm war, stellte darauf die Forderung, dass ich das doch nun schnellstmöglich lösen müsse, sonst wüsste sie nicht wie das mit uns funktionieren sollte, was für mich natürlich nicht einfach war. Nach einer langen Aussprache ein paar Tage später hat sich herausgestellt, dass sie in der Vergangenheit vonseiten der Familie psychische Gewalt erlebt hatte, was sie natürlich in jedem Fall nicht mehr möchte und das bezüglich der destruktiven Kommunikationsmethode meiner EX getriggert wurde, auch wenn ich ihr ja nur davon berichtet habe. Wir haben uns dann wieder gefunden und wiederum eine schöne Zeit gehabt.
Allerdings bin ich nun auch in der Prüfungsphase, und habe versucht jeden möglichen Raum für uns zu finden, sodass es wieder zu 2-3 Treffen pro Woche kam, wobei ich unabhängig von meinem Stundenplan auch ein anderes soziales Treffen im Auge hatte, was für sie schon die Dynamik ausgelöst hatte, ob sie Prioriät Nummer eins sei (wenn ich quasi mal Zeit habe) und dass ich das doch als Kompromiss absagen könne, und sie dann auch mir entgegen käme, dass wir die vorangehende Nacht dranhängen können, was für mich schon ohnehin selbstverständlich gewesen wäre. Ich habe ihr dann erklärt, dass ich solche Forderung nicht liebevoll und akzeptabel finde, was sie dann auch verstehen konnte.
Jedenfalls hatten wir dann vergangenes Wochenende nochmal eine wunderbare Zeit zusammen. Ich habe ihr dann auch gleich zugesichert, dass ich sie gerne gestern und heute sehen möchte, obwohl ich morgen eine Klausur habe. Beim gestrigen Treffen ist dann wieder einer dieser Dynamiken empor gekommen, als ich angedeutet hatte, dass ich am Samstag Abend mit einer platonischen Freundin, die ich seit Monaten nicht mehr gesehen hatte, zu einer Veranstaltung gehen möchte, jedoch danach und auch am Sonntag natürlich gerne Zeit mit ihr verbringen möchte. Daraufhin meinte sie wieder, dass sie nicht eingeschoben werden möchte, sie das nicht in Ordnung findet und sie das für ein Kennenlernen zu wenig findet, was mich einerseits traurig und wütend machte, weil sie bei "kleineren" Auseinandersetzungen die ganze Sache mit uns immer implizit sofort in Frage stellte. Jedenfalls habe ich sie dann gestern Abend noch damit konfrontiert, mein Verständis, mein Ärger darüber, dass ich mir den "Arsch für sie aufreiße" und aber auch mein Bedürfniss nach Stütze und Vertrauen in unser Kennenlernern, sie hat das mit dem Samstag allerdings als klare "Message" gesehen, dass sie nicht Prio eins ist und ich mich so unflexibel zeigen würde und dann Schluss gemacht, was für mich sehr schwer zu ertragen ist. Wobei sie auch in den letzten Wochen immer wieder gesagt hätte, dass sie sich mir geöffnet hat, dass sie Gefühle für mich hat, dass sie sich in mich verliebt hat. Mit der Hoffnung auf Ruhe, Reflexion und Verarbeitung wollte ich dann erstmal aus dem Kontakt. Leider hat sie mir heute direkt geschrieben, dass sie zwar nicht offen für eine Partnerschaft sei, jedoch alles sehr traurig findet, dass ihr "Herz voller Zärtlichkeiten" zu mir sei und dass sie gerne, sofern ich dafür bereit bin, ein wohlwollendes Gespräch führen möchte um den "Abschied als Liebespaar" im Guten zu gestalten. Das war inbesondere da ich heute noch viel zu lernen hatte, ein starkes und erneutes Drücken in meine Verletzung rein, was ich sehr schade finde.
Ich habe so viele schöne Gedanken zu ihr entwickelt, so viel Zuversicht für die Zukunft gehabt, weil ich bald mehr Zeit haben werde, wir hatten sogar schon einen Wochenendausflug im nächsten Monat vor Augen, am Freitag wollte ich ihr meine Tochter vorstellen, es macht mich sehr traurig, ich habe so viel gegeben und so viel Räume geschaffen, ihr so viel Aufmerksamkeit, Liebkosungen geschenkt...ich frage mich, ob es was bringt zu kämpfen oder ob sie sich ohnehin nicht öffnen konnte, ob sie nicht ohnehin in Widerständen steckt und ob ich das aushalte, dass sie das Ganze so schnell in Frage stellt, was für mich immer wieder Verletzungen bedeutet hat...

Geändert von Melste (28.02.2024 um 20:15 Uhr)
Melste ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.02.2024, 22:03   #2
Forengast
 
Registriert seit: 03/2008
Beiträge: 12.454
Hi,
ich denke, du bist in deiner sehr aufgewühlten Situation mit einem Profi am besten beraten.
Ich empfehle dir auf Youtube zwei Coaches: Lucia The Art of Love, und Coach Craig Kenneth. Beide halte ich für sehr kompetent.

Alles Gute!
Anna
Anna-Lia ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.02.2024, 22:07   #3
Forengast
Landvogt
 
Registriert seit: 04/2010
Beiträge: 7.971
Zitat:
Zitat von Melste Beitrag anzeigen
Ich habe so viele schöne Gedanken zu ihr entwickelt, so viel Zuversicht für die Zukunft gehabt, weil ich bald mehr Zeit haben werde, wir hatten sogar schon einen Wochenendausflug im nächsten Monat vor Augen, am Freitag wollte ich ihr meine Tochter vorstellen, es macht mich sehr traurig, ich habe so viel gegeben und so viel Räume geschaffen, ihr so viel Aufmerksamkeit, Liebkosungen geschenkt...ich frage mich, ob es was bringt zu kämpfen oder ob sie sich ohnehin nicht öffnen konnte, ob sie nicht ohnehin in Widerständen steckt und ob ich das aushalte, dass sie das Ganze so schnell in Frage stellt, was für mich immer wieder Verletzungen bedeutet hat...
Hallo Meiste,

also ich bin gleich am Anfang mal schonungslos offen...ihr beide seid viel zu eingespannt für eine Beziehung miteinander. Und habt auch sehr hochgesteckte Erwartungen, schon am Anfang eures Kennenlernen.

Sie fühlt sich gleich herabgesetzt, wenn du Freunde treffen willst und es kommt zum Streit. Das ist problematisch. Zusätzlich zu deinem Kind, zu deinem Studium, zu deiner Arbeit und zu-zusätzlich noch der Umgang mit deiner Ex-Partnerin, willst du also auch noch eine Beziehung führen, die dich vollumfänglich einnimmt und herausfordert? Ein ständiges Auf und Ab ist? Wir sprechen hier von gerade einmal 10 Wochen in der es zu:
  • Unsicherheiten und Ängsten
  • Besitzansprüchen ("nicht Prio 1")
  • Forderungen mit leichter Erpressung
  • Triggerpunkte
  • Infragestellen des Sinns eures Kennenlernen bei Auseinandersetzungen
  • Schluss machen wegen zu wenig Zeit

kam.

Ich glaube nicht, das dies ideale Ausgangspunkte sind.

Du hast dich in den Gedanken verliebt, wieder eine Beziehung zu führen. Nähe genossen.
Aber leider mit einer zu komplizierten Partnerin in deiner aktuellen Situation.
Matze1985 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.02.2024, 23:14   #4
Forengast
Special Member
 
Registriert seit: 01/2014
Beiträge: 3.550
Eine persönliche Aussprache von Angesicht zu Angesicht ist in jedem Fall immer die allerbeste Wahl, wenn im Rahmen eines Kennenlernens eine der beiden Personen das Kennenlernen nicht fortführen möchte.
Robertalk ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.02.2024, 06:37   #5
Forengast
 
Registriert seit: 07/2010
Beiträge: 11.203
Tut mir leid das so brutal zu sagen: sei froh daß Du diese Dachschadentussi los bist

HW124 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.02.2024, 08:02   #6
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Weltraumpräsident
 
Registriert seit: 01/2017
Beiträge: 14.721
Nein, nicht kämpfen! Sei lieber froh das dies vorbei ist, denn wie HW schon ausdrückte ersparst Du Dir hier gerade eine toxische Beziehung. Das mit dem Gespräch würde ich an Deiner Stelle auch lassen, was soll da schon positives bei rumkommen? Wenn Du dies für Dich gerne möchtest und einen Mehrwert siehst ist das natürlich eine Option, ich sehe allerdings die Gefahr das sie mit ihrem Push and Pull weitermacht. Ihr Verhalten bisher ist manipulativ und toxisch, das wäre in diesem Gespräch nicht viel anders und wird vor allem in der Zukunft nicht besser werden. Ganz im Gegenteil, das würde sich sukzessive steigern.
monochrom ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.02.2024, 08:25   #7
Forengast
Special Member
 
Registriert seit: 02/2016
Beiträge: 2.869
An erster Stelle müsste dir dein Kind stehen. Dazu sind Gespräche mit deiner Ex, für deren Art zu kommunizieren du gar nichts kannst, notwendig. Wenn sie das nicht verstehen kann, dann sucht sie sich besser einen Mann ohne Anhang. Und: du hast neben deinen Verpflichtungen und einer Partnerschaft auch noch ein Recht auf ein Privatleben auśerhalb von dieser. Da sie anscheinend nicht in der Lage ist, dies zu akzeptieren, würde ich sie gehen lassen. Du tust dir selbst nichts Gutes, wenn du mit ihr zusammen bleibst.
MiaMarietta ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.02.2024, 20:02   #8
Forengast
Junior Member
 
Registriert seit: 09/2021
Beiträge: 4
Hallo liebe Leute,

vielen Dank für die schnellen und ehrlichen Rückmeldungen!
Ich finde das ja wirklich super, dass hier so schnell und so umfangreich geantwortet wird!

Ja, diese ganz Schlussmachszenerie scheint wohl Ausdruck einer nicht ganz unpathologischen Quelle zu sein. Sie hat mir nämlich heute nochmal viel Erfolg für die Klausur gewünscht (geschrieben), und ein paar Stunden später danach gefragt wie es mir geht und wie die Klausur denn lief, im Widerspruch zu einem konsequenten Schlussstrich, denn sie ja scheinbar ziehen wollte. Ich habe bisher noch nicht geantwortet...

Irgendwie sehr schade das Ganze...
Melste ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.03.2024, 08:02   #9
Forengast
Weltraumpräsident
 
Registriert seit: 01/2017
Beiträge: 14.721
Klassisch Push and Pull.
monochrom ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.03.2024, 08:59   #10
Forengast
Landvogt
 
Registriert seit: 04/2010
Beiträge: 7.971
Zitat:
Zitat von Melste Beitrag anzeigen
Sie hat mir nämlich heute nochmal viel Erfolg für die Klausur gewünscht (geschrieben), und ein paar Stunden später danach gefragt wie es mir geht und wie die Klausur denn lief, im Widerspruch zu einem konsequenten Schlussstrich, denn sie ja scheinbar ziehen wollte. Ich habe bisher noch nicht geantwortet...

Irgendwie sehr schade das Ganze ...
Diese widersprüchliche Verhalten...diese Auf und Ab ist doch die Quintessenz eures Kennenlernens. Warum sollte sich das nun sofort ändern, nur weil man gesagt hat, man beendet etwas?

Vielleicht war dieser Ausspruch auch nur eine Kurzschlussreaktion, bedingt aus Triggerpunkten. Vielleicht ging es auch nie um einen totalen Kontaktabbruch.
Matze1985 ist offline   Mit Zitat antworten
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